FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Erleichterung über den Wahlsieg der Euro-Befürworter in Griechenland dürfte am deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt zunächst für deutliche Kursgewinne sorgen. Der Euro selbst war in der Nacht bereits um rund einen Cent angesprungen. Der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den
Dax (
DAX) folgte am Montagmorgen mit einem Gewinn von 1,49 Prozent seit dem Xetra-Schlusskurs vom Freitag. Mit 6.322 Punkten stand er wieder über dem 200-Tage-Durchschnitt des deutschen Leitindex.
"Kurzfristig ist ein Euro-Ausstieg Griechenlands weniger wahrscheinlich geworden", kommentierte ein Börsianer. Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt die Neo Dimokratia auf 29,7 Prozent, wie das Innenministerium in Athen am frühen Morgen im Internet mitteilte. Zusammen mit der sozialistischen Pasok-Partei, die demnach auf 12,3 Prozent kommt, würde sie über eine Mehrheit von 162 Mandaten im 300 Sitze zählenden Parlament verfügen. Beide Parteien hatten sich grundsätzlich für eine Fortsetzung des mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds im Gegenzug für Milliarden-Hilfen verabredeten Sparkurses ausgesprochen; eine Voraussetzung für den Verbleib des hoch verschuldeten Landes im Euro-Raum. Das radikale Linksbündnis Syriza, das eine Aufkündigung des Sparprogramms angekündigt hatte, wurde mit 26,9 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft.
POLITISCHES EUROPA BEGRÜSST WAHLAUSGANG - ASIATISCHE BÖRSEN REAGIEREN POSITIV
Vom politischen Europa wurde der Wahlausgang ebenfalls mit Erleichterung aufgenommen. "Wir hoffen, das die Wahlergebnisse rasch die Bildung einer Regierung erlauben", erklärten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte das gute Abschneiden der CDU-Schwesterpartei, mahnte aber zugleich die Einhaltung der "europäischen Verpflichtungen" an. Positiv fiel auch die Reaktion an den asiatischen Börsen aus, die mit deutlichen Kursgewinnen einen freundlichen Trend für Europa vorgeben. In den USA gewann der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial (Dow Jones) 0,69 Prozent seit dem Xetra-Schluss am Freitag. Anfänglich noch deutlichere Gewinne schmolzen bereits etwas ab.
Die Devisenexperten der Commerzbank sprechen mit Blick auf den Euro aber von einer "enttäuschenden Marktreaktion". "Nicht nur die fortbestehenden Probleme der Hellenen, sondern auch Spaniens Banken und der Fiskus in Rom und Madrid bleiben Belastungsfaktoren für Europas Währung", so ihre Einschätzung.
BANKEN VORBÖRSLICH BESONDERS GEFRAGT - POST HINKEN HINTERHER
Mit Blick auf den vorbörslichen Handel zeichnet sich eine geschlossene Aufwärtsbewegung ab - bei Lang & Schwarz lag kein Dax-Wert im Minus. Besonders gefragt waren Bankentitel wie Commerzbank und Deutsche Bank mit Gewinnen von mehr als drei Prozent. Auch Aareal (Aareal Bank) aus dem MDAX bestätigten den Brachentrend.
Zu den schwächsten Werten zählten nach einem Medienbericht die Aktien der Deutschen Post (Deutsche Post). Die KfW habe sich demnach an Investmentbanken gewandt mit dem Ziel, sich von mindestens 30,5 Prozent ihres Anteils am Logistikkonzern zu trennen. Dies sei aus mit der Sache vertrauten Kreisen durchgesickert. Einen offiziellen Auftrag an die Investmentbanken gebe es aber noch nicht. Ein Börsianer rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Kursentwicklung.
SOLARWERTE PROFITIEREN VON JAPANISCHEM ENERGIEPROGRAMM
Im TecDax sind Solarwerte wie Solarworld (SolarWorld) und SMA Solar (SMA Solar Technology) nach Berichten über den japanischen Energiemarkt einen besonderen Blick wert. Demnach hat Japan ein umfangreiches Programm abgesegnet, mit dem erneuerbare Energien gestützt werden sollen. Damit will sich das Land weniger abhängig machen von Atomstrom. Die Entscheidung könnte zu Milliardeninvestitionen führen, hieß es in den Berichten. Ein Börsianer kommentierte: "Es ist unklar, was das gerade für die deutsche Solarbranche bedeuten wird, dem Sentiment könnte es aber erst einmal helfen."/ag/rum