Erneute Rettungsaktion: Regierungen pumpen Milliarden in Dexia
Die Hiobsbotschaften aus der europäischen Bankenbranche reißen nicht ab. Am Dienstag hat es den belgischen Geldkonzern Dexia erwischt, dem Regierungen mit einer milliardenschweren Kapitalspritze unter die Arme greifen müssen. Es ist bereits der zweite Rettungsanker, den die Benelux-Staaten nach dem Beinahe-Zusammenbruch von Fortis in dieser Woche auswerfen. Auch die deutsche Commerzbank wurde heute von Anlegern kritisch beäugt.
Die belgische Dexia-Bank steht offenbar kurz vor der Pleite. Wie am Morgen bekannt wurde, haben sich die Regierungen von Belgien, Frankreich und Luxemburg darauf verständigt, das Eigenkapital des angeschlagenen Institutes aufzustocken. Insgesamt 6,4 Milliarden Euro pumpen die Staaten dabei den Angaben zufolge in das Unternehmen.
Allein auf das Land Belgien und die belgischen Dexia-Anteilseigner entfallen demnach drei Milliarden Euro, während sich die französische Regierung mit einer Milliarde Euro und der staatliche französische Anteilseigner Caisse des Depots (CDC), der rund zehn Prozent der Dexia-Aktien hält, mit zwei Milliarden Euro beteiligen. Weitere 376 Millionen Euro stellt die Regierung in Luxemburg zur Verfügung.
Damit reagierten die Benelux-Staaten auf am Vortag aufgekommene Spekulationen um einen deutlichen Liquiditätsengpass bei Dexia, der das Unternehmen zu einer Kapitalerhöhung zwingen könnte. Auslöser der Probleme waren dabei offenbar Verluste bei der auf Anleihenversicherungen spezialisierten US-Filiale FSA, die sich durch ihr Engagement auf dem US-Hypothekenmarkt in Bedrängnis gebracht hatte.
Zudem brachten Nachrichten über die am Vortag in letzter Minute verhinderte Pleite des deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) Dexia weiter unter Druck. Die Belgier sind der weltweit größte Finanzierer von Immobilienkrediten für Kommunen und zudem Hauptkonkurrent der irischen Depfa-Bank, die ihrerseits für Verluste bei der Konzermutter HRE gesorgt und den Fast-Kollaps verursacht hatte.
Erst am Vortag hatten die Regierungen aus Belgien, der Niederlande sowie Luxemburg eine milliardenschwere Kapitalspritze für den angeschlagenen Finanzkonzern Fortis zur Verfügung gestellt. Insgesamt pumpten die Länder 11,2 Milliarden Euro in das Unternehmen, um die Kapitalbasis von Fortis nachhaltig zu sichern. Belgien übernahm im Gegenzug 49 Prozent der Fortis-Anteile. Im Anschluss hatte der Finanzdienstleister den Verkauf seiner erst kürzlich übernommenen Anteile an der niederländischen Bankgesellschaft ABN AMRO angekündigt. Dieser soll weiteres Geld in die leeren Konzernkassen spülen.
Dass die Benelux-Staaten am heutigen Tag erneut eingegriffen haben, um den Kollaps eines Finanzinstitutes zu verhindern, zeigt, dass das Vertrauen der Anleger in die Märkte dringend wieder hergestellt werden muss. Entsprechend positiv reagierten die Marktteilnehmer auch auf die milliardenschwere Geldspritze. Die Aktie von Dexia, die am Morgen zunächst vom Handel ausgesetzt worden war, konnte nach Wiederaufnahme des Handels deutliche Zugewinne verbuchen.
Unterdessen setzte sich der Abwärtstrend bei anderen Finanztiteln am Dienstag weiter fort. Insbesondere bei der im Dax notierten Commerzbank AG waren auch am zweiten Handelstag der Woche erneut rote Vorzeichen auszumachen. Dabei konzentriert sich die Hauptsorge der Anleger auf die Eurohypo. Befürchtungen, dass eine Refinanzierung der Immobilientochter auf der Kippe stehen könnte, beherrschen bereits seit gestern die Märkte. Die Commerzbank hatte daher nach dem Kurseinbruch vom Montag ihre solide Finanzposition beteuert: "Unser Refinanzierungsbedarf für 2008 ist bereits gedeckt", so ein Konzernsprecher. Man refinanziere sich im wesentlichen Teil über Einlagen, die eine stabile Refinanzierungsquelle bildeten. Die Refinanzierung aller Konzerngesellschaften einschließlich der Immobilientochter Eurohypo sei zentralisiert und "langfristig gesichert". Die Marktteilnehmer waren von den Beteuerungen jedoch nicht überzeugt und trennten sich erneut von Commerzbank-Titeln.