Fiat plant globalen Autoriesen
Nach dem Einstieg bei dem insolventen US-Autobauer Chrysler rollt der italienische Fiat-Konzern nun auf die deutsche GM-Tochter Opel zu. Die Pläne sind hoch ambitioniert, die Italiener wollen einen globalen Autoriesen schaffen, der hinter Marktführer Toyota die Nummer 2 der Branche wird. Der notwendigen Konsolidierung soll dabei ein Opel-Werk zum Opfer fallen. Gewerkschaftsvertreter zeigten sich alles andere als begeistert.
Erst Ende vergangener Woche ist der italienische Mischkonzern Fiat bei dem US-Autobauer Chrysler eingestiegen, nachdem dieser Insolvenz angemeldet hat. Den Plänen zufolge will sich Fiat zunächst mit 20 Prozent bei dem US-Konzern beteiligen, während dieser im Rahmen des Insolvenzverfahrens saniert und von einer Menge Altlasten befreit werden soll. Später könnte die Beteiligung dann auf 35 Prozent ausgebaut werden.
Doch der Einstieg bei Chrysler ist noch nicht das Ende der Übernahmepläne von Fiat. Der Konzern hat sehr viel globalere Pläne und hat nun den deutschen Autobauer Opel ins Visier genommen. Demnach will Fiat seine Automobilsparte ausgliedern, diese solle dann mit Chrysler sowie dem Europageschäft des ebenfalls stark angeschlagenen General Motors-Konzerns zusammengelegt werden. GM soll am neu geschaffenen Konzern eine Minderheitsbeteiligung behalten. Nach dem Mega-Zusammenschluss soll Opel als Marke erhalten bleiben, auch ein deutsches Hauptquartier wurde zugesichert. Der neue Autoriese soll bis zu sieben Millionen Autos jährlich produzieren und dabei Umsätze von bis zu 80 Milliarden Euro erzielen. Damit würde die Gesellschaft am Branchenzweiten, dem Wolfsburger Volkswagen-Konzern, vorbei ziehen und zum Weltmarktführer Toyota aufrücken.
Doch bevor die ambitionierten Pläne umgesetzt werden können, muss Fiat zunächst die Bundesregierung davon überzeugen, als Investor für Opel in Frage zu kommen. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat seine Pläne daher heute dem deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vorgestellt, der zuvor ein Konzept gefordert hatte, das langfristig tragfähig ist. Das Hauptaugenmerk des Konzepts solle darauf liegen, welche europäischen Opel-Standorte zu welchem Preis erhalten werden können. "Auf finanzielle Abenteuer zu Lasten des Steuerzahlers dürfen wir uns nicht einlassen", erklärte der Minister am Wochenende.
Das Konzept von Fiat sieht im Detail vor, dass die Italiener ohne Schulden bei Opel einsteigen. Drei der vier deutschen Werke - die Montagewerke Rüsselsheim, Bochum und Eisenach - sollen erhalten bleiben, einen "gewissen Konsolidierungsbedarf" gebe es allerdings am Werk in Kaiserslautern, hieß es am Montag. Den Konsolidierungsbedarf habe Marchionne auf fünf bis sieben Milliarden Euro geschätzt, erklärte Guttenberg nach den Geprächen. Wie viele Arbeitsplätze im Rahmen eines Zusammenschlusses zur Disposition stehen, wurde nicht genau beziffert. Dass es zu Stellenstreichungen kommen wird, steht allerdings außer Frage, was bereits nach Bekanntwerden des Interesses von Fiat an Opel Gewerkschaftsvertreter auf den Plan gerufen hatte. Die Produktpaletten beider Hersteller überschneiden sich in vielen Bereichen komplett, die Arbeitnehmerseite zeigt sich daher alles andere als überzeugt von Fiat als möglichen Opel-Investor.
Für die Italiener spricht indes die Tatsache, dass Fiat selbst noch vor kurzem ein Sanierungsfall war, Unternehmenschef Marchionne den Konzern aber wieder erfolgreich in die Gewinnspur gebracht hat. Dennoch drückt Fiat eine deutliche Schuldenlast - was Experten als Hauptgrund für den geplanten Einstieg bei Opel ansehen. Der Bund hatte einem möglichen Opel-Investor Hilfe zugesagt.
Noch ist das Rennen um einen Einstieg bei Opel nicht entschieden. Ein zweiter - wesentlich weniger umstrittener - Investor ist der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer Magna, der aber nur an einem Minderheitenanteil interessiert ist und russische Investoren ins Boot holen will. Zu Guttenberg betonte nach dem Treffen mit Fiat, dass noch keine Vorentscheidung gefallen ist und diese auch in den kommenden Tagen nicht zu erwarten sei. Man wolle nun das Konzept, das der Politiker als "interessant" bezeichnete, zunächst auf seine Tragfähigkeit hin prüfen und auch anderen Investoren die Möglichkeit geben, ihre Pläne für eine Opel-Zukunft vorzustellen.