08.11.2012 09:22
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Trotz sehr guten Zahlen: Siemens verordnet sich radikalen Sparkus

Trüber Ausblick: Trotz sehr guten Zahlen: Siemens verordnet sich radikalen Sparkus | Nachricht | finanzen.net
Trüber Ausblick
Der Technologiekonzern Siemens hat nach einem Schlussspurt im vierten Quartal seine selbst gesteckten Gewinnziele doch noch erreicht und die Erwartungen am Markt übertroffen.
Der Ausblick fällt aber etwas trübe aus. Kommendes Jahr dürfte der Gewinn bei stabilen Umsätzen sinken. Um mit der Konkurrenz wieder mithalten zu können, haben sich die Münchener einen harten Sparkurs verordnet - das drückt erst einmal auf die Gewinne.

   Siemens-Chef Peter Löscher will bis 2014 insgesamt 6 Milliarden Euro sparen. Damit soll die Profitabilität wieder anziehen und die zuletzt kritischen Investoren überzeugt werden. In zwei Jahren soll die Marge dann mindestens 12 Prozent erreichen nach 9,5 Prozent im abgelaufenen Jahr. Ob die Bayern dabei auch auf Stellenstreichungen setzen, ist bisher unklar.

   Der Sparkurs kostet aber erstmal richtig Geld. Siemens veranschlagt die Kosten für die Rosskur auf insgesamt bis zu 1,5 Milliarden Euro, davon rund 1 Milliarde im Geschäftsjahr 2012/13. Das zerrt an den Gewinnen. Am Aktienmarkt wird der Ausblick als vorsichtig gewertet. "Anderes kann man zu den globalen Aussichten nicht sagen, das ist konservativ, aber nicht negativ", so ein Analyst in einer ersten Einschätzung.

   Im abgelaufenen Jahr lief es besser als befürchtet. Der Gewinn des DAX-Konzerns sank zwar deutlich auf 5,2 Milliarden Euro - übertraf aber die Schätzungen der Analysten. Die im Jahresverlauf gestutzte Prognose konnten die Bayern damit erreichen. Zu verdanken hat Siemens das einem starken Schlussquartal. Das Ergebnis sank auch wegen Sonderbelastungen weniger stark als befürchtet auf nur 1,5 Milliarden Euro.

   Besonders gut fiel das Ergebnis in den Sektoren Healthcare und Infrastructure Cities aus, wo Zuwächse von 28 Prozent und 17 Prozent verzeichnet werden konnten.

   Im Energiegeschäft dagegen sank das Ergebnis um mehr als die Hälfte. Siemens macht dafür vor allem

   Sonderbelastungen in Höhe von insgesamt 566 Millionen Euro vor Steuern verantwortlich. Allein 327 Millionen Euro resultieren aus einer Anpassung der Kreditrisikobewertung des Iran. 133 Millionen Euro fielen im Zusammenhang mit Kapazitätsanpassungen bei Energieübertragungsgeschäften und im Zusammenhang mit Problemen beim Netzanschluss von Offshore-Windparks in der Nordsee an. 106 Millionen Euro musste Siemens in Verbindung mit der seit Jahren verzögerten Fertigstellung des von einem Siemens-Konsortium gebauten finnischen Atomreaktors Olkiluoto 3 abschreiben. Der Auftragseingang und der Umsatz im Bereich Energy wuchsen dagegen zweistellig.

   Im Industriegeschäft musste Siemens einen einstelligen Rückgang beim Ordereingang hinnehmen, während der Umsatz stieg. Das Ergebnis des Sektors sank um 6 Prozent.

   Beim Konzernumsatz schnitten die Münchener in der Summe einmal mehr stark ab. Die Erlöse kletterten von Juli bis September um 7 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro. Der Auftragseingang ging insgesamt leicht nach oben. Auch das dürfte Beobachter mehr als zufrieden stellen. Die Dividende will Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr stabil halten.

   Deutschlands Technologieriese hat sich am Donnerstag nicht nur ein großes Einsparziel auf die Fahnen geschrieben. Die Münchener wollen auch durch Zukäufe und einen Umbau des Portfolios zulegen. Dazu soll das wichtige Industriesoftwaregeschäft mit der Übernahme des belgischen Konzerns LMS für rund 680 Millionen Euro gestärkt werden. Zudem will Löscher den Industry-Sektor, das zweitwichtigste Geschäft der Münchener, auf die Automatisierungtechnik fokussieren. Das Geschäft mit Wasseraufbereitung wird verkauft.

   Siemens ist im Vergleich zu seinen Rivalen zuletzt ins Hintertreffen geraten. Wettbewerber wie der US-Konzern General Electric oder die Schweizer ABB hatten eine deutlich bessere Entwicklung aufzuweisen. Analysten hatten die Schwierigkeiten des Konzerns vorwiegend als hausgemacht bezeichnet. Siemens habe sich zu sehr auf Umsatzwachstum konzentriert, zum Teil zu Lasten der Margen. Doch trotz konjunktureller Warnzeichen investierte Siemens bis zuletzt stetig in weiteres Wachstum, das aber zunehmend ausblieb. Mit den starken Geschäftszahlen dürfte der Konzern den Skeptikern etwas den Wind aus den Segeln nehmen.

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Bildquellen: Siemens-Pressebild, Siemens AG
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