(Neu: Analystenkommentare von Goldman Sachs und Sal. Oppenheim.)
FRANKFURT (dpa-AFX) - SAP-Aktien <SAP.ETR> haben am Mittwoch nach guten Zahlen des Konkurrenten Oracle <ORCL.NAS> <ORC.FSE> zugelegt und sich im Dax im vorderen Drittel positioniert. Der US-Softwarehersteller schlug sich im vierten Geschäftsquartal besser als vom Markt erwartet. Analysten sahen indes einen nur begrenzt positiven Einfluss auf SAP. Gegen 13.15 Uhr verteuerten sich die Titel des Walldorfer Softwarekonzerns SAP um 1,75 Prozent auf 28,540 Euro. Zum Vergleich verzeichnete der deutsche Leitindex <DAX.ETR> Gewinne von 0,84 Prozent auf 4.746,65 Punkte. Zwar bekam Oracle die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren und musste Rückgänge bei Umsatz und Gewinn hinnehmen. Allerdings hatten die Amerikaner die Wall Street bereits im März auf ein schwieriges Quartal eingestimmt. So kam es, dass der Konzern die Erwartungen der meisten Analysten schlagen konnte und dessen Aktien im nachbörslichen Handel kräftig zulegten. Ein Händler wies darauf hin, dass Oracle "wie immer" sagte, sie hätten SAP Marktanteile abgenommen. Cheuvreux-Analyst Bernd Laux sah die Oracle-Zahlen durch die Bank über den Erwartungen der Wall Street. Die auch für SAP wichtigen Unternehmenssoftware -Erlöse seien nur moderat gesunken. "Während die Widerstandsfähigkeit der Ergebnisse auch als gutes Zeichen für SAP gesehen werden kann, macht der potenzielle Verlust von Marktanteilen Sorge", führte Laux weiter aus. Entsprechende Behauptungen der Amerikaner erschienen nicht unrealistisch und es könnte SAP schwer fallen, die vom US-Konkurrenten derzeit gesetzte Messlatte zu erreichen. Laux' Votum für SAP bleibt "Underperfom" mit einem Kursziel von 33,00 Euro. Der wichtigste Wettbewerber von SAP habe einmal mehr starke Zahlen vorgelegt, schrieb Analyst Raimo Lenschow von Merrill Lynch. Der Konzernumsatz habe sowohl seine als auch die durchschnittlichen Markterwartungen übertroffen und der Gewinn je Aktie (EPS) habe über den Konsensschätzungen gelegen. Die Aussagen des Experten zu den Walldorfern fielen zurückhaltend aus. "Offensichtlich hält Oracle sich im derzeitigen Abschwung dank der breiteren Produktpalette deutlich besser als SAP", gab er mit Blick auf die deutlich weniger rückläufigen Software-Erlöse des US-Konzerns zu bedenken. Zwar sei nicht klar, ob SAP neue Kunden und damit im klassischen Sinne Marktanteile verliere. Doch offensichtlich "macht Oracle derzeit einen besseren Job". Immerhin aber sähen die Amerikaner trotz eines weiter schwierigen Umfelds eine wachsende Pipeline. Daher könnten sich bei SAP die Lizenzerlöse im zweite Halbjahr mehr als saisonal üblich verbessern. Lenschow bewertet die SAP-Aktie mit "Neutral" und sieht das Kursziel bei 34,00 Euro. Die von Oracle gezeigte relative Stärke sei wahrscheinlich unternehmensspezifisch und die Zahlen könnten nicht 1:1 auf den Walldorfer Softwarekonzern übertragen werden, warnte Analyst Mohammed Moawalla von Goldman Sachs. Er gehe davon aus, dass das zweite Quartal für SAP erneut schwierig gewesen sei, und beließ die Aktie auf "Neutral" mit einem Ziel von 35,00 Euro. Moawalla rechnet mit einem 43,5-prozentigen Rückgang der Lizenzerlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders die entwickelten Märkte dürften sich als schwach erweisen, aber auch die Schwellenländer als bisherige Wachstumslokomotive von SAP blieben unter Druck. Der Einfluss auf das EPS sollte indes wie beim US-Konkurrenten durch Kostenmaßnahmen abgemildert werden. Keinen Kurstreiber für SAP konnte auch Nicolas P. von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim, in den Oracle-Zahlen ausmachen. Im Vergleich zur überraschend starken Entwicklung der Unternehmenssoftware-Erlöse bei den Amerikanern rechne er für SAP mit einer schwachen Entwicklung, was zu einem weiteren Rückgang der Marktanteile führen dürfte. Sein Votum für SAP lautet weiterhin "Reduce" mit einem fairen Wert von 26,50 Euro./gl/la