FRANKFURT (dpa-AFX) - Europäische Konjunkturdaten haben den deutschen Aktienmarkt am Dienstag erneut belastet. Nach einem positiven Handelsauftakt über der psychologisch wichtigen Marke von 6.000 Punkten drehte der deutsche Leitindex
Dax (
DAX) rasch ins Minus und verlor bis zum Mittag 0,83 Prozent auf 5.928,58 Punkte. Der
MDAX (
MDAX) sank um 0,52 Prozent auf 9.664,92 Punkte und der
TecDax gab 0,33 Prozent auf 711,56 Punkte nach.
Europäische Konjunkturdaten und die Verunsicherung vor der Griechenland-Wahl belasteten den Markt. Im Euroraum war die Wirtschaftsstimmung im Mai so schlecht wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex sank von 46,70 Punkten im Vormonat auf 46,00 Zähler. Zudem waren die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone im April überraschend stark gefallen. Insgesamt seien die Anleger verunsichert, sagte Marktanalyst Markus Kraus von GKFX Deutschland. Ein Grund dafür sei die näher rückende Wahl in Griechenland. Hinzu kämen die Sorgen um die spanische Sparkasse Bankia. Das Kreditinstitut benötige wohl mehr Kapital als angenommen, fügte Kraus hinzu. Zum Handelsstart hatten positive Vorgaben aus Übersee und hoffnungsvolle Signale von der anstehenden Telefonkonferenz der G7-Finanzminister den Markt noch gestützt, sagte Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets.
POST MUSS STEUERN NACHZAHLEN, LUFTHANSA IM MINUS
Die Papiere der Deutschen Post (Deutsche Post) gaben zuletzt zwar 0,20 Prozent nach, notierten damit aber deutlich besser als der Markt. Wegen einer Steuernachzahlung rechnet der Logistikkonzern zwar mit einer Belastung beim Gewinn vor Zinsen und Steuern von 180 Millionen Euro. Ein Analyst sah die "geringe Gewinnbelastung" aber gelassen. Die bestätigte Unternehmensprognose zeige, dass das operative Geschäft sehr solide laufe.
Die Aktien der Lufthansa (Deutsche Lufthansa) verloren 2,09 Prozent und waren damit einer der schwächsten Werte im Dax. Die australische Fluggesellschaft Qantas hatte zuvor angekündigt, dass ihr Gesamtjahresgewinn wegen Verlusten auf internationalen Strecken sowie hoher Treibstoffkosten um bis zu 91 Prozent sinken könnte. Zudem hatte Christoph Franz, der Chef der Fluggesellschaft, in einem Interview mit der "Börsenzeitung" gesagt, dass die großen Fluggesellschaften wegen der Konsolidierung der Branche noch größer werden. Das sei zwar kein unmittelbarer Kurstreiber, sollte aber als Hinweis betrachtet werden, dass die Lufthansa auch über Akquisitionen nachdenken werde, sagte ein Börsianer. Zu den größten Verlierern im Dax zählten Papiere der Deutschen Börse (Deutsche Boerse) und Eon. Der Versorger hatte zuvor mitgeteilt, dass bei einem ehemaligen Mitarbeiter im Handelsbuch "Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden seien. Diese Auffälligkeiten im Energiehandel belasten den größten deutschen Strom- und Gasversorger in Millionenhöhe.
HHLA ABGESTUFT
Die Analysten der Deutschen Bank stuften die Aktien des Hafenlogistikers HHLA (Hamburger Hafen und Logistik) von "Buy" auf "Hold" ab und senkten das Kursziel von 34,00 auf 19,00 Euro. Zuletzt verloren die Titel 0,72 Prozent. Spitzenreiter im Index mittelgroßer Wert waren die Papiere der Aareal Bank, die 1,37 Prozent stiegen.
JENOPTIK ENGT GEWINNPROGNOSE EIN
Entgegen dem Markttrend legten die Aktien des Solarunternehmens Centrotherm Photovoltaics (centrotherm photovoltaics) 7,82 Prozent zu, obwohl Experten mit einem Ausschluss aus dem TecDax rechnen. Direkt dahinter standen die Titel von Jenoptik (JENOPTIK)(JENOPTIK) mit plus 3,67 Prozent. Der Technologiekonzern hatte zuvor aufgrund weiterhin gut laufender Geschäfte die Spanne für seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr auf den oberen Bereich eingeengt. Evotec zogen nach einer Erfolgsprämie durch Boehringer Ingelheim um mehr als zwei Prozent an./mis/rum
--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---