FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Close Brothers Seydler Bank sieht in den jüngsten Talfahrten am Aktienmarkt Übertreibungen und erwartet bis Jahresende wieder steigende Kurse. "Im
Dax (
DAX) könnten dann 6.200 bis 6.500 Punkte zu Buche stehen", sagte Roger Peeters, Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, am Mittwoch in Frankfurt. Vom heutigen Stand aus gesehen wäre das eine Erholung um bis zu knapp 1.000 Punkte. Im
MDAX (
MDAX) rechnet er mit einem Indexstand zwischen 9.600 und 10.000 Punkten und im
TecDax (
TecDAX) mit 800 bis 820 Punkten.
"Allerdings hält sich der Aussagewert solcher Prognosen in Grenzen", schränkte Peeters ein und ergänzte, dass er zu Jahresanfang von "deutlich höheren Index-Ständen" ausgegangen war. Gefahren, wie die derzeit erlebbaren und nicht nur rational zu erklärenden großen Schwankungen an den Märkten, ließen sich nicht ausschließen. "Und sollte der Dow Jones Industrial unter 10.000 Punkte fallen, dann dürfte sich auch der Dax nicht mehr über 5.000 Punkten halten können", sagte er und bestätigte damit auch die Abhängigkeit des deutschen Börsenbarometers von der Entwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft USA.
Derzeit, so der Vorstand der Research-Abteilung, gebe es einen Dreiklang aus extremer Verunsicherung, einhergehend mit der weltweiten konjunkturellen Situation und problematischer Staatsfinanzen von Euroländern an den Aktienmärkten. Dabei aber sei der Status Quo in Deutschland immer noch sehr gut, "und man muss schon sehr negativ sein, um daran etwas auszusetzen". Die Situation der Unternehmen sei deutlich stabiler als zur Zeit der Finanzkrise und das Thema Staatsfinanzen in der Eurozone nicht erst seit einem halben Jahr ein Problem. Daher kommt Peeters zu dem Schluss, dass die Märkte seit Beginn der Talfahrt am 25. Juli "etwas übertrieben" reagiert hätten.
Erneute Abstürze erwartet er auch deshalb nicht, da das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) der wichtigen deutschen Indizes auf einem attraktiven Niveau sei. Der Dax etwa habe derzeit ein KBV von 1,19 und sich der damit der Untergrenze, also dem fairen Wert von 1 angenähert. Das KBV des MDax liege bei 1,48 und das des TecDax bei 1,65. Dennoch bleibe die Unsicherheit aber vorerst erhalten, da die Sorge vor einem Wirtschaftsabschwung die Märkte belaste und schwache Finanzmärkte wiederum die Wirtschaft beunruhigten. Zudem sei die Frage nach einem Rettungsanker für Staaten nach wie vor ungeklärt. "Es herrscht Anspannung und Nervosität. Aktuell nun hoffen die Anleger, dass die US-Notenbank am Freitag weitere stark antideflationäre Maßnahmen bekannt gibt. Für die Aktienmärkte könnte das positive Aspekte beinhalten."
Hinsichtlich großer, mittlerer und kleiner Konzerne sieht Peeters zwar grundsätzlich die Gefahr eines stärkeren und schnelleren Abschwungs im deutschen Nebenwertebereich, da dort notierte Unternehmen unter anderem risikoanfälliger und zudem viele stark zyklisch seien. Andererseits spreche für sie, dass im Nebenwertebereich der Anteil langfristig orientierter Finanzinvestoren höher sei. Zudem hätten sie oftmals eine sehr gute Marktposition in aussichtsreichen Nischen, seien attraktive Ziele für Übernahmen und weniger angreifbar durch Leerverkäufer.
Im Immobliensektor sind die "Top Picks" der auf den Mittelstand ausgerichteten Investmentbank Close Brothers Seydler TAG Immobilien und die Deutsche Euroshop (Deutsche EuroShop) und im Solarsektor Centrotherm Photovoltaics (centrotherm photovoltaics) und Phoenix Solar. Im Bereich Medien, Internet und Telekom empfiehlt sie als Favoriten Highlight Communications, Freenet und Xing , und im Sektor Konsum- und Bekleidungsindustrie Gerry Weber (GERRY WEBER International), Hawesko und Cewe Color (CeWe Color). Unter den zyklischen industriellen Unternehmen sind die Top Picks der Bank Dürr (Duerr) und Gildemeister (GILDEMEISTER)./ck/gl