FRANKFURT (Dow Jones)--Die Bank of England (BoE) wird bei der anstehenden Sitzung ihres Geldpolitischen Rats nach Überzeugung von Volkswirten eine neue Runde der quantitativen Lockerung einläuten. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen erwarten im Konsens eine Aufstockung des Wertpapierkaufprogramms um 50 Milliarden Britische Pfund. Die neue Obergrenze für das Ankaufprogramm würde damit auf 325 Milliarden Pfund steigen. Einige Experten wie etwa Michael Saunders von der Citigroup sagen sogar eine Ausweitung um 75 Milliarden Pfund voraus. Die zweitägige Sitzung des BoE-Rats endet am Donnerstag, anschließend werden um 13.00 Uhr (MEZ) die Beschlüsse veröffentlicht.
Die britische Wirtschaft wird derzeit von drei Seiten in die Zange genommen: Zum einen bremst die scharfe Sparpolitik der konservativen Regierung das Wachstum, zum anderen verunsichert die ungelöste Schuldenkrise auf dem europäischen Festland die Bürger und die Unternehmer. Darüber hinaus stöhnen die privaten Haushalte unter einem immensen Schuldenberg, der hauptsächlich im Zuge der Immobilienblase aufgebaut wurde.
Als einziger Retter in der Not bleibt in dieser Lage die Zentralbank, die mit einer extrem lockeren Geldpolitik die Wirtschaft wieder auf Touren bringen kann. Da der Leitzins mit 0,50 Prozent schon fast bei null liegt, kann das nur über eine quantitative Lockerung geschehen.
Im vierten Quartal war die britische Wirtschaft um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft und manche Ökonomen befürchten ein weiteres Quartal mit einer rückläufigen Wirtschaftsleistung, womit die Definition einer technischen Rezession erfüllt wäre. Allerdings haben die Einkaufmanagerindizes zuletzt positiv überrascht, was das Risiko einer Rezession beträchtlich vermindert hat. Die Schwierigkeiten für die britische Wirtschaft bleiben aber groß genug, sodass es den Währungshüter nicht schwerfallen dürfte, ein erneutes Eingreifen zu rechtfertigen.
Ein Argument gegen eine Aktion der BoE stellt derzeit vor allem die hohe Inflation dar, die im Dezember doppelt so hoch lag wie das Inflationsziel von 2,0 Prozent. Die mittelfristig planenden Währungshüter rechnen allerdings damit, dass der Preisauftrieb im Laufe dieses Jahres stark zurückgeht. Die Prognosen der BoE sagen einen Rückgang der Inflation unter 2,0 Prozent bis Jahresende voraus, allerdings unter der Voraussetzung, dass weitere Stimulusprogramme ausbleiben.
Das gegenwärtig gültige Wertpapierkaufprogramm läuft im Februar aus und Ökonomen sinnieren darüber nach, wie groß das Volumen des Kaufprogramms letztlich sein muss, um die britische Wirtschaft wieder zu einem selbsttragenden Wachstum zu verhelfen. Viele Experten erwarten derzeit, dass die BoE im Mai eine weitere Aufstockung des Kaufprogramms um 50 Milliarden auf dann 375 Milliarden Pfund beschließen wird und danach erstmal eine Pause einlegen wird, um die Auswirkungen zu analysieren.
Einige Volkswirte gehen aber davon aus, dass dies noch nicht das Ende sein wird. "Ich persönlich glaube, dass wir erst bei 400 Milliarden Pfund zu einem Schluss kommen werden, sogar ohne eine Kernschmelze in Europa", sagt Colin Ellis, Chefökonom bei Capital Association. Michael Saunders von der Citigroup rechnet sogar mit einem noch größeren Volumen von 600 Milliarden Pfund. "Wir glauben, die meisten Experten unterschätzen die Bereitschaft der BoE, die Geldpolitik bei einer schwachen Wirtschaft und einer rückläufigen Inflation zum Einsatz zu bringen", sagt Saunders.
-Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 300,
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February 09, 2012 00:55 ET (05:55 GMT)
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