Deutsche Bank mit Milliardenminus: Post-Einstieg soll Postbank-Kauf retten
Das größte deutsche Finanzhaus, die Deutsche Bank, ist in den Strudel der Finanzkrise geraten und hat 2008 tiefrote Zahlen geschrieben. Das Institut steht vor dem Kauf der Deutschen Postbank. Angesichts der veränderten Situation soll nun deren Noch-Eigner Deutsche Post die Transaktion retten - durch einen Einstieg bei der Deutschen Bank. Damit wird auch der Bund indirekt zum Anteilseigner der Frankfurter.
Nun hat es also auch den deutschen Branchenprimus erwischt: Die Deutsche Bank hat die Märkte mit der vorgezogenen Bekanntgabe ihrer Eckdaten zum abgelaufenen Geschäftsjahr überrascht und musste infolge der Finanzkrise ein Milliardenminus einräumen. Allein im vierten Quartal hat das Finanzhaus vorläufigen Zahlen zufolge voraussichtlich einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro eingefahren. Dabei hatten insbesondere der Wertpapierhandel sowie die Reduzierung von Risikopositionen das Ergebnis nach Steuern deutlich gedrückt.
Angesichts der schwachen Entwicklung im letzten Jahresviertel ist der Konzern auch im Gesamtjahr 2008 tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Fehlbetrag belief sich auf 3,9 Milliarden Euro nach Steuern, so Schätzungen der Deutschen Bank.
2007 hatte der erfolgsverwöhnte Branchenprimus noch einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro erzielt. Nun schlug die Finanzkrise und insbesondere deren Verschärfung durch den Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers jedoch auch bei den Frankfurtern voll durch. Konzernchef Josef Ackermann, der stets betont hatte, wie solide sein Institut aufgestellt sei, zeigte sich unzufrieden mit der Entwicklung im vergangenen Jahr: "Wir sind über das Ergebnis im vierten Quartal, das zu einem Verlust im Gesamtjahr geführt hat, sehr enttäuscht", so der Vorstandsvorsitzende in einer Pressemitteilung. Das extrem schwierige Marktumfeld habe dabei einige Schwächen in der Bank aufgezeigt. Man habe jedoch eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um diese Schwächen zu beheben, hieß es von Seiten des Managers weiter.
Zu diesen Maßnahmen dürfte auch die geplante Übernahme der Deutschen Postbank gehören. Gerade diese war angesichts der Belastungen infolge der Finanzkrise aber in Gefahr geraten. Bereits am Vortag hatte es daher Presseberichte gegeben, nach denen Ackermann die Bedingungen für den Erwerb des Instituts vom bisherigen Eigner, dem Logistikkonzern Deutsche Post, nachverhandeln wolle. Grund war ein massiver Kursrutsch bei der Postbank-Aktie, seitdem der Deal im September bekannt geworden war. Darüber hinaus dürften im abgelaufenen Jahr weitere Verluste bei dem zum Verkauf stehenden Institut angefallen sein. Bei den Verhandlungen hatte es eine überraschende Entwicklung gegeben. Die Post wird demzufolge einen Teil des vereinbarten Kaufpreises in Aktien der Deutschen Bank bekommen. Damit wird der Bonner Konzern Großanteilseigner der Frankfurter und steigt mit einer Beteiligung von acht Prozent bei dem Finanzhaus ein. Diese Beteiligung soll befristet sein.
Durch die veränderten Bedingungen schont die Deutsche Bank ihr Eigenkapital. Gleichzeitig öffnet sie jedoch auch die Hintertür für den Staat, denn der steigt damit ebenfalls indirekt bei Deutschlands größter Bank ein, ist der Bund doch durch seine Förderbank KfW mit rund einem Drittel seinerseits Anteilseigner der Deutschen Post. Deutsche Bank-Chef Ackermann hatte in der Vergangenheit Staatshilfe stets vehement ausgeschlossen und war in diesem Zusammenhang auch vor drastischen Formulierungen nicht zurückgeschreckt. Dass der Bund nun über Umwege doch bei der Deutschen Bank einsteigt, war im Vorfeld von kaum einem Beobachter erwartet worden.
Obwohl die Deutsche Post ihre angeschlagene Bankentochter Postbank komplett loswerden und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollte, wird sie nun zum Großaktionär bei einem anderen Kreditinstitut. Dennoch profitiert das Unternehmen von der Neuregelung, denn es wird sein ungeliebtes Finanzgeschäft schneller los, als gedacht. Die Deutsche Bank übernimmt sofort einen Anteil von 22,9 Prozent an der Postbank. Im Gegenzug erhalte der Logistikkonzern Erlöse aus der Gesamttransaktion am Tag des Closing und damit drei Jahre früher als erwartet, hieß es in einer Pressemitteilung. Dem Unternehmen fließen somit unmittelbar liquide Mittel von voraussichtlich 3,8 Milliarden Euro zu, wovon 3,1 Milliarden Euro bereits am 2. Januar 2009 an die Deutsche Post geflossen seien. Laut der Deutschen Post sei es vorgesehen, die restlichen Anteile an der Postbank indes für drei Jahre zu halten, so der Vorstandsvorsitzende Frank Appel. Des Weiteren könne dem Post-Chef zufolge nicht die Rede von einer "Teilverstaatlichung" des Geldhauses sein. "Wir beabsichtigen nicht, längerfristig Teilaktionär der Deutschen Bank zu bleiben", erklärte Appel. Bei den Nachverhandlungen habe es auch "keinerlei politische Einflussnahme" gegeben.
Die Anleger an den Parketts reagierten am Mittwoch geschockt auf die neuerlichen Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche. Die Aktie der Deutschen Bank brach zeitweise deutlich zweistellig ein, auch andere Finanzwerte gerieten massiv unter Druck.