11.07.2008 18:15
Drucken |

Schrift:

XETRA-SCHLUSS/US-Finanzkrise schickt DAX auf Jahrestief

   FRANKFURT (Dow Jones)--Mit einem weiteren tiefroten Handelstag und einem neuen Jahrestiefstand hat sich der deutsche Aktienmarkt am Freitag aus der Handelswoche verabschiedet. Eine erneute Panikattacke an den US-Finanzmärkten schickte den DAX auf Jahrestief, den Euro deutlich über 1,59 USD und das Öl auf ein neues Hoch bei 147,27 USD. Der DAX reduzierte sich um 2,4% oder 152 auf 6.153 Punkte. Damit wurde das bisherige Jahrestief bei 6.168 Punkten auf Schlusskursbasis unterschritten. Im Verlauf war der Index schon bis auf 6.140 Punkte gefallen. Die meisten DAX-Titel büßten zwischen 2% und 4% ein. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 182,4 (Vortag 159,4) Mio Aktien im Wert von rund 6,82 (Vortag: 5,89) Mrd EUR.

   Die Panik bei den halbstaatlichen US-Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac habe sich auf den Dollar niedergeschlagen, hieß es im Handel. Eine Insolvenz der beiden Unternehmen hätte kaum kalkulierbare Folgen für das weltweite Finanzsystem. Fannie Mae und Freddie Mac garantieren etwa die Hälfte aller Immobilienkredite in den USA.

   Die Aktien beider Unternehmen brachen zwischenzeitlich um bis zu 50% ein. Der Markt spekuliere zwar auf eine Staatsgarantie für beide, jedoch könne dies im Maximalfall zu einer Verdoppelung der US-Haushaltsverschuldung führen. "Per Saldo höhlt das den Wert des US-Dollar massiv aus", so ein Händler. Der Markt flüchtete daher in Öl und Euro. Auch Gold bewegte sich wieder zielstrebig in Richtung der Marke von 1.000 USD.

   Die guten Nachrichten des Tages wurden in diesem Umfeld nicht wahrgenommen: So fielen die Zahlen von General Electric genau wie erwartet aus und zeigten nicht die befürchtete Gewinnwarnung. Und der Index zum Verbrauchervertrauen an der Uni Michigan fiel sogar besser als erwartet aus. Mit etwas Enttäuschung wurden dann jedoch die Aussagen von US-Finanzminister Henry Paulson zu den US-Finanzierern zur Kenntnis genommen. "Paulson hat im Prinzip dasselbe wie im Wochenverlauf gesagt", sagte ein Händler. Die erhofften, konkreten Rettungsmaßnahmen wurden nicht genannt.

   Unter Druck standen zum Wochenausklang die Automobilwerte. Neben den klassischen Belastungsfaktoren Ölpreis und Euro drückte eine Studie von Merrill Lynch (ML) auf die Kurse. Die Analysten erwarten beim Absatz 2008 ein Minus von 5% nach zuvor 3,2% und 2009 einen Rückgang um 3% statt 1,3%. Folgerichtig senkten sie die Kursziele aller europäischen Autohersteller. Daimler verloren 3,2% auf 37,52 EUR und BMW fielen um 3,7% auf 28,76 EUR. Tagesverlierer Continental brachen sogar um 7,6% auf 53,96 EUR ein. Die ML-Analysten hatten die Aktie von ihrer "Buy"-Empfehlung gestrichen. Auch MAN gaben um 5,2% auf 65,29 EUR nach. VW fielen nur um 0,8% auf 168,65 EUR und profitierten damit vom Anstieg des Nutzfahrzeugabsatzes. VW steigerte den Absatz im ersten Halbjahr um 12,5%.

   Deutsche Bank verloren dagegen 3,7% auf 52,27 EUR. Hier belastete die Meldung, wonach die Bank beim Verkauf der Citibank nicht zum Zuge gekommen ist. Stattdessen geht die Citibank an die französische Credit Mutuel. Dies beförderte Spekulationen, die Deutsche Bank könnte in den Bieterwettstreit um die Postbank einsteigen. Deutsche Postbank stiegen daher gegen den Markt um 2,3% auf 50,59 EUR. Ebenfalls gegen den Trend stiegen Commerzbank um 0,5% auf 19,52 EUR.

   Auch bei den Nebenwerten dominierten tiefrote Vorzeichen. So brachen EADS nach dem höchstwahrscheinlich nach der Neuausschreibung nun verlorenen US-Tankerauftrag um 10,2% auf 10,79 EUR ein. Heidelberger Druck büßten nach einer Herabstufung durch J.P. Morgan auf "Underweight" 8% auf 11,19 EUR ein. Die Verkehrszahlen von Fraport wurden als "etwas unter den Erwartungen" bezeichnet und schickten die Aktie 6,6% tiefer auf 37,70 EUR.

DJG/mod/ros (END) Dow Jones Newswires

   July 11, 2008 12:14 ET (16:14 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 12 14 PM EDT 07-11-08

Aktien in diesem Artikel

MAN vz 50,4 -3,8%
Daimler 27,8 +1,5%
European Aeronautic Defence and Space 11,4 -2,8%
Deutsche Postbank 29,1 -3,0%
Fraport 37,0 -0,6%
Bayerische Motoren Werke 24,8 +0,5%
Commerzbank 10,9 -9,0%
Deutsche Bank 44,2 -7,1%
Volkswagen vz 76,7 -3,9%
Continental 45,3 +0,6%
Heidelberger Druckmaschinen 9,0 -4,1%
Was denken Sie über die KfW?
Wichtige Institution
Stümperhafte Vorstände
Sollte abgeschafft werden
Milliardengrab für Steuergelder
Muss umgebaut werden




Wie bewerten Sie diese Seite?   sehr gut        schlecht
 

Anzeige

Anzeige