FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt dürfte nach seiner zuletzt starken Entwicklung mit moderaten Verlusten in den Freitagshandel starten. Ungeachtet freundlicher Vorgaben notierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex (
DAX) am Morgen bei 6.404 Punkten und damit 0,19 Prozent unter dem Xetra-Vortagsschluss. Dennoch nimmt der Index Kurs auf ein kräftiges Wochenplus: Seit dem vergangenen Freitag hat er bereits knapp viereinhalb Prozent zugelegt. Der Future auf den
Dow Jones Industrial (
Dow Jones) gewann 0,30 Prozent seit dem Xetra-Schluss am Vortag. Auch die asiatischen Börsen präsentierten sich freundlich.
"Angesichts der der ordentlichen Kursgewinne der letzten Tage, insbesondere bei den Finanzwerten, ist es mehr als normal, dass der Index auch mal eine Verschnaufpause einlegt", kommentierte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Ob der Dax sein Hoch von Ende Oktober bei 6.430 Punkten nachhaltig überwinden kann, hängt laut Marktstratege Stan Shamu von IG Markets von den Gesprächen um den Schuldenschnitt der Privatgläubiger für Griechenland ab. Hier werde die Zeit langsam eng. Im Fokus stünden zudem die Hauptversammlung von ThyssenKrupp und Zahlen von General Electric (GE) aus den USA. Außerdem müssen die europäischen Banken ihren nationalen Aufsichtsbehörden erklären, wie sie die bis Juni geforderte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen wollen.
THYSSENKRUPP SCHWÄCHER ERWARTET
Die Titel von ThyssenKrupp gaben bei Lang & Schwarz vorbörslich um gut ein halbes Prozent nach. Laut Börsianern könnte der Konkurrent ArcelorMittal zunächst etwas auf die Stimmung im Sektor drücken. Der Stahlkonzern hatte mitgeteilt, ein Werk in Spanien wegen der anhaltend schwachen Nachfrage auch weiter geschlossen zu halten. Ein Börsianer betonte aber, dass die Aussagen den Sektor generell zwar etwas belasten dürften, Thyssen allerdings mit der Hauptversammlung und den dort erwarteten Aussagen zum ersten Quartal 2011/12 mit eigenen Nachrichten im Fokus stehen sollte.
Die Eon-Aktien zeigten sich vor dem Handelsstart nahezu unverändert. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, wonach es inzwischen vorläufige Angebote von sechs Interessenten für das Erdgasnetz des Energiekonzerns gebe. Dazu gehörten unter anderem auch die Deutsche Bank-Tochter (Deutsche Bank) RREEF und Allianz Capital Partners. Der Preis für das Erdgasnetz dürfte nach Einschätzung der Händler bei rund 2,5 Milliarden Euro liegen. "Ein großes Interesse ist in diesem Stadium nicht ungewöhnlich", kommentierte ein Börsianer. Es könnte aber die Stimmung für die Eon-Aktie positiv beeinflussen, obwohl sie derzeit nicht gerade hoch in der Anlegergunst stehe.
SOLARWERTE MIT FÖRDERUNGSANPASSUNG IM BLICK
Die deutschen Solaraktien wie Solarworld (SolarWorld) und Q-Cells könnten am Freitag laut Händlern etwas unter Druck geraten. Sie verwiesen darauf, dass Bundesumweltminister Norbert Röttgen durch eine monatliche Anpassung der Förderung den Neubau bei Solaranlagen stärker begrenzen will. Das System mit halbjährlichen Kürzungen habe vor dem Stichtag zu "Schlussverkäufen" geführt und so die Zahl neuer Anlagen in die Höhe getrieben, sagte Röttgen am Donnerstagabend nach einem Spitzengespräch mit der Energiebranche in Berlin. "Dies könnte zukünftig die Nachfrage etwas beeinträchtigen und den Preisdruck in der Solarbranche weiter erhöhen", mutmaßte ein Börsianer. Allerdings hätten die Solarwerte am Donnerstag im späten Handel nur geringfügig unter der Nachricht gelitten. Solarworld gaben bereits vorbörslich um anderthalb Prozent nach./gl/rum