Metro verordnet sich Radikalkur
Der Handelskonzern Metro hat sich ein milliardenschweres Sparprogramm verordnet, mit dem die Kosten massiv reduziert werden sollen. Neben deutlichen strukturellen Änderungen im Gesamtkonzern ist dabei offenbar auch ein Massenstellenabbau geplant. Die Anleger honorierten die Bemühungen des Handelsriesen mit deutlichen Aufschlägen für die Aktie des DAX-Unternehmens.
Beim Düsseldorfer Handelskonzern Metro stehen weitreichende Veränderungen an. Bereits am Vorabend wurden erste Details eines umfangreichen Sparprogramms bekannt, weitere Details folgten im Verlauf des heutigen Handelstages. Mit dem Wertsteigerungsprogramm, das den Namen "Shape 2012" tragen soll, verordnet sich das Unternehmen selbst eine deutliche Radikalkur.
Mittelpunkt der Maßnahmen ist dabei ein neues Führungsmodell. Die Ländergesellschaften selbst sollen mehr Eigenverantwortung übernehmen, was eine Dezentralisierung des operativen Geschäfts mit sich bringt. Demnach sollen die Großmärkte Metro Cash & Carry ebenso wie die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn und auch Galeria Kaufhof von nun an "die gesamte Wertschöpfungskette vom Lieferanten bis zum Kunden" selbst steuern und übernehmen damit künftig die ungeteilte Verantwortung für ihr jeweiliges operatives Geschäft. Dem gegenüber sollen die Bereiche Finanzen, Controlling und Compliance zentralisiert und unmittelbar von der Düsseldorfer Zentrale aus gesteuert werden. Eigenen Angaben zufolge will das Unternehmen damit eine straffe Organisationsstruktur sicherstellen, die die finanzielle Steuerung des Gesamtkonzerns erleichtern soll.
Vorbild der Maßnahmen sei dabei der im vergangenen Jahr eingeleitete Restrukturierungsprozess bei einem der Konzernsorgenkinder, der Supermarktkette Real. "Hier sehen wir bereits erste Erfolge", betonte Konzernchef Eckhard Cordes.
"Die gestrafften neuen Führungsstrukturen ermöglichen einen noch stärkeren Fokus auf Kostenmanagement und Effizienzsteigerung", hieß es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Dabei stellte die Führungsebene allerdings klar, dass die operativen Einheiten, die die internen Renditeanforderungen nicht erreichen, konsequent restrukturiert oder abgegeben werden sollen.
Für die Modekette Adler gibt es unterdessen wohl keine Zukunft im Gesamtkonzern mehr. Bereits in der Vergangenheit hatte der Vorstandsvorsitzende Cordes deutlich gemacht, die Sparte abstoßen zu wollen. Auch die bis zum Jahr 2010 geplante Trennung von 27 Real-Märkten, die den Metro-Renditeanforderungen nicht genügen, ist beschlossene Sache.
Mit den nun angekündigten Sparmaßnahmen will Metro die Kosten deutlich senken. Bis zum Jahr 2012 und darüber hinaus soll sich das Ergebnis in diesem Zusammenhang um 1,5 Milliarden Euro verbessern, teilte der Handelsriese mit. Davon entfalle rund die Hälfte auf Kosteneinsparungen. Die andere Hälfte soll durch Produktivitätsverbesserungen und andere ergebnissteigernde Maßnahmen erreicht werden. Die daraus resultierende Ergebnisverbesserung hänge allerdings von der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Absatzmärkten ab, hieß es weiter.
Um seine Sparmaßnahmen durchzusetzen schreckt das Düsseldorfer Unternehmen auch vor einem weiteren deutlichen Stellenabbau nicht zurück. In der Metro-Mitteilung hieß es, es würden "weltweit Veränderungen in der Personalstruktur erforderlich". Die Personalreduzierungen sollen jedoch soweit wie möglich durch natürliche Fluktuation, etwa durch die Nicht-Besetzung frei werdender Stellen, realisiert werden.
Während Metro selbst konkrete Zahlen schuldig blieb, verlautete aus Konzernkreisen am Dienstag, dass in diesem Zusammenhang ein deutlicherer Stellenabbau geplant sei, als bislang gedacht. 15.000 Arbeitsplätze im Gesamtkonzern stünden zur Disposition. Davon seien etwa 4.000 bereits durch verschiedene Maßnahmen bekannt.
Die Metro-Radikalkur führte an der Börse zu einer mustergültigen Reaktion der Anleger. Nachdem die Aktie des im Dax notierten Konzerns seit Jahresbeginn kräftig an Boden verloren hatte, honorierten die Anleger die Bemühungen des Handelsriesen um umfassende Änderungen im Unternehmen und kauften sich wieder in den Anteilsschein ein. Mit einem Plus von zeitweise mehr als neun Prozent setzten sich Metro-Titel an die Spitze im deutschen Leitindex.