PARIS (dpa-AFX) - AXA-Chef Henri de Castries warnt vor Panik bei der Beurteilung der Wirtschaftslage und hält eine Kapitalerhöhung des zweitgrößten europäischen Versicherers für unnötig. "Wir verdienen jeden Tag Geld und haben von niemandem Hilfe erbeten", sagte Castries am Donnerstag in Paris. AXA habe mehr Eigenkapital als erforderlich. Eine Kapitalerhöhung sei nicht im Interesse der Aktionäre. Auch der frühere AXA-Chef Claude Bébéar argumentierte mit Hinweis auf den positiven Kapitalfluss gegen die Ausgabe von neuen Aktien.
Anders als die Banken hätten die Versicherer einen sehr langfristigen Horizont und keinen ständigen Refinanzierungsbedarf, sagte Castries. AXA veröffentliche selbst in den USA keine Quartalszahlen, weil Momentaufnahmen bei Versicherern in die Irre führten. Die Bewertung von Aktiva nach dem Tageswert ("mark to market"), die für die Finanzkrise mitverantwortlich gemacht wird, fördere kurzfristiges Denken und wirke prozyklisch. Für andere Branchen könne eine Tagesbewertung aber durchaus durchaus sein.
Unternehmenskredite hält Castries derzeit für zu teuer. Die Risikoaufschläge nähmen höhere Insolvenzquoten an als in den 30er Jahren. Die Rettung systemrelevanter Finanzinstitute durch die Staaten sei unterdessen richtig. Das dürfe aber nicht zur Verzerrung des Wettbewerbs führen, sagte er mit Blick auf den US-Versicherer AIG . Der ehemals weltgrößte Versicherer AIG wurde vom Staat gerettet, nachdem der Konzern - außerhalb des Versicherungsgeschäfts - 100 Milliarden Dollar verloren hatte./hn/DP/gr