FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem erwarteten Scheitern der Fusion mit der NYSE Euronext haben die Titel der Deutschen
Börse am Mittwoch weniger stark zugelegt als der Dax. Die
Aktien rückten am Nachmittag um 0,87 Prozent auf 45,39 Euro vor. Der Leitindex (
DAX) stieg um 2,55 Prozent auf 6.623,66 Punkte. Die Titel der NYSE Euronext (
NYSE Group)rückten in New York um gut 0,9 Prozent vor.
Knapp ein Jahr, nachdem beide Börsen ihre Pläne für den Zusammenschluss zum weltgrößten Marktbetreiber vorgestellt hatten, hatte die EU-Wettbewerbskommission nun aus Sorge vor einer Behinderung des Wettbewerbs in erheblichem Maße ihr Veto eingelegt. Damit erlöscht das Umtauschangebot der Aktien der Deutschen Börse in die der Alpha Beta Netherlands Holding automatisch und das Umtauschangebot werde rückabgewickelt.
DERIVATEGESCHÄFT IM FOKUS
Deutsche Börse und NYSE Euronext hätten über ihre Terminbörsen-Töchter Eurex und Liffe zusammen rund 90 Prozent des gesamten an Börsen gehandelten Derivategeschäfts in Europa beherrscht. Das vor allem wollte wohl EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhindern. Die beiden Marktbetreiber hingegen hatten gehofft, dass in die Betrachtung auch der weitaus größere außerbörsliche Handel mit Derivaten in Europa einbezogen wird. Dann hätten die beiden Börsen nur einen Marktanteil von rund 15 Prozent auf sich vereint.
Zuletzt hatten Analysten bereits mehrheitlich mit einem Platzen der Fusion gerechnet und teils die Vorzüge der Eigenständigkeit betont. "Entsprechend könnte man sogar von 'sell on good news' sprechen", sagte ein Börsianer.
'SCHEITERN SCHLECHTER FÜR NYSE'
Der Vorstandschef der Deutschen Börse, Reto Francioni, sagte nun, die Deutsche Börse sei auch ohne Partner stark genug und gehe optimistisch in das Jahr 2012. Experten geben ihm Recht: Das Scheitern der Fusionspläne sei "strategisch gesehen schlechter für die NYSE", sagt Equinet-Analyst Philip Häßler. Sein Argument: Die Amerikaner hätten zu lange auf den traditionellen Aktienhandel gesetzt, wo sie fraglos stark seien. Doch das große Geld wird mittlerweile bei den Derivaten verdient. Und hier geben die Frankfurter den Ton an.
Die Frage sei allerdings auch bei der Deutschen Börse, "woher neues Umsatzwachstum kommen soll", sagt Häßler. Experten erwarten, dass sich die Frankfurter nun verstärkt nach Kooperationen in den Wachstumsmärkten Asien und Südamerika umschauen werden./ck/la/he