AOK-Rabattverträge für 63 Wirkstoffe starten am 1. Juni - Laufzeit bis 2011
STUTTGART/BERLIN (dpa-AFX) - Die AOK hat unter der Federführung der AOK Baden-Württemberg nach mehr als 40 Rechtsstreitigkeiten vor Gerichten alle Zuschläge für die ausgeschriebenen 63 Wirkstoffe erteilt. Die neuen Arzneimittelverträge haben eine Laufzeit von zwei Jahren und wurden mit 22 Partnerunternehmen der Pharmaindustrie geschlossen, teilte die AOK Baden-Württemberg am Mittwoch in Berlin mit. Die Umsetzung beginne am 1. Juni 2009 mit einer einmonatigen Übergangsfrist. Das Einsparpotenzial liege bei über 500 Millionen Euro für die Allgemeine Ortskrankenkasse pro Jahr. Der zum 1. März 2009 geplante Start der AOK-Rabattverträge hatte sich wegen Gerichtsverfahren verzögert.
Zu den Unternehmen, die Zuschläge erhalten haben gehören unter anderem der Bad Vilbeler Generikakonzern STADA <SAZ.ETR>, der Branchenprimus Teva Pharmaceuticals <TEVA.NAS> <TEV.ETR> und Sanofi-Aventis <PAVE.PSE> <AVE.ETR> mit seiner Generikasparte Winthrop. Keinen Zuschlag hat dagegen der zum Verkauf stehende Generikahersteller ratiopharm nach der Liste vom 30. April 2009 erhalten. Insgesamt gibt es nach Angaben des Branchenverbandes ProGenerika in Deutschland bis zu 160 Anbieter von Generika (Nachahmermedikamenten).
MEHR ALS 30 VERFAHREN VOR GERICHTEN
"Schon bei der Ausschreibung der 1. Arzneimittel-Rabattrunde vor zweieinhalb Jahren haben wir mit Gegenwehr von Pharmaunternehmen gerechnet. Heute müssen wir feststellen, dass die Auseinandersetzungen von Ausschreibung zu Ausschreibung immer massiver geworden sind", sagte Christopher Hermann, der stellvertretende Vorstandschef der AOK-Baden-Württemberg und Chefunterhändler der bundesweiten AOK-Arzneimittelrabattverträge. In den vergangenen Monaten der hätten über 30 Verfahren vor Vergabekammern und Gerichten stattgefunden.
Anfang August 2008 hatte die AOK die Arznei-Rabattrunde 2009/2011 gestartet und die insgesamt 63 Wirkstoffe mit einem Umsatzvolumen von über 2 Milliarden Euro im Jahr erstmals europaweit ausgeschrieben. Insgesamt 114 Interessenten hätten die Ausschreibungsunterlagen angefordert. Tatsächlich eingegangen seien 70 Bieterangebote.
Da diese Rabatte komplett von den Herstellern getragen werden müssten, liefe das bei den betroffenen Wirkstoffen nach Schätzungen aus der Pharmabranche auf eine Preis- und Umsatzreduktion von 50 bis 60 Prozent auf Basis der Herstellerabgabe-Preise hinaus. Angesichts der Marktbedeutung der AOK, bei der rund ein Drittel der Kassenpatienten in Deutschland versichert ist, können es sich Generikafirmen nicht leisten, bei solchen Ausschreibungen nicht mitzubieten./ep/ne/wiz