US-Softwarehaus kommt bislang gut durch die Krise, gibt aber noch keine
Entwarnung für Deutschland
München. Die deutsche Tochter des US-Softwarekonzerns Adobe sieht trotz der
zuletzt überraschend robusten Geschäftsentwicklung mit Vorsicht auf die
nächsten Monate: "Ich bin für das laufende dritte Quartal unseres
Geschäftsjahres noch skeptisch, aber im vierten Quartal dürfte sich das
Geschäft wohl erholen", sagte der für Zentral- und Osteuropa verantwortliche
Adobe-Manager Fritz Fleischmann gegenüber Euro am Sonntag laut Vorabbericht
(E-Tag: 20.6.2009).
Von Dezember bis Ende Mai ist das Unternehmen laut Fleischmann trotz der
Talfahrt der deutschen Wirtschaft noch relativ glimpflich davon gekommen:
"Währungsbereinigt ist der Umsatz in Deutschland insgesamt um drei Prozent
zurückgegangen", sagte der gebürtige Österreicher. In der Schweiz habe es
währungsbereinigt sogar ein Umsatzplus von zehn Prozent gegeben.
Demgegenüber habe sich das Geschäft in Russland und der Türkei zuletzt
praktisch halbiert. Beide Länder gehörten in den vergangenen Jahren zu den
wichtigsten Wachstumsregionen des Konzerns.
Zur Begründung für diese Entwicklung auf den deutschsprachigen Märkten
verwies Fleischmann auf das Flaggschiffprodukt Creative Suite (CS) 4: "Die
Produktivitätsverbesserungen sind gerade in diesen Zeiten für viele
Unternehmen ein wichtiges Kaufargument." Die bei Verlagen und Werbeagenturen
weit verbreitete Lösung ist seit Dezember auch in Europa verfügbar und
umfasst Software zur Gestaltung von Zeitungen oder Büchern (InDesign),
Webseiten (Dreamweaver) oder die bekannte Bildbearbeitung Photoshop. Im
Vorjahr steuerte die Sparte Creativ-Lösungen rund 60 Prozent zum
Konzern-Umsatz von 3,58 Milliarden Dollar bei.
Doch bestreitet auch Fleischmann nicht, dass man ursprünglich mit einem
deutlich besseren CS4-Geschäft gerechnet hatte. "Ohne die Wirtschaftskrise
hätten wir wohl ähnlich wie beim Start der vergangenen Versionen der
Creative Suite ein sehr sattes Plus gehabt", sagte Fleischmann der
Wirtschaftszeitung.
Laut Adobe liegt der Konzern bei der Einführung der CS4 derzeit rund 20
Prozent hinter dem vergleichbaren Zeitpunkt zur Markteinführung der CS3
zurück. Allerdings ist die Situation bei der Markteinführung der
Vorgängerversion wegen der erstmaligen Integration der Produkte des 2005
erworbenen Wettbewerbers Macromedia nur bedingt mit dem Start der CS4
vergleichbar.
Das kalifornische Softwarehaus leidet derzeit unter der weltweiten Talfahrt.
Im abgelaufenen zweiten Quartal ging der Umsatz um gut ein Fünftel auf 704
Millionen Dollar zurück, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das
Ergebnis brach um 41 Prozent auf 126 Millionen Dollar ein. Zwar sei das
Geschäft in Asien und Europa weiter schwierig, doch gebe es auf dem US-Markt
Anzeichen für eine Stabilisierung, hieß es.