FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Schlussrally an den US-Börsen sollte am Dienstag dem deutschen Aktienmarkt ebenfalls zu Gewinnen verhelfen. Auch hierzulande dürften die Kurse von Spekulationen angetrieben werden, dass Italien und China über den Kauf von italienischen Staatsanleihen verhandeln. Der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex (
DAX) stand gegen 8.10 Uhr bei 5.155 Punkten und damit um 1,63 Prozent über dem Xetra-Schlussstand vom Montag. Tags zuvor noch hatte er seine Verlustserie fortgesetzt und war erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder zeitweise unter 5.000 Punkte gesackt.
Die US-Börsen hatten am Vorabend in der letzten Handelsstunde kräftig Auftrieb durch einen Bericht in der "Financial Times" erhalten, wonach sich Italien in Gesprächen mit chinesischen Investoren über den Ankauf von Staatsanleihen befindet. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial (Dow Jones) hatte daraufhin die 11.000-Punkte-Marke zurückerobert und der Dow-Future gewann seit dem Xetra-Handelsschluss 1,33 Prozent. Der Goldpreis als Indikator für die Entwicklung der Risikoscheu der Investoren bewegte sich indes kaum.
POTTER: 'FT-BERICHT NUR KURZFRISTIGER TREIBER'
"Auch wenn das eine ermutigende Entwicklung ist, so heißt das realistisch betrachtet erst einmal gar nichts", sagte Marktstratege Ben Potter von IG Markets zum "FT"-Artikel. "Es handelt sich hier um nicht mehr als eine Zeitungsüberschrift, die dafür gesorgt hat, dass Händler ihre Short-Positionen wieder zurückgekauft haben." Auch wenn es zu einer kurzfristigen Erleichterung komme, würden dadurch nicht die "massiven Probleme" der Eurozone gelöst. "Die sind", so Potter, "struktureller Art, und es wird Jahre brauchen, um sie zu lösen."
Auf der Agenda stehen an diesem Tag einige Konjunkturdaten aus Europa und den USA als mögliche Impulsgeber für die Märkte. Allerdings sind sie eher in der zweiten Reihe anzusiedeln, der Kurseinfluss sollte sich daher in Grenzen halten.
In den Fokus könnten Autowerte rücken wegen des Beginns der Pressetage der Internationale Automobil-Ausstellung (IAA Pkw) in Frankfurt.
Die Aktien der Deutschen Telekom (Deutsche Telekom) könnten von einem Bericht des "Handelsblatts" gestützt werden, dem zufolge die deutsche Regierung den Telekomkonzern bei dem Versuch unterstützt, seine kriselnde US-Tochter T-Mobile USA an den amerikanischen Konkurrenten AT&T zu verkaufen. Das Blatt berichtet unter Bezug auf Konzernkreise, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel US-Präsident Barack Obama kurz nach Bekanntgabe des Deals angerufen hat, um für das Geschäft zu werben. "Das dürfte die Stimmung für die Aktie leicht positiv beeinflussen", kommentierte ein Börsianer. Der Widerstand der US-Wettbewerbsbehörden gegen die Transaktion hatte die T-Aktie seit Ende August um bis zu knapp 20 Prozent einbrechen lassen lassen.
METRO-GROSSAKTIONÄR WILL ANGEBLICH CORDES LOSWERDEN
Die Metro-Papiere (METRO) legten bei Lang & Schwarz vorbörslich um 2,00 Prozent auf 28,02 Euro zu. Laut "Süddeutsche Zeitung" ist Metro-Großaktionär Haniel unzufrieden mit der Bilanz von Unternehmenschef Eckhard Cordes und will ihn loswerden. Ein Börsianer zeigte sich indes nicht überrascht und rechnet kaum mit einer stärkeren Kursreaktion. Es handele sich lediglich um eine Konkretisierung früherer Gerüchte, denen zufolge der Vertrag von Cordes nicht verlängert werden dürfte.
Die Aktien von Pfeiffer Vacuum Technology und MTU (MTU Aero Engines) stehen wegen einer positiven Studie im Fokus. Nach Ansicht der Credit Suisse bleiben Übernahmen weiterhin relevant und zu den potenziellen Übernahmekandidaten zählt die Schweizer Bank unter anderem die beiden deutschen Unternehmen. "Das dürfte heute sicher Übernahmespekulationen anheizen und die Kurse der beiden Aktien antreiben", sagte ein Händler dazu./ck/gl