(Wiederholung)
FRANKFURT (Dow Jones)--Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann steht trotz des geplatzten Börsenzusammenschlusses hinter Börse-Chef Reto Francioni. "Unabhängig vom Scheitern der Fusion ist die Börse unter Reto Francioni strategisch gut positioniert", sagte Ackermann am Montag auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Er stellte sich damit gegen die zuletzt kritischen Äußerungen von Henning Gebhardt, Leiter europäische Aktien der Fondstochter DWS.
Henning Gebhardt hatte der WirtschaftsWoche gesagt, dass die Börse wegen der Fusion zuletzt ihr Tagesgeschäft vernachlässigt und Marktanteile verloren habe. Seiner Ansicht nach werde "gerade an Herrn Francioni" das Ganze nicht spurlos vorbeigehen. "Hin und wieder muss es einen Neuanfang geben - in welcher Form auch immer", so Gebhardt. Die Meinung der DWS ist nicht unerheblich, weil sie über ihre Fonds zu den Anteilseignern der Deutschen Börse gehört.
Gebhardt blieb mit seinen Vorbehalten am Wochenende nicht allein. Insgesamt hat sich die Kritik an Francioni nach dem Ende des Traums von einer transatlantischen Börse sich zuletzt verstärkt. So warf Aufsichtsratsmitglied Johannes Witt "die Frage nach personellen Konsequenzen" auf. Gegenüber der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag forderte Witt, der zudem stellvertretender Betriebsratsvorsitzender ist, dass das Scheitern der Fusion nicht einfach als kleiner Betriebsunfall heruntergespielt werden dürfe.
Derzeit scheint der Stuhl von Francioni jedoch nicht zu wackeln. Aufsichtsratschef Manfred Gentz hatte sich schon unmittelbar nach der Untersagung der Fusion durch die EU-Wettbewerbshüter hinter den Schweizer gestellt. "Es besteht zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung kein Anlass", sagte er. Geboten seien vielmehr Ruhe und Kontinuität. Auch der gesamte Vorstand hatte sich beim ersten öffentlichen Auftritt Francionis nach dem EU-Veto in der Alten Börse symbolisch hinter Francioni aufgestellt.
Die Kursreaktion der Aktie deutet ebenfalls nicht darauf hin, dass sich merkliche Unzufriedenheit mit dem Börsen-Chef aufstaut. Seit das Scheitern vor knapp zwei Wochen absehbar war, haben die Titel um fast zehn Prozent zugelegt und damit doppelt so stark wie der DAX.
Francioni selbst, dessen Vorstandsvertrag noch bis Ende 2013 läuft, gibt sich energisch und zuversichtlich. Die Börse müsse jetzt zwar noch stärker kämpfen und auf Kunden, Innovation und Kosten achten. Sie sei aber gut aufgestellt und nicht ohne Grund in den vergangenen fünf Jahren zur stärksten Börse in Europa aufgestiegen, sagte er der Financial Times Deutschland. Er peilt weitere Allianzen vor allem in Asien an und will verstärkt den Bereich Derivateclearing sowie das Risiko- und Sicherheitenmanagement ausbauen. Eine Verlängerung seiner Amtszeit über 2013 hinaus hat er zumindest nicht ausgeschlossen.
Die seit einem Jahr geplante Fusion von Deutsche Börse und NYSE Euronext war vor wenigen Tagen am Veto der Europäischen Kommission gescheitert. Diese hatte den transatlantischen Zusammenschluss untersagt, weil er zu einer Monopolstellung beider Börsen im offiziellen europäischen Derivatehandel geführt hätte. Die Deutsche Bank hatte das Fusionsprojekt "als Chance für den Finanzplatz und für Europa" stets befürwortet und die Entscheidung der EU-Kommission auf der Bilanz-Pressekonferenz vergangene Woche kritisiert.
-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires,
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(Eyk Henning hat zu der Meldung beigetragen. )
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February 06, 2012 06:23 ET (11:23 GMT)
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