Warren Buffett kauft sich bei Goldman Sachs ein
Die angeschlagene US-Bank Goldman Sachs erhält eine milliardenschwere Kapitalspritze von dem wohl berühmtesten Aktionär der Welt: Der US-Milliardär Warren Buffett investiert fünf Milliarden Dollar in das Institut. Weiteres Kapital soll durch die Ausgabe von Stammaktien in die Kassen des Finanzhauses gespült werden. Die Anleger bewerteten die Nachrichten positiv und deckten sich wieder mit Finanztiteln ein.
Bislang konnte eines der größten Wall Street-Institute, die US-Bank Goldman Sachs, Verluste im Zusammenhang mit der Finanzkrise zwar vermeiden, dennoch haben die Verwerfungen an den Finanzmärkten auch bei dem Finanzhaus das Geld knapp werden lassen. Nun greift einer der berühmtesten Aktionäre der Welt Goldman Sachs unter die Arme.
Wie am Dienstagabend nach US-Börsenschluss bekannt wurde, will Warren Buffett über seine Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway fünf Milliarden Dollar in die Bank investieren. Dafür erhält Berkshire Vorzugsaktien mit unbegrenzter Laufzeit und lässt sich diese mit einer Dividende von zehn Prozent verzinsen. Die Bank selbst hat das Recht, die Aktien mit einem Aufschlag von zehn Prozent jederzeit zurückzukaufen.
Wie aus einer Mitteilung von Goldman Sachs hervorgeht, erhält Buffetts Holding zudem Optionsscheine für den Kauf von Stammaktien im Volumen von weiteren fünf Milliarden Dollar zum Preis von 115 US-Dollar je Anteilsschein. Die Aktie von Goldman Sachs hatte am Dienstag bei 125,05 Dollar geschlossen - acht Prozent über dem mit Buffett vereinbarten Optionspreis. Die Optionen müssen innerhalb der nächsten fünf Jahre ausgeübt werden, dann würde Berkshire Hathaway ein rund 10-prozentiges Anteilspaket an der US-Bank halten.
In einer ersten Stellungnahme verteidigten die Beteiligten die Transaktion. Buffett erklärte, Goldman sei ein "außergewöhnliches Institut" und lobte zudem das "bewährte und scharfsinnige Management-Team sowie das intellektuelle und finanzielle Kapital", über das die Bank verfüge.
Neben dem milliardenschweren Einstieg von Berkshire Hathaway will sich Goldman Sachs auch noch auf andere Weise Geld beschaffen. Demnach ist die Ausgabe von Stammaktien geplant, was weitere 2,5 Milliarden Dollar in die Kassen des angeschlagenen Instituts spülen soll. Zudem wurden Spekulationen laut, dass auch eine japanische Bank Interesse an einem Einstieg bei Goldman angemeldet hat. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo ohne Angabe von Quellen berichtete, will die japanische Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) mehrere hundert Milliarden Japanische Yen in das Wall Street-Haus investieren. Offizielle Bestätigungen blieben allerdings bislang aus.
Erst zu Beginn der Woche hatten Goldman Sachs und Morgan Stanley, die bis dahin letzten verbliebenen US-Investmentbanken, sich von ihrem Geschäftsmodell verabschiedet und ihre Umwandlung in gewöhnliche Geschäftsbanken bekannt gegeben. Sie unterstehen nun nicht mehr der Börsenaufsicht SEC sondern stehen unter der Kontrolle der Fed, was den Banken weitere Kredite von Seiten der Währungshüter sichert. Andererseits verabschiedeten sich Goldman und Morgan Stanley damit von ihrem Sonderstatus, der es ihnen ermöglicht hatte, höhere Risiken einzugehen aber auch deutlich höhere Gewinne einzufahren.
Das Investmentbanken-Modell war im Zuge der Finanzkrise gescheitert, obwohl es zu Jahresbeginn noch fünf unabhängige US-Institute mit diesem Sonderstatus gegeben hatte. Bear Stearns hatte sich im März durch einen Notverkauf an den Finanzkonzern JP Morgan vor einem Zusammenbruch gerettet. Zu Beginn der letzten Woche war ein ähnlicher Rettungsversuch für Lehman Brothers gescheitert, Lehman sah sich daher gezwungen, Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechtes zu beantragen. Konkurrent Merrill Lynch rettete nur eine Flucht in die Arme der Bank of America vor einem ähnlichen Schicksal.
Der Einstieg von Warren Buffett bei Goldman Sachs beweist nun, dass die Bank an sich im Vergleich zur Konkurrenz verhältnismäßig gesund sein muss. Die Kapitalspritze von Berkshire Hathaway wird als Vertrauensbeweis in die Zukunft des Instituts gewertet und hilft der stark unter die Räder gekommenen Aktie am Mittwoch auf die Beine. Auch andere Finanzwerte waren daraufhin an den Parketts wieder gefragt.