FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch nach dem größten Wochengewinn seit November 2008 dürfte dem
Dax (
DAX) am Montag zunächst nicht die Luft ausgehen. Der X-Dax als außerbörslicher Indikator deuteten für den deutschen Leitindex am Morgen einen weiteren Zuwachs um 0,89 Prozent auf 6.135 Punkte an. In der Vorwoche war das Kursbarometer in einer kräftigen Erholgsrally bereits um knapp 11 Prozent angesprungen.
Beherrschendes Thema bleibt weiter die Schuldenkrise der Eurozone. Nach Ansicht der Devisenexperten der Commerzbank nährt ein kommender EU-Gipfel Hoffnung auf eine mögliche "umfassende und überzeugende Lösung" der Krise. Zumindest die Zahl der möglichen Vorschläge für das Treffen Ende der Woche beeindrucke, hieß es. Aber auch bereits beschlossene Schritte sorgen für weitere Beruhigung der Anleger. So gab das neue Sparpaket in Italien laut Stratege Stan Shamu von IG Markets am Morgen bereits den asiatischen Börsen einen positiven Impuls gegeben. Auch der wichtige Future auf den Dow Jones Industrial (Dow Jones) zog daraufhin an und legte seit dem Xetra-Schluss am Freitag leicht zu.
COMMERZBANK-AKTIE VON 'SPIEGEL'-BERICHT BELASTET - SAP MIT MILLIARDENZUKAUF
Commerzbank-Aktionäre (Commerzbank) haben von der weiter freundlichen Marktstimmung derweil nicht viel. Die Aktie ging vorbörslich zeitweise um mehr als fünf Prozent in die Knie, nachdem der "Spiegel" berichtet hatte, dass die Bundesregierung eine Verstaatlichung der Bank nicht ausschließe. Wenn es das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut nicht schaffe, sich bis zum nächsten Sommer genug Kapital zu beschaffen, werde Berlin den Bankenrettungsfonds Soffin reaktivieren und weitere Aktien des Finanzkonzerns übernehmen, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise. Berlin lehnt es laut dem Magazin ab, lediglich die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo zu übernehmen. Ein Börsianer bezeichnete eine Verstaatlichung als logische Konsequenz - vor allem die Aussagen zur Eurohypo belasten aber seiner Meinung nach. Immerhin habe es zuletzt am Markt die eher unrealistische Hoffnung gegeben, die Bundesregierung könne die Tochter übernehmen.
Auch für Papiere von SAP ging es etwas nach unten. Europas größter Softwarekonzern zahlt 3,4 Milliarden Dollar (2,5 Mrd Euro) für das US-Unternehmen SuccessFactors , das auf Software zur Personal-Verwaltung spezialisiert ist. SAP gibt sich großzügig: Das Angebot von 40 US-Dollar je Aktie bedeutet einen Aufschlag von 52 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. SuccessFactors machte in den ersten neun Monaten 2011 einen Verlust von knapp 31 Millionen Dollar bei 231,7 Millionen Dollar Umsatz. Für Analyst Oliver Finger von der DZ Bank kommt der Schritt nicht überraschend, nachdem Wettbewerber Oracle jüngst im Bereich Cloud Computing zugekauft hatte, und die Walldorfer externes Wachstum als Teil ihrer Strategie bestätigt hatten. SAP zahle zwar einen hohen strategischen Preis, das US-Unternehmen passe jedoch auch sehr gut.
Die weit überwiegende Mehrheit der Werte in Dax und MDAX (MDAX) tendierte jedoch fester. Besonders gefragt waren dabei RWE und Aareal Bank mit über 2 Prozent Zuwachs.
TUI PROFITIEREN VON HAPAG-LLOYD-BERICHT
Tui-Titel (TUI) zogen ebenfalls deutlich an. Die Zeitung "Die Welt" hatte berichtet, die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur nimmt einen neuen Anlauf, den Hamburger Konkurrenten Hapag-Lloyd zu kaufen. Börsianer verwiesen auf einen Medienbericht, wonach Neptune dies aber bereits bestritten haben soll. Außerdem habe die "Wirtschaftswoche" berichtet, die Tui-Tochter L'Tur habe den Umsatz auf mehr als 400 Millionen Euro gesteigert./ag/rum