FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem mit Spannung erwarteten
US-Arbeitsmarktbericht hat der
Dax (
DAX) am Freitag seine Kursgewinne abgegeben und ist ins Minus gedreht. Auftrieb für den Leitindex durch eine stärker als erwartet gestiegene Beschäftigtenzahl ging damit schnell die Luft aus. So verlor das Kursbarometer am Nachmittag 0,22 Prozent auf 6.082,52 Punkte. Unmittelbar nach Veröffentlichung der Daten war der Dax noch bis auf 6.152 Punkte geklettert. Der
MDAX (
MDAX) lag derweil noch mit 0,39 Prozent im Plus bei 9.206,46 Punkten, während der
TecDax (
TecDAX) um 0,85 Prozent auf 713,22 Punkte zulegte.
Analyst Christoph Schmidt vom Asset Manager N.M.F. AG wertete den Arbeitsmarktbericht in einer ersten Reaktion auch nur "Neutral". Zwar hätten die neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft im Dezember in den USA die allgemeinen Analystenerwartungen übertroffen, das hätte nach den guten ADP-Daten vom Vortag aber auch nicht überrascht. Die optimistischere Flüsterschätzung mit einem Beschäftigungsplus von 200.000 bis 220.000 Stellen sei indes gerade so erreicht worden, sagte Schmidt. Bereits am Mittag war der Dax nach schwachen Daten zum Auftragseingang der deutschen Industrie ins Minus gedreht, konnte sich hiervon aber wieder erholen.
VERSORGER PROFITIEREN VON JPMORGAN-STUDIE
Im ansonsten nachrichtenarmen Handel gehörte die Dax-Spitze neben ThyssenKrupp den Aktien der Versorger Eon und RWE mit Zuwächsen von 1,47 Prozent und 1,09 Prozent. Börsianer verwiesen als Kursstütze auf eine Studie von JPMorgan. Hintergrund ist ein bereits zwei Wochen alter Pressebericht aus Russland, wonach der Gasproduzent Gazprom in seinem Budget für dieses Jahr sieben Milliarden Dollar für nachträgliche Zahlungen für Kunden aus Europa eingestellt hat. Dies sei am Markt bislang wohl übersehen worden, so die JPMorgan-Experten.
Bankentitel tendierten nach anfänglicher Erholung indes zuletzt uneinheitlich. Während die Commerzbank-Titel um 0,33 Prozent stiegen, büßten die der Deutschen Bank (Deutsche Bank) im Verlauf 0,34 Prozent ein. Einem Bericht im "Handelsblatt" zufolge gibt es in Brüssel erste Stimmen für eine Verschiebung der neuen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln für Banken. Dies hatten Händler positiv beurteilt, da der Sektor gerade wegen Sorgen um den erhöhten Finanzierungsbedarf zuletzt wieder unter Druck stand. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kommt der Branchenprimus zudem beim Verkauf von vier Sparten aus dem Kerngeschäftsfeld Vermögensverwaltung rasch voran. Ein Spartenverkauf würde mögliche Finanzsorgen bei der Deutschen Bank weiter abmildern.
ÜBERNAHMEFANTASIE TREIBT MORPHOSYS-PAPIERE AN
Im TecDax standen Morphosys (MorphoSys) klar im Fokus: Die Aktien des Biotechunternehmens sprangen mit plus 9,65 Prozent an die Index-Spitze. Händler verwiesen auf einen Artikel in der "Financial Times Deutschland", der Übernahmefantasie schüre. "In den kommenden Wochen steigen die Chancen, dass sich Novartis Gedanken über eine Übernahme macht", heißt es in der Zeitung. "Eine Übernahme von Morphosys durch Novartis halte ich in den kommenden zwei Jahren eher für unwahrscheinlich", sagte aber Commerzbank Analyst Daniel Wendorff der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Partnerschaft der beiden Unternehmen laufe noch bis 2017, so dass derzeit kein Handlungsdruck für die Schweizer bestehe./ag/la
--- Von Alexander Gibson, dpa-AFX ---