FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag nach dem
US-Arbeitsmarktbericht weiter an Boden verloren. Der
Dax (
DAX) lag zuletzt 0,85 Prozent im Minus bei 6.479,87 Punkten. Zuvor hatte sich der Leitindex - geprägt von der Vorsicht vieler Anleger, die sich vor den Arbeitsmarktzahlen nicht positionieren wollten - über weite Strecken seitwärts im Minus bewegt. Der
MDAX (
MDAX) verlor 0,73 Prozent auf 10.529,11 Punkte und der
TecDax (
TecDAX) sank um 0,61 Prozent auf 766,15 Punkte.
Wie das US-Arbeitsministerium am Nachmittag mitteilte, ist die Arbeitslosenquote im Juni wie erwartet unverändert bei 8,2 Prozent geblieben. Im Monatsvergleich kletterte die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 80.000 Stellen, während Experten einen Zuwachs von 100.000 Stellen erwartet hatten. Zudem ist es der dritte Monat in Folge mit einem Stellenplus von weniger als 100.000 Stellen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen mit plus 0,3 Prozent stärker als erwartet: Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg von 0,2 Prozent gerechnet. Im Mai waren die Stundenlöhne um nach oben revidierte 0,2 Prozent (zunächst: 0,1 Prozent) gewachsen.
US-ARBEITSMARKTDATEN STÜTZEN BEFÜRWORTER GELDPOLITISCHER LOCKERUNG
Durch die schwachen Daten dürfte die konjunkturelle Zuversicht der Marktteilnehmer - auch in Anbetracht der jüngst nachgebenden Stimmungsindikatoren - weiter nachlassen, schrieb Helaba-Analyst Ulrich Wortberg in einer ersten Reaktion nach den Zahlen. Da auch die Arbeitslosenquote nicht weiter gesunken sei, könnten sich Anleger weiterhin Hoffnung auf eine neues Anleihekaufprogramm der US-Notenbank Fed machen.
Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade kommentierte: "Die Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen der US-Notenbank Fed keine nachhaltige Verbesserung am Arbeitsmarkt gebracht haben." Das spiele zwar den Befürwortern weiterer geldpoltischer Maßnahmen (QE3) in die Karten, drossele aber kurzfristig die Aussichten für die US-Konjunktur. Am Vortag war der deutsche Leitindex nach Zinssenkungen in Europa und China zunächst auf ein Hoch seit Anfang Mai bei fast 6.642 Punkten gesprungen, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten und der Dax schließlich ein Tagesminus von 0,45 Prozent einfuhr.
AUTOS SCHWACH
Aus Branchensicht fielen die Aktien der Autobauer mit überdurchschnittlichen Verlusten auf. Neben einem Absatzeinbruch des französischen Herstellers Peugeot belastete Händlern zufolge eine Abstufung von BMW durch die US-Bank Morgan Stanley. Zudem verbuchte der Münchener Autokonzern im Juni ein rückläufiges Absatzwachstum. Gewinnmitnahmen nach den vortags erzielten mehrwöchigen Kurshochs und eine vorsichtige Haltung der Anleger nach der Leitzinssenkung der EZB machten den Sektortiteln zusätzlich zu schaffen. BMW waren schwächster Dax-Wert mit einem Minus von 3,76 Prozent. Daimler verloren 2,67 Prozent und VW (Volkswagen vz) 0,93 Prozent.
SAP (SAP) fielen als zweitschlechtester Wert im Dax um 3,45 Prozent. Händler verwiesen auf schwache Zahlen des US-Wettbewerbers Informatica Corp . Dessen Aktien waren am Vorabend nach Börsenschluss um gut ein Viertel eingebrochen. Bei SAP rechnen Analysten in diesem Zusammenhang mit einer baldigen Vorveröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal. Dann dürfte eine an den Zukauf Ariba angepasste, neue Prognose für 2012 gegeben werden.
ADIDAS NACH GEWINNWARNUNG VON CHINESISCHEM WETTBEWERBER SCHWACH
Die Gewinnwarnung des chinesischen Konkurrenten Dongxiang hat die Adidas-Titel (adidas) um 2,35 Prozent abrutschen lassen. Ein Händler machte allerdings darauf aufmerksam, dass Dongxiang keine Adidas-Produkte vertreibe. Er geht zudem davon aus, dass Adidas keine Probleme mit zu hohen Lagerbeständen in China hat. Ganz oben im Leitindex rangierten Lufthansa (Deutsche Lufthansa) mit plus 1,84 Prozent nach einer Kursziel-Anhebung durch Morgan Stanley.
Im MDax standen Brenntag mit einem Minus von 3,56 Prozent auf 88,54 Euro im Anlegerfokus. Die Beteiligungsgesellschaft Brachem hat ihren Restanteil an dem Chemikalienhändler verkauft. Insgesamt wurden die 6,9 Millionen Anteilscheine zu 89 Euro platziert. WMF-Papiere (WMF Wuerttembergische Metallwarenfabrik) kletterten nach einem Kaufgebot des Finanzinvestors KKR für den Küchengerätehersteller um 22,71 Prozent. Dem WMF-Großaktionär Capvis und den übrigen Aktionären will KKR 47 Euro je Stammaktie zahlen. Die Vorzugsaktionäre sollen mindestens 31,70 Euro pro Anteilsschein erhalten./edh/gl
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---