VW auf der Überholspur
Gegen den allgemeinen Trend stemmen sich am Dienstag erneut die Aktien der Volkswagen AG. Während es mit dem Leitindex Dax auf und ab geht, kann der Wolfsburger Autobauer abermals deutlich zulegen und ein neues Allzeithoch markieren. Weiterhin schießen Spekulationen ins Kraut, dass Porsche Optionen kauft, um die Mehrheit an VW zu übernehmen.
Während sich der DAX aufgrund der anhaltenden Finanzkrise auf Berg- und Talfahrt begibt, sticht ein Wert im deutschen Leitindex den Anlegern ins Auge: Volkswagen befindet sich - allen Marktwidrigkeiten zum Trotz - erneut auf der Überholspur und kann zwischenzeitlich deutlich zweistellige Zugewinne verbuchen. Bereits am Vortag zählte der Wolfsburger Automobilkonzern mit einem Aufschlag von 5,2 Prozent zu den rar gesäten Gewinnern. Der DAX war gleichzeitig um 7,1 Prozent auf 5.387 Punkte abgesackt. Porsche-Aktien brachen indes am Montag um 10,1 Prozent ein.
Gründe für die "außergewöhnlichen" Kursentwicklungen waren Spekulationen um die Aufstockung der Beteiligung durch Porsche. Händlern zufolge kursieren weiterhin Gerüchte, dass Porsche Optionen gekauft hat, um die Mehrheit bei VW zu übernehmen. Möglicherweise beginne Porsche damit, diese Optionen auszuüben. Zudem sei Marktteilnehmern zufolge vorstellbar, dass Banken oder Hedge-Fonds eine größere Anzahl von Kaufoptionen begeben haben, welche entsprechende Deckungskäufe zur Folge haben könnten.
Die heute veröffentlichten Absatzzahlen von Audi würden einen solchen Kursanstieg nicht rechtfertigen, hieß es unterdessen von Expertenseite. Die VW-Tochter hatte im September in den Regionen Europa und Asien-Pazifik zweistellige Wachstumsraten und damit das beste Septemberergebnis der Unternehmensgeschichte verzeichnen können. So steigerte die Marke ihre Verkaufszahlen im Berichtsmonat weltweit um 12,3 Prozent auf 95.137 Fahrzeuge.
Porsche bestätigte indes heute außerbörslich ein "kleines Aktienpaket" erworben zu haben. Über die genaue Größenordnung wurden keine Angaben gemacht. Der Sprecher erklärte jedoch, Porsche habe die Wertpapiere deutlich unter dem aktuellen Marktpreis gekauft.
Daneben sorgte ein Medienbericht für Furore. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" äußerte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, dass es nicht auszuschließen sei, dass Porsche seine Beteiligung an Volkswagen auf bis zu 75 Prozent erhöhe. "Wir wären schlechte Unternehmer, wenn wir jetzt sagen würden, wir schließen langfristig eine Beherrschung aus. 75 Prozent sind heute kein Thema, das ist klar. Die theoretische Möglichkeit aber wollen wir uns erhalten. Dies heute aufzugeben, nur um Ruhe hineinzubekommen, wäre falsch. Das würde man uns eines Tages vorwerfen - zu Recht", so Wiedeking gegenüber der "FAZ".
Zudem kommt Porsche dem VW-Vorstand mit der Planung eines neuen Führungsmodells für den Gesamtkonzern einen Schritt entgegen. Porsches Finanzchef Holger Härter arbeite eigenen Angaben zufolge derzeit mit seinen Finanzkollegen bei VW an einem gemeinsamen Papier zum künftigen Führungsmodell, das sie mit den Vorständen von Volkswagen und Porsche diskutieren werden. "Ich bin davon überzeugt, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden werden, wie wir die beiden Unternehmen künftig führen werden. Dieses Modell werden wir voraussichtlich noch dieses Jahr verabschieden", so Härter gegenüber dem "Handelsblatt" weiter.
Dabei signalisierte der Sportwagenhersteller im Machtkampf erstmals die Bereitschaft, das VW-Management in den Vorstand von Porsche zu integrieren. "Ich gehe davon aus, dass langfristig auch Vertreter von Volkswagen in den Vorstand der Porsche SE einrücken werden", so der Porsche-Finanzchef. Bislang sind nur Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sowie Härter selbst im Vorstand des Stuttgarter Autobauers. Mit dem neuen Führungsmodell kommt Porsche auch einer Forderung von VW-Chef Martin Winterkorn entgegen, der zuletzt Klarheit in dieser Frage gefordert hatte.
Porsche hatte seinen Anteil an Volkswagen im September auf 35,14 Prozent aufgestockt und sich damit die faktische Kontrolle über den VW-Konzern gesichert. Im November soll der Anteil an Volkswagen auf über 50 Prozent anwachsen.