(Neu: Analystenkommentare von Cheuvreux und Merck Finck)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Siemens-Aktien (Siemens) haben am Donnerstag nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen und einer Prognose-Anhebung zu den Favoriten im Dax gehört. Bis 10.30 Uhr stiegen die Anteilsscheine um 0,97 Prozent auf 72,68 Euro. Zeitgleich erholte sich der Leitindex (DAX) von seinen jüngsten deutlichen Kursverlusten und gewann 0,36 Prozent auf 6.106,11 Punkte hinzu.
Der Mischkonzern hob nach einem überraschend starken zweiten Geschäftsquartal wie erwartet seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Gerechnet wird seitens des Managements nun für das laufende Geschäftsjahr mit einem Ergebnis der Sektoren über dem Vorjahreswert von 7,5 Milliarden Euro, was den wenige Tage zuvor kursierenden Spekulationen entsprach. Bislang hatten die Münchener einen operativen Gewinn in Höhe von 6 Milliarden bis 6,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Ein Händler meinte dennoch: Die neue Prognose, zusammen mit den besseren Quartalszahlen, gäben der Aktie Auftrieb. Im weiteren Handelsverlauf schließt er allerdings Gewinnmitnahmen nicht aus.
Laut Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel lagen die Zahlen "leicht über seinen Erwartungen". Die angehobene Jahresprognose bestätige seine Schätzung, die bei 7,54 Milliarden Euro liege, biete aber auch kaum Aufwärtspotenzial. Schachel bewertet die Titel mit "Add" und einem Kursziel von 78,00 Euro. Ein weiterer Börsianer zielte vor allem auf die Auftragseingänge ab und meinte: "Hier hat vor allem die Industriesparte positiv überrascht." Mit Blick auf die Gewinnverteilung hätten alle drei Geschäftsbereiche etwas besser als erwartet abgeschnitten.
Laut Analyst Bernd Laux von Cheuvreux ist Siemens strategisch auf dem richtigen Weg und setzt dies auch entsprechend um. Allerdings dürfte das mittlerweile im Kurs enthalten sein. Angesichts der höheren Gewinnprognose hob der Experte sein Kursziel von 71,00 auf 76,00 Euro an, blieb aber bei seiner "Underperform"-Einstufung. Laux hob in der Studie noch den freien Cash Flow lobend hervor.
Für Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck, klingt die neue Prognose realistisch, da es in den einzelnen Sparten in der zweiten Jahreshälfte Restrukturierungsaufwendungen geben dürfte. "Die Marktteilnehmer dürften nun allmählich anfangen, auf das kommende Geschäftsjahr zu schauen." Hier kann sich Kitz eine weitere Stärkung der Geschäftsfelder mit einem kurzfristigen Konjunkturzyklus vorstellen und eine Erholung der Sparten mit einem langfristigen Konjunkturzyklus. Das wiederum könne eine Rückkehr zum Wachstum bei den Auftragseingängen mit sich bringen./rum/ck