FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Donnerstag dank guter Vorgaben aus Übersee seine jüngst freundliche Entwicklung fortsetzen. Der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex (
DAX) stand am Morgen bei 6.456 Punkten und damit 0,53 Prozent über dem Xetra-Daxschluss vom Vortag. Die überraschende Ankündigung der US-Notenbank Fed, den Zeitraum einer faktischen Nullzinspolitik deutlich bis Ende 2014 und damit anderthalb Jahre länger als ursprünglich erwartet auszudehnen, habe die Wall Street angetrieben, sagte Aktienhändler Chris Weston von IG Markets. Das sorge für eine gute Vorgabe. Auch Helaba-Analyst Christian Schmidt sieht weiter Rückenwind für die Aktienmärkte.
Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial (Dow Jones) gewann 0,87 Prozent seit dem Xetra-Daxschluss. Auch in Asien legten die meisten Börsen zu. Unterdessen werden zahlreiche neue Impulse aus der Berichtssaison dies- und jenseits des Atlantiks erwartet. Wacker Chemie machte am Morgen den Anfang, im Verlauf werden dann vor allem noch Unternehmens- und Konjunkturzahlen aus den USA erwartet.
SCHWACHE ZAHLEN VON WACKER CHEMIE
Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern Wacker Chemie bekam derweil wie erwartet im Schlussquartal die schwache Nachfrage der Halbleiter- und Solarbranche zu spüren: Der Umsatz und der operative Gewinn gingen zurück. Wacker hatte bereits im Oktober die Prognosen für das Geschäftsjahr 2011 gesenkt. Operativ blieb das Unternehmen aber hinter dem eigenen Ziel und den Prognosen der Experten zurück. Auch beim Umsatz wurden die Erwartungen verfehlt. Händler sahen die Aktien durch die Zahlen und auch den fehlenden konkreten Ausblick belastet, verwiesen aber auch auf die bereits rückläufigen Kurse vor der Zahlenveröffentlichung. Da könnten die leicht positiven Aussagen zum Jahresstart den Aktien helfen. Vorbörslich gaben die Aktien jedoch deutlich nach.
Dass Eon sich einem Pressebericht zufolge von seiner Regionaltochter Eon Westfalen-Weser trennen will, sollte sich Händlern zufolge kaum auf den Aktienkurs auswirken. Der Energiekonzern veräußere schon seit Monaten Unternehmensteile, um nach dem "Desaster" mit der Atomsteuer in Deutschland Kosten zu sparen. Beim Broker Lang & Schwarz notierten die Aktien vorbörslich moderat im Plus.
NORDEX IM BLICK NACH BERICHT ÜBER US-WINDMARKT
Die Nordex-Titel (Nordex) legten indes ungeachtet negativer Nachrichten vorbörslich etwas zu. Händler verwiesen auf einen Artikel in der "Financial Times Deutschland" (FTD), dem zufolge der Windkraftenergie der Zusammenbruch ihres US-Marktes droht. So rechne der Chef der Energiesparte des US-Konzerns General Electric (GE) , Steve Bolze, nach einem kurzen Boom 2012 im kommenden Jahr mit einem "dramatischen Einbruch", da Ende des Jahres die entscheidende Subvention ausläuft: Die Production Tax Credit, eine Steuergutschrift von 2,2 US-Cent pro produzierter Kilowattstunde Windstrom. Mit einer Verlängerung rechnet in der Branche dem Bericht zufolge kaum jemand. Zudem erinnerte die FTD daran, dass Nordex erst 2010 eine große Fabrik im Bundesstaat Arkansas eröffnet habe. "Diese Nachrichten könnten die Nordex-Aktie heute morgen belasten, auch wenn sie angesichts von Präsident Obamas Energiepolitik keine wirkliche Überraschung sind", sagte ein Händler. Der Windkraftanlagenbauer sei auch in den USA engagiert und habe dort viel Geld investiert./gl/ag