FRANKFURT (dpa-AFX) - Ob italienische Regierungskrise oder US-Haushaltsstreit - derzeit kann offenbar nichts die Dax-Rally (
DAX) bremsen. Nach einem schwächeren Start stieg der deutsche Leitindex am Dienstag auf ein neues Jahreshoch und stand zuletzt mit plus 0,59 Prozent bei 7.575,57 Punkten. Für Rückenwind sorgten eine gut gelaufene spanische Geldmarktauktion und die deutlich gestiegenen deutschen ZEW-Konjunkturerwartungen. Bereits am Vortag hatte der
Dax seine zwischenzeitlichen Verluste abschütteln können und moderat im Plus geschlossen. Für den
MDAX (
MDAX) ging es am Dienstag um 0,58 Prozent auf 11.967,08 Punkte hoch. Der
TecDax (
TecDAX) gewann 0,05 Prozent auf 832,16 Punkte.
"Die spanische Auktion ist gut verlaufen und die bislang übervorsichtigen Analysten scheinen gemäß ZEW-Index auch auf konjunkturelles Tauwetter umgeschaltet zu haben", kommentierte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank die Entwicklung. Daher sei weiter von einer Jahresend-Rally auszugehen. Händler Markus Huber von ETX Capital sprach von Anschlusskäufen, nachdem der Dax am Vortag trotz der Sorgen um Italien eine Kehrtwende geschafft habe. Zudem erhofften viele Experten zusätzliche Maßnahmen der US-Notenbank zur Stimulierung der Konjunktur.
THYSSENKRUPP DREHEN INS PLUS: 'STIMMUNGSTIEFPUNKT ERREICHT'
Auf Unternehmensseite stand ThyssenKrupp im Fokus. Die Aktien des Industrie- und Stahlkonzerns schüttelten die anfänglichen Verluste wegen Milliardenabschreibungen auf die Stahlwerke in Übersee und der Streichung der Dividende schnell ab: Mit einem Kurssprung von knapp sieben Prozent setzten sie sich an die Dax-Spitze. "Die Stimmung dürfte ihren Tiefpunkt nun wohl erreicht haben", schrieb Kepler-Analyst Rochus Brauneiser in einem Kommentar. Auch Alessandro Abate von JPMorgan sieht die letzten negativen Neuigkeiten nun aus dem Sack und rät, Schwächen zum Einstieg zu nutzen.
Für die Lufthansa-Titel (Deutsche Lufthansa) ging es nach der Beilegung eines Tarifstreits um mehr als ein Prozent hoch. Die Mitglieder der Kabinengewerkschaft Ufo votierten in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit für das Ergebnis der Schlichtung unter Bert Rürup. Auch seitens der Ölpreise gab es kaum Gegenwind: Nach fünf Verlusttagen legten die Notierungen zuletzt nur geringfügig zu. Dass der gekürzte Winterflugplan sich in den Passagierzahlen für den November niederschlug, bremste die Aktie nicht.
VW HÖHER NACH ABSATZZAHLEN - STUDIEN BEWEGEN POST UND TUI
Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) (Volkswagen vz) verteuerten sich ebenfalls um mehr als ein Prozent, nachdem der Autobauer im November erneut deutlich mehr Autos seiner Kernmarke Volkswagen Pkw auf die Straße gebracht hatte als vor einem Jahr. Die Aktien des TecDax-notierten Windanlagenbauer Nordex stiegen dank eines Auftrags aus Rumänien um fast drei Prozent.
Darüber hinaus bewegten Studien die Kurse. Die US-Bank JPMorgan stufte die Titel der Deutschen Post (Deutsche Post) ab und empfiehlt nun eine neutrale Gewichtung, was für Kursverluste von gut einem halben Prozent sorgte. Die ordentlichen Geschäftsaussichten des Logistikkonzerns seien mittlerweile angemessen bewertet, begründete Analyst Christopher Combe seinen Schritt. Im MDax ging es für Tui (TUI) um über anderthalb Prozent hoch - hier half eine Kurszielanhebung der Deutschen Bank. /gl/mis
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---