LONDON/PARIS (dpa-AFX) – Die wichtigsten europäischen Börsen sind am Freitag nach anfänglichen Gewinnen ins Minus abgetaucht. Nach der jüngst starken Entwicklung am Aktien- und Rohstoffmarkt wurden Gewinnmitnahmen und ein schwacher Finanzsektor für die Verluste verantwortlich gemacht. Der Leitindex
Eurostoxx 50 (
EuroSTOXX 50) lag am Mittag mit 0,69 Prozent im Minus bei 2.864,22 Punkten. In Paris verlor der Cac-40-Index (
CAC 40) 0,40 Prozent auf 3.901,23 Punkte und auch in London gab es Verluste. Der Leitindex
FTSE 100 gab um 0,26 Prozent auf 5.847,61 Zähler nach.
Der Markt warte nun auf den Arbeitsmarktbericht, der am Nachmittag in den USA veröffentlicht wird, sagte Marktanalyst Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse. Wegen der vorab erfolgten Zeitumstellung in Europa wird dieser bereits um 13.30 Uhr MEZ veröffentlicht und damit eine Stunde früher als allgemein üblich. "Nach dem guten ADP-Bericht vom Mittwoch steigen die Erwartungen, dass der Arbeitsmarkt weitere positive Signale für die US-Wirtschaft senden wird", gab Ben Potter von IG Markets am Morgen zu Bedenken.
Gleichauf mit dem Gesamtmarkt drehten vor allem Finanzwerte ins Minus, nachdem sie anfangs noch mehrheitlich im Plus gelegen hatten. Credit Agricole (Crédit Agricole) fielen zuletzt um 3,33 Prozent auf 12,05 Euro. Händler verwiesen bei den Franzosen auf Spekulationen über eine drohende Kapitalerhöhung. Noch deutlicher waren indes die Verluste bei der spanischen BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria), deren Papiere um 5,40 Prozent auf 8,353 Euro abrutschten. Börsianer machten sich erneut Sorgen um die Liquiditätslage bei einem nicht benannten spanischen Institut. Banco Santander (Banco Santander Central Hispano) gaben im Sog dessen ebenfalls um 3,15 Prozent nach.
Zahlen gab es indes von britischen Banken. HSBC sah seinen Gewinn nach neun Monaten deutlich über dem Vorjahresniveau, die Titel konnten sich dem schwachen Umfeld allerdings nicht entziehen und fielen um 1,32 Prozent auf 685,90 Pence. Auch die Royal Bank of Scotland (RBS) (Royal Bank of Scotland Group) berichtete über das abgelaufene Quartal. Ungeachtet dessen, dass neubewertete Schulden nach nur einem Quartal im Plus wieder für einen Verlust in Milliardenhöhe sorgten, konnten die Papiere lange Zeit zulegen. Zuletzt rutschten sie allerdings ebenfalls deutlich mit 3,50 Prozent ins Minus.
Quartalszahlen gab es auch von Lafarge. Der weltweit führende Zementkonzern musste auch im dritten Quartal einen Rückgang des Überschusses um acht Prozent hinnehmen und hatte im operativen Geschäft die Erwartungen verfehlt. Die Papiere verloren 2,39 Prozent auf 44,16 Euro. Steigende Kurse gab es hingegen beim britischen Mobiltelefon-Händler Carphone Warehouse (Check Point Software Technologies), der seinen Gewinnausblick erhöhte und erstmals die Zahlung einer Dividende ankündigte. Die Papiere stiegen in London um 5,60 Prozent auf 325,973 Pence./tih/ag