Qimonda-Pleite besiegelt
Der Chiphersteller Qimonda hat am Morgen Insolvenz beantragt. Damit enden die monatelangen Rettungsbemühungen von Regierung und Konzernmutter in der Pleite des Unternehmens. Die Anleger reagierten geschockt auf die Hiobsbotschaften und flüchteten aus der Aktie. Auch Infineon-Titel brachen daraufhin deutlich ein. Qimonda selbst bleibt jedoch zuversichtlich.
Seit Wochen kämpft das Unternehmen um sein Überleben, nun waren alle Rettungsversuche umsonst: Der Chiphersteller Qimonda hat beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt und gesteht damit seine Pleite ein. Dies wurde in einer offiziellen Mitteilung am Freitagmittag bestätigt.
Der Zusammenbruch des Konzerns kam mit Ansage, denn die Situation in der Speicherchipbranche hatte sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert. Die Preise für DRAM-Chips, die unter anderem in Handys und Computern zum Einsatz kommen, waren bedingt durch einen Nachfrageeinbruch aufgrund der Wirtschaftskrise und immer stärkerer Konkurrenz aus Fernost massiv gefallen. Qimonda hatte daraufhin im Herbst vergangenen Jahres deutliche Kostensenkungsmaßnahmen angekündigt, in deren Zusammenhang der Abbau von 3.000 der weltweit 13.000 Stellen im Konzern bekannt gegeben wurde. Das Land Sachsen hatte mit dem Bund und dem Unternehmen selbst Verhandlungen um ein Rettungspaket geführt, an dem sich die Qimonda-Mutter, der Halbleiterkonzern Infineon, zunächst nicht beteiligen wollte. Kurz vor Weihnachten erzielten die Beteiligten dann doch eine Einigung: Ein Rettungsplan wurde verabschiedet, der Darlehen über insgesamt 325 Millionen Euro umfasste. 150 Millionen Euro davon steuerte das Land Sachsen bei, weitere 100 Millionen Euro kamen aus Portugal, wo Qimonda ebenfalls ein Werk unterhält. Infineon, selbst unter der schwachen Halbleiterbranche und sinkender Liquidität leidend, beteiligte sich mit weiteren 75 Millionen Euro.
Dass diese Kredite nicht für ein dauerhaftes Überleben von Qimonda ausreichen würden, hatten Beobachter bereits Ende vergangenen Jahres vermutet. Die Spekulationen bewahrheiteten sich in dieser Woche, als bekannt wurde, dass sich bei dem Chipkonzern ein weiteres Finanzloch aufgetan hat: 300 Millionen Euro sollte das Unternehmen zusätzlich benötigen, um den Zusammenbruch zu verhindern. Der bekannt gewordene neuerliche Finanzierungsbedarf hatte dabei zu Verärgerung bei den Investoren und Kreditgebern geführt.
Der Mutterkonzern Infineon erklärte in einer Pressemitteilung am Freitag: "Angesichts der schwierigen konjunkturellen Gesamtlage und der weiteren Verschlechterung des DRAM Geschäftes im Dezemberquartal war es den verhandelnden Parteien nicht möglich, ein tragfähiges Rettungspaket zu schnüren". Die unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Verhandlungspartner seien nicht miteinander vereinbar gewesen, hieß es weiter.
Unterdessen dürfte sich die Pleite der Tochter auch bei Infineon deutlich negativ bemerkbar machen. Der Konzern könnte "bestimmten erheblichen Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem Qimonda-Geschäft ausgesetzt sein", hieß es. Dabei nannte Infineon konkret laufende kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren sowie die eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel und mitarbeiterbezogene Eventualverbindlichkeiten. Die Belastungen werden wohl im aktuellen Geschäftsjahr zu erwarten sein und dürften sich deutlich negativ in der Infineon-Bilanz niederschlagen. Man werde Rückstellungen über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag bilden, hieß es am Freitag.
Qimonda selbst hat sich offenbar noch nicht komplett aufgegeben: Der Betrieb soll trotz der Insolvenz aufrecht erhalten werden. Dabei zeigte sich der Vorstand zuversichtlich, die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, "Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können", erklärte Vorstandschef Kin Wah Loh.
Die Anleger überzeugte dies jedoch nicht. Sie flüchteten aus Qimonda-Aktien, die Anteilsscheine brachen massiv ein. Auch die mittlerweile zum Penny Stock mutierten Infineon-Titel gaben am Freitag deutlich nach.