FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutschen Aktienindizes sind am Montag ins Plus gedreht. Vor einer erwarteten weiteren Griechenland-Entscheidung hat es laut Händlern nach dem starken Jahresauftakt am deutschen Aktienmarkt zunächst Gewinnmitnahmen gegeben - dann schob die Hoffnung auf politische Erfolge bei der Bekämpfung der Krise die Indizes aber wieder ins Plus. Der Leitindex
Dax (
DAX) erreichte bis zum Mittag bei fast 6.440 Punkten den höchsten Kurs seit Anfang August und stand zuletzt 0,40 Prozent höher bei 6.429,83 Punkten. In der Vorwoche hatte der wichtigste deutsche Aktienindex bereits fast vier Prozent zugelegt und die fünfte Gewinnwoche in Folge hingelegt. Der
MDAX (
MDAX) kletterte zuletzt mit 0,40 Prozent ins Plus auf 9.836,38 Punkte, der
TecDax (
TecDAX) gewann 0,53 Prozent auf 749,18 Punkte.
Die festgefahrenen Verhandlungen um einen Schuldenschnitt Griechenlands belasteten den deutschen Aktienmarkt zum Wochenstart, sagte Marktstratege Gregor Kuhn von IG Markets. Börsenbriefautor Robert Rethfeld verweist als positives Indiz aber auf die aktuelle Erholung an der griechischen Börse, an denen der Leitindex ASE nach acht Plustagen in Folge zum Wochenauftakt weiter steigt: "Offenbar setzen genügend Investoren auf eine für Griechenland und seine Banken zufriedenstellende Einigung". Ein Händler begründete dann den Sprung am Mittag auch mit einem Bericht der "Financial Times Deutschland", dass sich die internationale Bankenvereinigung IIF und die griechische Regierung am Wochenende weitgehend auf eine Umschuldung geeinigt hätten. Zudem werde wohl wieder über eine Anrechnung der EFSF-Reserven auf den ESM gesprochen. Zudem soll die EZB italienische Anleihen kaufen, ergänzte ein Börsianer.
BANKEN FAVORISIERT
Banken zählten indes europaweit zu den Favoriten - der Stoxx Europe 600 Banks stellte mit plus 1,42 Prozent die stärkste Branche. Laut "Financial Times" planen Frankreich und Deutschland eine Erleichterung der Kapitalregeln, um eine Kreditklemme zu verhindern. Demnach sollen wichtige Elemente der Basel III-Regeln abgeschwächt und um drei Jahre verzögert werden. Ein Händler kommentierte, dass das Vorhaben nicht ganz neu sei, aber dennoch positiv wirke. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete zudem unter Berufung auf Gesetzesentwürfe, dass Banken sogenannte Asset Backed Securities in die liquiden Mittel einbeziehen dürften, die von Regulierungsbehörden eingefordert werden. Commerzbank gewannen an der Dax-Spitze 6,10 Prozent, Deutschen Bank (Deutsche Bank) legten 3,29 Prozent zu.
Versorger sind dagegen ans Dax-Ende gerutscht und drohen nachhaltig unter ihre seit Ende September markierten Zwischentiefs zurückzufallen. RWE-Aktien (RWE) büßten am Dax-Ende 2,51 Prozent auf 26,260 Euro ein, Eon verloren 1,54 Prozent auf 15,980 Euro und sind so billig wie seit Anfang Oktober nicht mehr. Die Analysten von Barclays sehen in einer Branchenstudie wachsenden Ergebnisdruck auf die deutschen Versorger wegen dem sich kontinuierlich ausweitenden Preisabstand zwischen Öl und Gas und auch den immer wieder nach oben überraschenden Neuinstallationen von Solaranlagen. Die "Underweight"-Empfehlung für die beiden wichtigsten börsennotierten deutschen Versorger bekräftigte Barclays.
ThyssenKrupp(ThyssenKrupp) erwägt indes eine Zusammenlegung der Edelstahlsparte Inoxum mit dem Geschäft des finnischen Wettbewerbers Outokumpu. Der Stahlkonzern prüft aber weiterhin alle Optionen für eine "Verselbständigung" von Inoxum, was als ein wesentlicher Baustein zur strategischen Weiterentwicklung von ThyssenKrupp angesehen wird. Die Aktie der Essener kletterte auf 21,275 Euro und macht ihren Dividendenabschlag von 0,45 Euro mehr als wett.
WINCOR NACH ZAHLEN MDAX-SPITZE
Wincor Nixdorf (Wincor Nixdorf) kletterten nach Zahlen mit plus 5,06 Prozent auf 36,770 Euro an die MDax-Spitze. Der Geldautomaten-und Kassensystemhersteller bekam zwar im ersten Geschäftsquartal das schwankende wirtschaftliche Umfeld und die unsichere Lage der Banken zu spüren und verdienten gut ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr. Analysten hatten aber mit diesem Rückgang beim Gewinn gerechnet und der Umsatz fiel sogar höher aus als erwartet. Analyst Thorsten Reigber von der DZ Bank sprach indes von "wenig inspirierenden Zahlen bei einem anhaltend schweren Geschäftsumfeld". Wincor Nixdorf hofft auf Besserung bei den Banken und "das Retailgeschäft hat sich bestens entwickelt", sagte Vorstandschef Eckard Heidloff der dpa-AFX.
Celesio verloren dagegen 1,48 Prozent auf 14,305 Euro. Händler verwiesen auf eine Abstufung durch Equinet, die Gewinnmitnahmen in dem zuletzt stark gestiegenen Titel auslösten. Equinet-Analyst Edouard Aubery stufte von "Buy" auf "Hold" ab, ließ das Kursziel aber auf 15,00 Euro. Er verwies auf die starke Aktienkursentwicklung des Pharmagroßhändlers in den vergangenen Monaten. Die Bewertung der Aktie sei zwar weiterhin attraktiv, er warte aber auf positive operative Impulsgeber. Am MDax-Ende stand das Immobilienunternehmens Gagfah mit minus 3,72 Prozent./fat/ag
--- Von Frederik Altmann, dpa-AFX ---