In einem Interview mit ntv in Davos zeigte sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Freitag "zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden." Er wies darauf hin, dass die privaten Gläubiger ein sehr attraktives Angebot gemacht hätten und man "immerhin fast 70 Prozent Verluste" in Kauf nehme. Ackermann ist Chairman des Internationalen Bankenverbandes IIF.
Der Banker deutete außerdem an, dass er auf eine Beteiligung aller Parteien am Schuldenschnitt hofft. Damit spielte er wie Commerzbank-Vorstand Markus Beumer am Vortag darauf an, dass sich auch die öffentlichen Gläubiger wie die Europäische Zentralbank an dem Schuldenschnitt beteiligen sollen. Beumer hatte gefordert, dass beim Schuldenschnitt alle Gläubiger - die privaten Banken und Versicherer sowie die Europäische Zentralbank und andere europäische Staaten als öffentliche Kreditgeber - gleich behandelt werden müssten.
Mit Problemen für die Banken auf Grund weiterer Abschreibungen rechnet Ackermann nicht. Wer heute nach Marktpreisen bewerte, sei ja bereits in diesen Größenordnungen beim Schuldenschnitt. "Da sollten keine zusätzlichen Belastungen auf die Institute zukommen", sagte Ackermann. Lediglich wer die Abschreibungen auf das Portfolio noch nicht in ausreichender Höhe vorgenommen habe, müsse wohl noch mal nachlegen.
Der über den reinen Schuldenschnitt von 50 Prozent hinausgehende Verlust für die Banken ergibt sich aus den Abschreibungen auf die neuen 30-jährigen Griechenland-Anleihen, in die gut ein Drittel der Hellas-Bonds eingetauscht werden soll. Diese werden wohl mit einem Kupon unter vier Prozent ausgestattet sein. Allerdings wird sich dieser Zins am Markt schnell wieder an die aktuell deutlich höhere Risikorendite anpassen, der Kurs der Anleihen wird fallen.
Institutionelle Investoren müssen deshalb ihre Bestände an griechischen Staatsanleihen auf den Barwert abschreiben. Bei einem vereinbarten Durchschnittszins von vier Prozent dürften das zu einer Gesamtabschreibung von rund 70 Prozent führen. Werden nur drei Prozent Kupon beschlossen, steigt die Abschreibung sogar auf rund 80 Prozent.
Banken, Versicherungen und Hedgefonds halten rund 200 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden. Es wird erwartet, dass sie einem Schuldenschnitt um die Hälfte zustimmen. Die Schuldenlast Griechenlands würde sich dadurch auf 120 von derzeit 160 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verringern.
FRANKFURT (Dow Jones)
Bildquellen: Deutsche Bank AG