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28.10.2008 10:00

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Aktie im Fokus: Volkswagen

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VW-Aktie: Kursexplosion ruft Kritiker auf den Plan

Der zeitweise unerklärliche Höhenflug der Volkswagen-Aktie trieb auch am Dienstag immer kuriosere Blüten und machte die Wolfsburger zwischenzeitlich zum wertvollsten Unternehmen weltweit. Institutionelle Anleger zeigten sich massiv verärgert und forderten den Rauswurf der Titel aus dem DAX. Während die Deutsche Börse keine Veranlassung für eine Indexänderung sieht, will der Indexbetreiber Stoxx Limited die Situation prüfen. Zudem rief die Situation die BaFin auf den Plan.

Die Aktie des Wolfsburger Autobauers Volkswagen scheint derzeit von jeglichen Marktzwängen befreit. Bereits am Vortag waren die Anteilsscheine des Konzerns zeitweise um 200 Prozent angezogen und verabschiedeten sich am Montag schließlich mit einem Kursplus von 147 Prozent beim Stand von 520 Euro aus dem Handel. Auch die Aufschläge im Dax hatte der deutsche Leitindex primär der Kursexplosion bei VW zu verdanken.

Wer dachte, dass sich die Titel heute wieder in ruhigeres Fahrwasser begeben und sich wieder ihrem fairen Wert annähern würden, sah sich jedoch bereits zum Börsenstart eines Besseren belehrt. Mit einem erneuten Plus von mehr als 90 Prozent kostete die Aktie in der Spitze 1.005,01 Euro und schoss damit auf ein neues Rekordhoch. Das machte den Volkswagen-Konzern zwischenzeitlich zum wertvollsten Unternehmen der Welt und sorgte einmal mehr für grüne Vorzeichen im DAX.

Ausgelöst wurde der extreme Kursanstieg durch eine simple Mitteilung des Sport- und Geländewagenherstellers Porsche. Der Zuffenhausener Konzern hatte am Sonntag darüber informiert, dass er seinen Anteil an Volkswagen auf 42,6 Prozent aufgestockt hat. Zudem sicherte sich das Unternehmen über Optionen weitere 31,5 Prozent an VW. Zusammen mit dem vom Land Niedersachsen gehaltenen Aktienpaket von 20,1 Prozent befindet sich damit ein Großteil der Anteilsscheine in fester Investorenhand. Nur noch wenige VW-Aktien sind frei handelbar, der Freefloat ist damit auf rund fünf Prozent gesunken. Die geringe Verfügbarkeit der Aktien trieb den Kurs des Anteilsscheins weiter und erwischte damit reihenweise Spekulanten auf dem falschen Fuß, die nach der Hausse der vergangenen Wochen auf fallende Kurse gewettet hatten. Leerverkäufer hatte offenbar hohe Short-Positionen aufgebaut, sich Aktien geliehen und über die Börse verkauft - in der Hoffnung, die Papiere später günstiger über die Börse erwerben und sie dem Verleiher zurückgeben zu können. Der exorbitante Kurssprung hatte den Shorties aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, sie sahen sich gezwungen, ihre Verluste zu reduzieren und die wenigen frei handelbaren VW-Titel zurück zu kaufen - zu beinahe jedem Preis.

Eine fundamentale Begründung für die Kursexplosion schließen die meisten Marktteilnehmer aus. Zwar ist der größte europäische Autobauer vergleichsweise gut aufgestellt, die weltweit flaue Branchenkonjunktur und die sinkende Nachfrage im Zusammenhang mit den Folgen der Finanzkrise macht jedoch auch vor den Wolfsburgern nicht halt. Wie stark der Konzern die Krise im dritten Quartal zu spüren bekommen hat, dürfte mit der Vorlage der Bilanz am Freitag offensichtlich werden.

Bis dahin kann man kaum voraussehen, wie sich die VW-Aktie weiter entwickeln wird. Unterdessen werden Vorwürfe gegen den Großaktionär Porsche laut: Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS fordert vom Frankfurter Börsenbetreiber Deutsche Börse eine Änderung der Regeln für die Zusammensetzung des DAX: "Ich kritisiere heftig, dass ein Unternehmen wie Porsche in unverantwortlicher Art und Weise den VW-Kurs manipuliert", zeigte sich DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen gegenüber der "Financial Times Deutschland" erzürnt. Die Deutsche Börse wies jegliche Handlungsverantwortung indes zurück: "Wir haben keine Rechtsverstöße beim Handel mit VW-Aktien festgestellt, es läuft alles nach den Regeln ab", so ein Konzernsprecher. Man werde sich an das eigene Regelwerk halten, wonach Indexänderungen außer der Reihe nur bei einem Streubesitz von weniger als fünf Prozent möglich seien, hieß es weiter.

Der Indexbetreiber Stoxx prüft unterdessen Konsequenzen aus den Kapriolen der VW-Aktie und will bis spätestens 22.00 Uhr über sein weiteres Vorgehen informieren. Auch die Finanzdienstleistungsaufsicht nimmt den VW-Kursanstieg unter die Lupe. "Wir schauen uns den Handel mit VW-Papieren auf mögliche Anhaltspunkte für Insiderhandel oder Marktmanipulationen an", so eine Sprecherin.

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