FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag nach einem schwächeren Start ins Plus gedreht. Der Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il und erneut schlechte Nachrichten aus der Eurozone hatten den
Dax (
DAX) zum Handelsstart noch belastet. Im Vormittagsverlauf entspannten sich die Marktteilnehmer zusehends, so dass der Leitindex bis zur Mittagszeit um 0,77 Prozent auf 5.745,50 Punkte zulegte. Der
MDAX (
MDAX) gewann 0,38 Prozent auf 8.563,58 Punkte, während der
TecDax (
TecDAX) 0,24 Prozent auf 661,56 Zähler verlor.
Die anfänglichen Verluste resultierten einem Händler zufolge aus einer Überreaktion des Marktes auf die Meldung vom Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il sowie auf den von der Ratingagentur Fitch gesenkten Ausblick für die französische Kreditwürdigkeit vom Freitagabend. Am Markt setzte sich aber zunehmend die Ansicht durch, dass nicht wirklich eine Machtlücke entsteht, da sein Il's Sohn Kim Jong Un vom Militär offenbar bereits akzeptiert wurde.
ANLEIHE-AUKTION IN FRANKREICH
Beim Thema Eurokrise sehen Marktbeobachter insbesondere Frankreich immer mehr ins Visier der Agenturen rücken. Und im kommenden Jahr drohe auch Deutschland seine Bestbewertung von "Amerikas Finanzauguren" zu verlieren, hieß es. Alle Augen richteten sich nun auf die für den Nachmittag angesetzte Auktion französischer Staatsanleihen, sagte Anita Paluch von Gekko Markets. Interessant sei vor allem, wie stark die Nachfrage nach der Fitch-Warnung ausfallen werde.
Die Kurserholung im Vormittagsverlauf wurde mit Portfoliobereinigungen und den Nachwirkungen des großen Verfalls an den Terminmärkten am Freitag begründet. Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, müssten in nun dem wieder freundlichen Markt nachkaufen, um ihre Gewinne zu sichern oder ihre Verluste zu begrenzen (Short-Eindeckungen). "Der DAX versucht sich immer noch an der Jahresend-Rally, um den Vermögensverwalter bessere Aktienkurse zu bescheren", sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank.
FROHE BOTSCHAFT HAT ES SCHWER
Allerdings werde dieser in früheren Jahren sehr oft zu beobachtende Trend durch die Gefahr von Länder- und Bankenabwertungen ebenso erschwert wie die offene Unsicherheit, ob und inwieweit der Rettungsschirm funktioniert. "In diesem Jahr hat es die Frohe Botschaft so schwer wie noch nie, um sich Gehör zu verschaffen. Man erwartet den Weihnachtsmann und wird permanent mit Knecht Rupprecht enttäuscht", fügte Halver hinzu.
Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) (Volkswagen vz) profitierten von erfreulichen Aussagen der Tochter Audi. Mit plus 2,43 Prozent auf 118,15 Euro setzten sie sich an die Spitze im Dax. Ein Händler verwies auf Aussagen von Audi-Vorstandschef Rupert Stadler, wonach der Premiumhersteller seine eigenen Absatz- und Umsatzerwartungen in diesem Jahr übertreffen wird und auch für 2012 mit Wachstum rechnet.
AIR BERLIN PROFITIEREN VON ANTEILSAUFSTOCKUNG DURCH ETIHAD
Absoluter Tagessieger waren indexübergreifend die Aktien von Air Berlin mit einem Plus von 9,31 Prozent auf 2,525 Euro. Sie reagierten damit positiv darauf, dass die Fluggesellschaft Etihad im großen Stil bei Air Berlin einsteigt. Im Zuge einer Kapitalerhöhung will das Staatsunternehmen aus dem arabischen Emirat Abu Dhabi seine Beteiligung an Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft auf 29,21 Prozent ausbauen.
Im MDax waren die Südzucker-Titel (Suedzucker) zweitbester Wert mit plus 3,12 Prozent auf 23,970 Euro. Die Papiere profitierten Händlern zufolge von einer Hochstufung und Kurszielerhöhung durch Goldman Sachs. Besser notierten nur noch Tui (TUI), die um 4,04 prozent auf 4,665 Euro zulegten. Schwächster Titeln im MDax waren die in den vergangenen Monaten gewinnträchtigen Aktien der SGL Group (SGL Carbon) Group (SGL Carbon) mit einem Minus von 2,46 Prozent auf 44,200 Euro. Der Finanzchef des Wiesbadener Karbonspezialisten, Jürgen Muth, rechnet nicht mit einer Komplettübernahme durch den Autobauer BMW und sieht die eigene Unabhängigkeit des Unternehmens eher gestärkt./edh/ck
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---