Premiere bricht nach erwartetem Jahresverlust ein
Die Anteilseigner von Premiere sind Kummer gewöhnt. Am Donnerstagabend schockte der Bezahlfernsehsender mit einer weiteren Hiobsbotschaft: Der Konzern steuert im Gesamtjahr auf deutlich rote Zahlen zu. Auch die mittelfristigen Ziele könnten in Gefahr sein. Das kostete den Finanzchef seinen Posten. Die Aktie brach daraufhin massiv ein.
Für den Bezahlfernsehsender Premiere wird das aktuelle Geschäftsjahr offenbar mit deutlich roten Zahlen enden. Wie das Münchener Unternehmen am Donnerstagabend überraschend bekannt gab, wird im Gesamtjahr mit einem Jahresverlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gerechnet. Das Ebitda soll den Angaben zufolge bei minus 40 bis minus 70 Millionen Euro liegen, so der Konzern in einer Ad-hoc-Mitteilung. Das erwartete Ergebnis berücksichtige dabei nicht mögliche Einmaleffekte im Zusammenhang mit dem Verkauf von Free-TV-Übertragungsrechten an der Fußball-Weltmeisterschaft 2010.
Als Folge des erwarteten Jahresverlustes wird der neue Konzernchef Mark Williams nun Gespräche mit den Banken über eine Restrukturierung von Kreditvereinbarungen aufnehmen. Der Manager zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass eine Einigung mit den Kreditgebern erzielt werden kann. Eine Kapitalerhöhung sei derzeit nicht geplant, betonte der CEO. Er sei mit den Verhandlungen mit den Banken zufrieden und sehe dadurch auch kein Hindernis, was den anstehenden Bieterprozess für die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga angehe. Damit entkräftete Williams Befürchtungen, der Pay-TV-Sender könnte ähnlich unter Druck geraten, wie bei dem Verlust der Bundesliga-Rechte vor einigen Jahren, dem Premiere nur durch den Kauf von Sublizenzen vom Konkurrenten und Rechteinhaber Arena begegnen konnte.
Die aktuelle Geschäftslage des Unternehmens hat indes weitere personelle Konsequenzen. Finanzvorstand Alexander Teschner wird sein Amt mit sofortiger Wirkung niederlegen. Der Aufsichtsrat habe dem Ausscheiden des Managers bereits zugestimmt. Interimsmäßig soll Williams das Ressort leiten, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist.
Mark Williams hatten die Konzernspitze erst vor rund drei Wochen von seinem Vorgänger Michael Börnicke übernommen, der überraschend zurückgetreten war. Der neue Vorstandsvorsitzende kündigte eine umfassende Überprüfung an, die auch den Abonnentenbereich umfasste. So sei unter anderem eine neue Klassifizierung der Premiere-Abonnenten eingeführt worden, die derjenigen anderer erfolgreicher Pay-TV-Unternehmen entspreche. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche Karteileichen entfernt und die Zahl der Abonnenten nach unten korrigiert: Mit Stand 30. September zählt Premiere demnach 2,411 Millionen direkte Abonnenten und 704.000 zusätzliche Wholesale-Abonennten unter anderem über Unitymedia sowie T-Home.
Insgesamt 940.000 Abonnenten, die in der alten Klassifizierung noch enthalten waren, wurden herausgerechnet. 606.000 davon resultierten aus Verträgen mit Geschäftspartnern, die bisher nicht zu Abo-Aktivitierungen geführt hatten. 334.000 weitere seien zwar in Besitz einer Smartcard, deren Abo sei jedoch beendet.
"Wir überprüfen gründlich sämtliche Bereiche im Unternehmen und sind zuversichtlich, dass dies in eine neue strategische Ausrichtung mündet, die durch einen finanziell belastbaren Businessplan für das weitere Wachstum und die Profitabilität von Premiere unterstützt wird", zeigte sich Williams überzeugt.
An den Geschäftszielen seines Vorgängers will sich der Manager indes nicht messen lassen. Am Abend wollte Williams keine der Zielvorgaben von Börnicke bestätigen. Der ehemalige Konzernchef wollte mittelfristig einen Jahresumsatz von zwei bis drei Milliarden Euro und eine EBITDA-Marge zwischen 20 und 30 Prozent erreichen. Bereits die vergangene Quartalsbilanz hatte allerdings gezeigt, wie schwer diese Ziele zu erreichen sind: Im zweiten Vierteljahr hatte das Münchener Unternehmen seinen Verlust um 15,8 Prozent auf 37,8 Millionen Euro ausgeweitet.
An den Parketts reagierten die Anleger geschockt auf den erwarteten hohen Verlust im Gesamtjahr. Insbesondere die Tatsache, dass Gespräche mit den Banken um eine Strukturierung von Kreditvereinbarungen aufgenommen wurden, sorgte für Sorgenfalten. Die Aktie des im MDAX notierten Konzerns stürzte massiv ab und brach zeitweise um mehr als 60 Prozent ein.