Von Hans Bentzien
Dow Jones NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte seine Geldpolitik bei den am Mittwochabend beginnenden Beratungen unverändert lassen und zugleich den Weg für eine deutlich höhere Liquiditätsversorgung der Banken frei machen. 43 der 45 von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten, dass der Hauptrefinanzierungssatz bei 1,00 Prozent bestätigt wird, wenn die EZB ihre Zinsentscheidung am Donnerstag um 13.45 Uhr bekannt gibt.
Während die Zinsentscheidung eine ziemlich sichere Sache ist, ranken sich um die geplante höhere Liquiditätsversorgung der Banken noch einige Unsicherheiten. Prinzipiell hatte die EZB bereits im November Maßnahmen beschlossen, die die Liquiditätsversorgung des Finanzsystems in ihrem Zusammenwirken signifikant erhöhen würden. So hat die EZB im Dezember ein Refinanzierungsgeschäft mit rund dreijähriger Laufzeit begeben, bei dem 489 Milliarden Euro zugeteilt wurden. Ein weiteres Element, die Halbierung des Mindestreservesatzes auf 1 Prozent, ist Mitte Januar in Kraft getreten.
Was nun noch fehlt, ist die volle Umsetzung der Beschlüsse, die die Verwendbarkeit von Wertpapieren in Refinanzierungsgeschäften mit den Zentralbanken des Euroraums erhöhen sollten. So wurde es ins Ermessen der nationalen Zentralbanken gestellt, ob sie bei Repo-Geschäften künftig auch Einzelkredite als Sicherheit akzeptieren wollen. Beobachter gehen davon aus, dass dies besonders in einigen südeuropäischen Ländern mit angeschlagenen Bankensystemen der Fall ist.
Banken in diesen Ländern sind vom Interbankenmarkt des Euroraums abgeschnitten und vollständig auf Zentralbankkredite angewiesen. Ihnen käme es sehr zupass, könnten sie sich bei dem am 28. Februar anstehenden zweiten Dreijahrestender langfristige Liquidität zu gesenkten Sicherheitsstandards besorgen.
Soll das noch klappen, müssten die Zentralbanken dieser Länder ihre nationalen Regelwerke entsprechend überarbeitet haben, damit der EZB-Rat sie bei seiner aktuellen Sitzung, der letzten vor dem zweiten Dreijahrestender, noch genehmigen kann. Wie stark die Mittelnachfrage der Banken im Rahmen dieses zweiten Tenders ausfallen wird, hängt stark davon ab, ob die nationalen Regeländerungen reibungslos über die Bühne gehen.
In stärker stabilitätsorientierten Ländern wird die Aufweichung der Sicherheitsstandards im Interesse der Finanzstabilität mit gemischten Gefühlen gesehen. Zwar machen die nationalen Zentralbanken die Repo-Geschäfte mit Papieren "zweiter Klasse" nominell auf eigene Rechnung, doch ist fraglich, ob es bei der Pleite eines ganzen Landes im Zweifelsfall wirklich dabei bliebe.
Zumindest in der Pressekonferenz dürfte auch wieder eine Beteiligung der EZB an einem Schuldenschnitt für Griechenland ein Thema sein. Mit den Verhandlungen vertraute Personen hatten in dieser Woche gesagt, die EZB sei nun doch bereit, auf Forderungen aus Anleihekäufen über 11 Milliarden Euro zu verzichten. Offiziell wollte sie dies bisher aber nicht bestätigen.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300,
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February 09, 2012 00:55 ET (05:55 GMT)
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