FRANKFURT (Dow Jones)--Der Lkw- und Motorenbauer MAN hat das Schlimmste überstanden: Sowohl beim Auftragseingang als auch bei den zentralen Finanzkennzahlen dürften die Münchener im ersten Quartal deutlich gewachsen sein. Ausnahme ist das Nettoergebnis, das im Vorjahr durch den teilweisen Verkauf an dem Anlagenbauer Ferrostaal in die Höhe getrieben worden war. Im Mittelpunkt des Marktinteresses wird angesichts der starken Entwicklung der schärfsten Konkurrenten in den ersten drei Monaten 2010 am Donnerstag allerdings wohl die bisher sehr vorsichtige Prognose des DAX-Konzerns stehen.
Das Management um den neuen Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen stellte auf der Bilanzpressekonferenz Mitte Februar für dieses Jahr ein stabiles operatives Ergebnis in Aussicht. Im Krisenjahr 2009 hatte MAN vor Zinsen und Steuern nur noch gut eine halbe Milliarde Euro verdient - fast drei Viertel weniger als noch 2008. Netto waren die Münchener aufgrund von Abschreibungen und Kosten im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre sogar in die roten Zahlen gerutscht.
Dieses Ziel scheint angesichts der deutlichen Erholung der Wettbewerber in den vergangenen Monaten allerdings sehr konservativ. Denn nicht nur in Lateinamerika entwickelte sich der Markt in den vergangenen Monaten stark, auch im 2009 doch arg schwächelnden Europa zog die Nachfrage zuletzt an - wenn auch noch immer auf relativ niedrigem Niveau. Neueste Daten des Verbandes der europäischen Automobilhersteller (ACEA) besagen, dass im März erstmals seit fast zwei Jahren die kontinentalen Nutzfahrzeugzulassungen nicht zurückgegangen sind.
Bei der Zahlenvorlage am Donnerstag steht MAN unter Zugzwang, denn die Konkurrenz hat schon überzeugende Ergebnisse für das erste Quartal präsentiert: Der weltgrößte Lkw-Hersteller Daimler beispielsweise schrieb zwischen Januar und März einen operativen Gewinn von 130 Mio EUR und verdreifachte das Gewinnziel für 2010. Sollte die Nutzfahrzeugsparte bis in der vergangenen Woche in diesem Jahr noch 200 Mio EUR zum Gesamtergebnis des Stuttgarter DAX-Konzerns beitragen, werden nun 500 Mio bis 700 Mio EUR angepeilt.
Auch die schwedischen Wettbewerber Volvo und Scania ließen sich bereits in die Bücher für das erste Quartal schauen. Die weltweite Nummer Zwei, Volvo, konnte nach sechs verlustreichen Quartalen in Folge entgegen den Erwartungen einen operativen Gewinn von 2,80 Mrd EUR einfahren, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 4,53 Mrd SEK zu Buche geschlagen hatte. Der Volkswagen-Tochter Scania gelang es, den operativen Gewinn auf 2,13 Mrd SEK fast zu vervierfachen.
Die Analysten der CreditSuisse treten vor der Zahlenveröffentlichung von MAN aber auf die Euphoriebremse: Es werde am Donnerstag wohl keine "scaniaesken" Ergebnisse geben, schreiben sie in einer Studie. Im Geschäft mit Lkws und Bussen werde es wohl wieder rote Zahlen geben, so ihre Erwartung. Dies könne auch die boomende Nachfrage in Brasilien nicht verhindern. Mit Blick auf die starken Ergebnisse der Wettbewerber schlägt LBBW-Analyst Frank Biller in eine ähnliche Kerbe und befürchtet, dass der Markt zu viel von MAN erwarten könnte.
Die hohen Erwartungen dürften auch vom Wissen über die recht stabile Entwicklung von MAN im vergangenen Krisenjahr befeuert werden. Zwar stand 2009 auch für die Münchener unter keinem guten Stern, allerdings erwies sich der DAX-Konzern dank der breiteren Aufstellung einmal mehr als vergleichsweise krisenfest. Wie erwähnt, blieb der MAN zumindest operativ in den schwarzen Zahlen. Branchenprimus Daimler schrieb dagegen wie auch Volvo einen Verlust vor Steuern und Zinsen in Milliardenhöhe. Beim schwedischen Konkurrenten Scania war der Gewinn um nahezu 90% eingebrochen.
Im Auftaktquartal wird MAN übrigens erstmals in neuer Struktur berichten. Die beiden Geschäftsfelder heißen von nun an "Commercial Vehicles" und "Power Engineering". Im Geschäftsfeld "Commercial Vehicles" sind die "alte" Nutzfahrzeugsparte und das von Volkswagen übernommene Lateinamerikageschäft enthalten, im Segment "Power Engineering" gehen die fusionierte MAN Diesel & Turbo sowie die Getriebesparte Renk auf.
Nachfolgend die Schätzungen der von Dow Jones Newswires befragten Analysten für das erste Quartal 2010 der MAN SE (in Mio EUR, Ergebnis je Aktie in EUR, nach IFRS).
===
Konzern Auftrags- Operat. Erg.vor
1. Quartal eingang Umsatz Ergebnis Steuern
MITTELWERT 3.185 3.026 131 98
Vorjahr 2.290 2.556 100 80
+/- in % +39 +18 +31 +23
MEDIAN 3.136 3.042 120 93
Maximum 3.460 3.162 193 163
Minimum 3.008 2.810 107 59
Anzahl 8 13 13 10
Erg nSt
u.Dritten
MITTELWERT 72
Vorjahr 179
+/- in % -60
MEDIAN 66
Maximum 100
Minimum 61
Anzahl 9
Sparten Power Engineering Commercial Vehicles
1. Quartal Umsatz op. Erg. Umsatz op. Erg.
MITTELWERT 924 105 2.085 41
Vorjahr 972 132 1.615 5
+/- in % -4,9 -21 +29 +723
MEDIAN 932 107 2.074 38
Maximum 973 131 2.210 78
Minimum 860 71 1.970 1
Anzahl 6 6 8 8
Quelle Vorjahreszahlen: Angaben des Unternehmens - teilweise angepasste Zahlen.
-Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires; +49 - (0)69 297 25 114;
nico.schmidt@dowjones.com
DJG/ncs/cbr
Dow Jones Newswires
April 29, 2010 00:45 ET (04:45 GMT)- - 12 45 AM EDT 04-29-10