FRANKFURT (dpa-AFX) -
Aktien von europäischen Fluggesellschaften sind am Mittwoch nach negativen Analystenkommentaren deutlich unter Druck geraten. Im DAX wurden besonders die Aktien von Lufthansa in Mitleidenschaft gezogen, nachdem Cheuvreux sie von "Outperform" auf "Underperform" herabgestuft hatte. Sie gaben am DAX-Ende 2,65 Prozent auf 15,09 Euro nach. Air Berlin brachen im SDAX sogar um 10,29 Prozent auf 4,88 Euro ein. Die Aktien der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft kamen in einer Branchenstudie von Morgan Stanley besonders schlecht weg: Das Kursziel wurde auf 2,01 Euro halbiert. Der Gesamtmarkt zeigte sich unterdessen knapp behauptet, wobei der DAX gegen 10.25 Uhr um 0,50 Prozent auf 6.761,94 Zähler absackte.
Die Analysten von Cheuvreux sehen "Sturmwolken" auf die Lufthansa zukommen. Analyst Sebastian Kauffmann hob seine Schätzungen für den Ölpreis von 100 auf 135 US-Dollar je Barrell und senkte seine Gewinnerwartungen für die Lufthansa für 2009 und 2010 um 55 beziehungsweise 39 Prozent. Entsprechend schraubte er auch sein Kursziel von 20 auf 16 Euro nach unten. Obwohl die Lufthansa sich nach Meinung von Kauffmann besser als die Branche entwickeln wird, dürfte eine Outperformance gegenüber dem Dax angesichts schwierig werden. Denn nach Meinung von Kauffmann könnte die Lufthansa die Anleger noch mit einer Gewinnwarnung verschrecken.
Die Analysten von Morgan Stanley hoben unterdessen zwar ihr Kursziel für die Lufthansa-Titel von 12,00 auf 14,33 Euro und bestätigten die Aktien mit "Equal-Weight". Das Kursziel bedeute aber immer noch ein hohes Rückschlagsrisiko, kommentierte ein Börsianer. Und auch Analystin Penelope Butche äußerten sich in ihrer Branchenstudie nicht gerade zuversichtlich. Das Kursziel für Air Berlin halbierte die Analystin sogar von 4,00 auf 2,01 Dollar, beim Votum "Underweight". Die Luftfahrt-Branche sei stärker gefährdet, als es derzeit in den Bewertungen zum Ausdruck komme, schrieb die Analystin. Sie korrigierte ihre Gewinnprognosen für europäische Fluggesellschaften um 30 bis 70 Prozent nach unten. Allein in diesem Jahr habe es bereits weltweit zwei Dutzend Bankrottfälle und zahlreiche Flugzeug-Stilllegungen gegeben.
Am Markt werde der hohe Ölpreis noch nicht dauerhaft berücksichtigt, so Butcher weiter. Die jährlichen Preisanhebungen im zweistelligen Bereich dürften kaum ohne eine Reduzierung der Nachfrage durchgesetzt werden. Übernahmen seien in der Branche in nächster Zeit eher unwahrscheinlich, da die Fluggesellschaft ihr Kapital beisammen halten müssten./gr/fat