29.12.2012 09:04
Bewerten
(0)

AUSBLICK 2013/Inflationsängste: Entwertet die Geldschwemme unser Geld?

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Milliardenschwemme der Euro-Retter ist für Verbraucher schon lange nicht mehr greifbar. Viele fragen sich: Entwertet das billige Zentralbankgeld unser Geld? Ohnehin heizten Sprit- und Energiepreise in diesem Jahr über Monate die Inflation in Deutschland an. Gefühlt liegen die Preissteigerungen im "Teuro"-Land oft noch höher als das, was Statistiker amtlich errechnen. Hartnäckig hält sich die Angst vieler Deutscher vor einer gigantischen Geldentwertung infolge heiß laufender Notenpressen.

 

    "Die EZB verspricht uns knapp zwei Prozent Inflation, mittelfristig halte ich drei bis vier Prozent für wahrscheinlicher", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Und: Die Inflation wird in Deutschland höher ausfallen als in den Krisenländern selbst. Häufig werden die Zinsen nicht einmal die Inflation ausgleichen. Die Sparer haben dann das Nachsehen."

 

    Fakt ist: Dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euroraum auf das Rekordtief von 0,75 Prozent senkte und die Banken mit billigem Geld vollpumpte, drückte die Renditen für Sparer. Fakt ist aber auch: Trotz der Geldschwemme hält sich die Inflation bislang im Rahmen. Im November ließ die Teuerung in Deutschland sogar leicht nach, die jährliche Rate sank auf 1,9 Prozent und damit erstmals seit Juli unter die wichtige Marke von 2,0 Prozent. In den 17 Euroländern sank die Jahresteuerung im November auf den niedrigsten Wert seit fast zwei Jahren: 2,2 Prozent.

 

    EZB-Präsident Mario Draghi dürfte sich durch solche Daten bestätigt sehen. Der Italiener ist überzeugt: "Wegen der insgesamt schwachen Konjunktur und des langsamen Geldmengenwachstums bestehen mittelfristig derzeit nur sehr geringe Inflationsrisiken." Daran ändere auch die EZB-Krisenpolitik nichts. "Für jeden Euro, den wir zuführen, schöpfen wir auch wieder einen Euro ab", verspricht Draghi.

 

    Zwar erwartet selbst die EZB, dass die Teuerung im Euroraum noch eine Weile über ihrer Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent liegen wird. Im Laufe des Jahres 2013 werde die Grenze aber unterschritten. EZB-Direktor Jörg Asmussen bemühte sich, die Inflationsängste seiner Landsleute zu vertreiben: "Ich versichere Ihnen: Diese Sorgen sind unbegründet." Von Geldentwertung könne keine Rede sein.

 

    Keine Spur also vom "Inflationsmonster" - jener Trickfigur, die in einem EZB-Film mit Scheinen und Münzen um sich wirft? An der Zapfsäule, im Supermarkt und beim Heizen mag man den Berechnungen der Statistiker kaum glauben. Der ADAC bestärkt die Skeptiker: Nach Berechnungen des Automobilclubs war Sprit nie so teuer wie 2012. Und die Energiepreise trieben auch in den vergangenen Monaten die Inflation, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie zuvor.

 

    Wasser auf die Mühlen der Warner könnte sein, dass die umlaufende Geldmenge zuletzt so stark wuchs wie lange nicht, obwohl viele Investitionen wegen der Rezession im Euroraum zurückgehalten werden: Für Oktober etwa ermittelte die EZB ein Plus von 3,9 Prozent zum Vorjahresmonat bei der Geldmenge M3, die unter anderem Bargeld und Spareinlagen umfasst. Das war die höchste Jahresrate seit April 2009.

 

    Commerzbank-Ökonom Krämer meint: "Die EZB finanziert faktisch hoch verschuldete Länder. Sie ist nahe an die Politik gerückt. Es wird ihr schwer fallen, den Wunsch vieler Länder nach einer höheren Inflation vollständig abzuwehren."

 

    Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain stimmte die Europäer wegen der immensen Kosten für die Rettung der Gemeinschaftswährung auf höhere Inflation ein: "Das ist ein Preis, den wir für Europa werden zahlen müssen." Sein Vorgänger Josef Ackermann widersprach wenig später: "Die Inflationsproblematik, die viele so hochstilisieren, ist so nicht gegeben." Aktuell und in den nächsten Jahren sehe er keine Inflationsgefahren. "Die EZB ist sich sehr bewusst, dass sie die Liquidität, die tendenziell entstehen könnte, abschöpfen muss, sobald die Konjunktur anspringt", sagte Ackermann. "Aber davon sind wir leider noch einige Jahre entfernt."/ben/DP/zb

 

    ---  Von Jörn Bender, dpa ---

 

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Aktien mit Sicherheit und Potenzial

Für die neue Ausgabe des Anlegermagazins haben unsere Redakteure Aktien identifiziert, die aus ihrer Sicht Sicherheit und Potenzial bieten. Einen besonderen Blick werfen sie dabei auf die Chemie- und Versicherungsbranche. Erfahren Sie im aktuellen Magazin, wie Sie "Richtig investieren" und lesen Sie, welche Aktien bei überschaubarem Risiko einiges an Potenzial bieten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX schließt schwach -- Experte analysiert Korrelation zwischen Bitcoin und Gold -- Great Wall an Fiat Chrysler interessiert -- Renault, Lufthansa, Air Berlin im Fokus

Deutsche Bank setzt trotz Brexit auf reiche Londoner. Versorger-Aktien geben nach starken Kursanstiegen wieder nach. Glaubt nur noch George Soros an Snapchat? Institutionelle Investoren verkaufen ihre Tesla-Aktien. BVB-Aktie nähert sich Mehrjahreshoch. Linde rät ihren Aktionären zur Annahme des Tauschangebots.

Top-Rankings

KW 33: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 33: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Nicht nur schön und talentiert
Diese Frauen haben in Hollywood am meisten verdient

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Enormer Stressfaktor
In diesen Ländern haben Arbeitnehmer den größten Stress
Der CEO von Allianz, BMW oder doch Daimler?
Diese Manager lieben die Deutschen
Das sind 2017 bislang die größten Verlierer in Buffetts Depot
Welche Aktie enttäuschte bisher am meisten?
Die Meister-Liste der 1. Fußball Bundesliga
Welcher Verein hat die meisten Meistertitel?
Bitcoin & Co.: Die wichtigsten Kryptowährungen
Welche Digitalwährung macht das Rennen?
mehr Top Rankings

Umfrage

Donald Trump steht zunehmend in der Kritik. Was glauben Sie, wie lange wird er US-Präsident sein?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln

Willkommen bei finanzen.net Brokerage

Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus finanzen.net!

Weitere Informationen finden Sie hier.

Jetzt informieren und Depot eröffnen


Sie haben bereits ein Depot? Dann verknüpfen Sie es jetzt mit Ihrem finanzen.net-Account!

Jetzt verknüpfen

Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Apple Inc.865985
CommerzbankCBK100
E.ON SEENAG99
Air Berlin plcAB1000
TeslaA1CX3T
EVOTEC AG566480
Lufthansa AG823212
BMW AG519000
Allianz840400
Scout24 AGA12DM8
Nordex AGA0D655
Siemens AG723610