Der krisengeschüttelte Hypothekenfinanzierer Hypo Real Estate bekommt zusätzliche Garantien aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds des Bundes, kurz SoFFin. Weitere zehn Milliarden Euro werden dem Noch-DAX-Konzern gewährt. Die Anleger reagierten positiv auf diese Meldung und schickten den gebeutelten Anteilsschein auf die Gewinnerstraße.
Die SoFFin hat den Garantierahmen der Hypo Real Estate, kurz HRE, um weitere zehn Milliarden Euro erhöht. Wie aus einer Pressemitteilung vom Dienstagabend hervorgeht, steigen die bereits gewährten Garantien von vormals 20 Milliarden Euro auf nunmehr satte 30 Milliarden Euro - zu gleichen Bedingungen und mit ebenbürtiger Laufzeit. Das Münchener Finanzinstitut hatte erst Ende November die Hilfe der SoFFin in Anspruch genommen. So konnte die HRE staatliche Garantien zur Besicherung von auszugebenden Schuldverschreibungen nutzen, die spätestens zum 15. Januar 2009 zur Rückzahlung fällig sind. Die Hypo Real zahlt der für den Rettungsfond zuständigen Behörde früheren Angaben zufolge eine Provision in Höhe von 1,5 Prozent pro Jahr.
Zudem gab der Hypothekenfinanzierer bekannt, dass sich der Konzern weiterhin in Gesprächen mit der SoFFin hinsichtlich umfassender Liquiditäts- und Kapitalunterstützung befindet. Analysten stellen angesichts der schwachen Kapitalausstattung des Konzerns auch hier einen Bedarf von mehreren Milliarden Euro in Aussicht.
Im September stand die Hypo Real Estate bereits am Rande des Zusammenbruchs – Notkredite sollten den DAX-Konzern vor dem Kollaps bewahren. Die irische Tochterbank DEPFA hatte wegen der Finanzkrise keine kurzfristigen Gelder mehr am Markt aufnehmen können, um ihr Kreditgeschäft aufrechtzuerhalten, und somit die Probleme ins Rollen gebracht. Doch das Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer platzte, nachdem bekannt wurde, dass das Institut einen deutlich höheren Kapitalbedarf hat, als zunächst angegeben - die Banken zogen ihre Kreditzusagen zurück. Letztlich wurde die Hypo Real Estate doch gerettet – die Banken verdoppelten sogar ihre vorigen Kreditzusagen von 15 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro, während der Bund bei seinem Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro blieb. Bis dato konnte sich der Hypothekenfinanzierer mit einem Finanzkonsortium, der Deutschen Bundesbank und der Bundesregierung über die vom Bund teilweise garantierte Liquiditätsfazilität in Höhe von 50 Milliarden Euro abschließend einigen. Doch die Hiobsbotschaften rissen nicht ab. Im November musste der neue HRE-Chef Axel Wieandt einräumen, dass das Geld wohl nicht ausreichen wird. "Wir brauchen im vierten Quartal mehr als die 50 Milliarden Euro und sprechen darüber mit der SoFFin", so Wieandt.
Mittlerweile ist es zudem beschlossene Sache, dass die HRE aus dem deutschen Leitindex fliegen wird. Das große Stühlerücken wird am 22. Dezember vollzogen, somit findet sich der Titel der Münchener Immobilienbank bald im MDAX wieder. Der Grund hierfür liegt im stark gesunkenen Börsenwert. Die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien war von 7,6 Milliarden Euro zu Jahresbeginn auf nunmehr 623 Millionen Euro gesunken.
Indes haben ganze 15 Banken und Versicherer bereits Staatshilfen der SoFFin beantragt. Wie die "Börsen-Zeitung" am Mittwoch berichtete, habe der Fonds insgesamt 150 Anfragen aus der Finanzwirtschaft bekommen, 36 davon seien konkretisiert worden, bestätigte der Sprecher des SoFFin-Leitungsausschusses, Günter Merl. Von 17 Anträgen seien zwei wieder zurückgezogen worden. Zusagen erhalten haben bisher die BayernLB, die HSH Nordbank, die Commerzbank sowie die Hypo Real Estate. Dabei könne sich Merl dem Bericht zufolge vorstellen, dass noch einmal 15 Institute mit Anträgen auf den Fonds zukommen werden. Insgesamt wurden bisher 90 Milliarden Euro an Garantien ausgegeben, so Merl weiter.
Die Anleger fassten nach der Meldung der Garantieaufstockung für die HRE neuen Mut und kauften sich im Dienstagshandel verstärkt in den Noch-DAX-Titel ein.