18.10.2012 17:30
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Afrikas Wirtschaft: Das Potenzial ist die Jugend

Die Investmentchancen in Afrika sind enorm
Afrika im Umbruch
Die zweite Jahresinvestmentkonferenz Afrika in München stellte die Perspektiven des Kontinents heraus und zeigte, wie Menschen und Unternehmen den Aufschwung gestalten.
€uro am Sonntag

von Jörg Billina, Euro am Sonntag

Die Investmentchancen in Afrika sind enorm. Das zeigte die zweite Jahres­investmentkonferenz Afrika in München, die gut 100 Interessenten und Investoren anlockte. Daniela Meyer, Chefreporterin von €uro am Sonntag und immer wieder auf dem Kontinent unterwegs, stellte beeindruckende Menschen vor, die mit Mut und unternehmerischer Tatkraft ihre Zukunft in Afrika in die Hand nehmen. Samir Gadio, Emerging-Markets-Analyst bei Standard Chartered, belegte die Wirtschafts­dynamik des Kontinents anhand umfassenden Datenmaterials. Welche Chancen sich für Anleger ergeben, darüber referierte Malek Bou-Diab, Fondsmanager des BB African Opportunities. Auma Oba­ma, die Halbschwester des US-Präsidenten, ermahnte Unternehmer, die in Afrika investieren, ethische Werte zu beachten. Über ihre Arbeit und die Ziele ihrer Organisation Sauti Kuu sprach sie mit €uro am Sonntag.

€uro am Sonntag: Frau Obama, Sie sind Initiatorin und Vorstandsvorsitzende von Sauti Kuu. Auf Kis­wahili bedeutet dies „starke Stimmen“. Welche Ziele verfolgt Ihre gemeinnützige Organisation?
Auma Obama:
Sauti Kuu will Jugendlichen helfen, ihr Leben trotz großer Herausforderungen selbst in die Hand zu nehmen. Sie sollen sich nicht als Opfer begreifen und sich auch nicht auf die Hilfe anderer verlassen. Wir möchten, dass sie sich ­ihrer Stärken und Fähigkeiten bewusst werden, damit sie ein ökonomisch selbstständiges Leben führen können.

In Kenia wandern viele Jugendliche in die Städte ab. Der Traum von einem besseren Leben und finanzieller Eigenständigkeit erfüllt sich aber nur selten. Wie lässt sich die Landflucht stoppen?
Wir versuchen den Jugendlichen klarzumachen, über welche Ressourcen sie auf dem Land verfügen und wie sie diese besser nutzen können. Wir gehen in die Familien und stellen mit ihnen zusammen eine Art Businessplan auf. Wird er konsequent eingehalten, verdient die Familie Geld. Ein positiver Ertrag ist ein großer Anreiz, auf dem Land zu bleiben. Und wir animieren die Jugendlichen zum Sparen. Auch wenn es nur ein kleiner Teil ist, den sie zur Seite legen können, gehen sie dadurch doch mit Geld bewusster um. Und nach einiger Zeit, sind Mittel für Investitionen vorhanden.

Gibt Sauti Kuu auch Geld?
Nein, wir unterstützen mit Mitteln, die den Ackerbau fördern und den Familien helfen, wirtschaftliche Erfolge zu erzielen. Diese Mittel sind nicht umsonst und müssen zurückbezahlt werden. Damit erreichen wir unter anderem, dass die landwirtschaftlichen Geräte eine größere Wertschätzung bekommen. Die Menschen identifizieren sich stärker mit ihrer Arbeit und sind bemüht um eine größere Leistung. Aber um das klarzustellen: Wir zwingen die jungen Leute nicht, auf dem Land zu leben. Sie sind frei, ihr Leben dort zu verwirklichen, wo es ihnen gefällt. Aber sie sollen, auch wenn sie es nicht selbst tun, mit Teilnahme der ganzen Familie, das Potenzial des Landes — ihr Kapital — ausnutzen, um ihr Leben zu verbessern.

Werden Sie vom Staat unterstützt?
Das versuchen wir bewusst zu vermeiden. Sauti Kuu arbeitet so mit den jungen Leuten, dass sie, wenn sie so weit sind, mit eigener Stimme ihre Anforderungen an den Staat darlegen können. Sauti Kuu finanziert sich über Spenden, die auch aus Partnerschaften mit Unternehmen aus Deutschland kommen.

Wäre es nicht in erster Linie Aufgabe der Politik, sich um die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Jugendlichen zu kümmern?
Wir warten nicht darauf. Es wäre gut, wenn das geschieht. Aber unserer Ansicht nach ist es wichtig, selbst aktiv zu sein und bei den Individuen — in diesem Fall bei den Jugendlichen — anzufangen.

Wie unterstützt Sauti Kuu Jugendliche in den Städten?
Wir drängen sie dazu, ihren Kopf zu gebrauchen, sich in der Schule anzustrengen und proaktiv zu sein. Wir kümmern uns um Schulgeld, zahlen Stipendien und bemühen uns um Lehrlingsstellen im Handwerk für unsere Jugendliche.

In Kenia wurde erstmals Öl gefunden. Ist das ein Fluch oder ein Segen für Ihr Land?
Das muss sich zeigen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft die Exporteinnahmen zum Wohl der Bevölkerung nutzen. Dann wäre Öl eine große Chance und kein Fluch.

Planen Sie, Sauti Kuu auch in anderen Ländern zu starten?
Ja, wir wollen uns nicht auf Kenia beschränken. Aber wir stehen erst am Anfang. Wir planen gemeinsame Projekte mit Jugendlichen von europäischen und amerikanischen Organisationen, wie zum Beispiel einen Austausch zwischen Jugendlichen in Deutschland und Kenia.

Trotz der Gefahr der Verallgemeinerung: Hat sich Afrika in den ­vergangenen Jahren verändert?
Aus der Sicht der Afrikaner hat sich der Kontinent wirtschaftlich und ­gesellschaftlich immer weiter entwickelt. Was sich aber verändert hat, ist die Sichtweise der westlichen Staaten auf Afrika. Er wird nicht mehr nur als der dunkle Kontinent mit Kriegen und Hunger gesehen. Der Westen beobachtet zusehends, dass sich in vielen afrikanischen Ländern der Fortschritt bemerkbar macht.

In Afrika gilt Korruption als weit verbreitet. Wie lässt sich das Pro­blem lösen?
Hier wird Afrika wieder verallgemeinert und alle Länder werden über einen Kamm geschoren. Ich kann aber nicht für ganz Afrika sprechen. Das ­Problem der Korruption muss jedes Land für sich lösen. Die Menschen müssen auf einem Regierungssystem bestehen, das null Toleranz gegenüber Korruption zeigt. Vielleicht kann die Verhaltensänderung, die die Organisation Sauti Kuu bei den Jugendlichen anstrebt, ihren Teil dazu beitragen.

Bildquellen: nopporn / Shutterstock.com
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