FRANKFURT (Dow Jones)--Obwohl der Abbau von befristeten Stellen im Zusammenhang mit einer Volkszählung langsam ausläuft, zeichnet sich am US-Arbeitsmarkt keine grundlegende Lagebesserung ab. Die Privatwirtschaft leidet nach wie vor unter den Folgen der tiefsten Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg und angesichts der unsicheren Konjunkturperspektiven zögern die Unternehmen sehr mit Neueinstellungen.
Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten für August einen Rückgang um 110.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Für die Arbeitslosenquote wird mit einem Anstieg auf 9,6% gerechnet (Vormonat: 9,5%). Im Juli waren bereits per saldo 131.000 Jobs verloren gegangen, während es in der Privatwirtschaft zu einem moderaten Stellenaufbau kam.
Eine besonders schwache Entwicklung sagen die Ökonomen von BNP Paribas voraus (Prognose: minus 160.000 Stellen). Auch für den Privatsektor veranschlagen die Experten einen Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen, was der erste Stellenverlust seit Dezember 2009 wäre, während die Volkszählungsbehörde weitere 125.000 Mitarbeiter entlassen habe.
Die Vorsicht der Betriebe bei der Personalpolitik habe sich bereits auf die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe niedergeschlagen, argumentiert die Bank. "Der Report wird die Besorgnisse über eine neue Rezession in den USA erhöhen und die Entschlossenheit der US-Notenbank verstärken, im September zu handeln", erklären die Volkswirte.
Fed-Chairman Ben Bernanke hatte beim Symposium in Jackson Hole die Bereitschaft erkennen gelassen, bei einem abermaligen Schwächeanfall der US-Wirtschaft einzugreifen. Bernanke verwies auf verschiedenen Handlungsmöglichkeiten der US-Notenbank, die allerdings nicht nur Vor- sondern auch Nachteile beinhalteten. So würden weitere Käufe langlaufender US-Staatsanleihen die finanziellen Bedingungen zusätzlich lockern, zugleich aber auch Risiken mit sich bringen.
Nach Ansicht der UBS-Ökonomen (Prognose: minus 70.000 Jobs) wird die Entwicklung im Privatsektor im Zentrum des Interesses stehen, weil die Entlassung der temporären Mitarbeiter bei der Zensusbehörde das Gesamtbild erneut verzerren würden. Die Experten prognostizieren für die Privatwirtschaft einen Zuwachs um 75.000 Jobs. Allerdings habe sich der Beschäftigungstrend im Privatsektor zuletzt abgeschwächt, worauf auch einige regionale Umfragen in Industrie und Dienstleistungsgewerbe deuteten.
Im starken Kontrast zur Konsensprognose steht die Schätzung der Ökonomen der Landesbank Berlin (Prognose: plus 75.000 Stellen). Die unter Einkaufsmanagern erhobene Einstellungneigung lasse weiterhin moderate Stellenzuwächse erwarten, begründen die Experten. Volkswirt Uwe Dürkop sagte allerdings, die Prognose unterstelle, dass es zu keinen weiteren Entlassungen im Nachgang zur Volkszählung gekommen sei.
Das Bureau of Labor Statistics (BLS) wird die Zahlen am Freitag (14.30 Uhr MESZ) veröffentlichen. Der BLS-Bericht zum US-Arbeitsmarkt besteht aus zwei Komponenten: Zum einen werden Interviews mit rund 60.000 Haushalten geführt, was Aufschluss über die Erwerbsbevölkerung und die Arbeitslosigkeit gibt. Zum anderen werden rund 160.000 Unternehmen befragt, um Informationen zur Zahl der Beschäftigten, den Stundenlöhnen und den Wochenarbeitsstunden zu erhalten. Die Unternehmensumfrage umfasst rund 48 Millionen Beschäftigte - und damit rund 40% der Arbeitnehmer außerhalb des Landwirtschaftssektors.
Der Arbeitsmarktbericht des Dienstleisters Automatic Data Processing Inc (ADP) wies am Mittwoch einen überraschenden Stellenabbau in der US-Privatwirtschaft von 10.000 aus. Die von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen hatten hingegen einen Zuwachs um 17.000 Jobs erwartet. Der ADP-Bericht stützt sich auf etwa 430.000 US-Unternehmen mit rund 24 Millionen Beschäftigten und lehnt sich an die Methodik des BLS an, das den offiziellen Arbeitsmarktbericht - unter Einschluss der öffentlichen Beschäftigung - für die USA herausgibt.
-Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 300, konjunktur.de@dowjones.com
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September 03, 2010 00:55 ET (04:55 GMT)
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