FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einer erneuten Anleiheauktion in Italien hat der
Dax (
DAX) zum Wochenschluss mit angezogener Handbremse an sein jüngstes Kursplus angeknüpft. Infolge der als weniger souverän angesehenen Emission ließ er bis zum Freitagnachmittag zwar Teile seiner frühen Aufschläge liegen, verteidigte aber ein Plus von 0,42 Prozent auf 6.204,87 Punkte. Mit dem Kampf um die 6.200-Punkte-Marke steuert der Leitindex auf das vierte Wochenplus in Folge zu. Der
MDAX (
MDAX) gewann zeitgleich 0,02 Prozent auf 9.537,90 Punkte hinzu, und der
TecDax (
TecDAX) lag knapp mit 0,08 Prozent im Plus bei 722,66 Punkten.
Am Markt wurde die Italien-Auktion zwar als erfolgreich angesehen. Nach den starken Emissionen in Spanien und Italien vom Vortag habe sie aber die womöglich etwas zu hoch gesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen können. "Im kurzen Laufzeitbereich ist die zu zahlende Rendite deutlich gesunken, was positiv zu werten ist", sagte HSH-Nordbank-Expertin Sintje Boie. In den längeren Laufzeiten seien die Renditen hingegen leicht gestiegen. Zahlen von JPMorgan (JPMorgan ChaseCo) fielen am Mittag überwiegend wie erwartet aus. Daher konnte die US-Bank dem Markt keine positiven Impulse geben. Später stehen dann noch Wirtschaftsdaten aus den USA im Blickfeld.
FINANZWERTE WIEDER VORNE DABEI
Die Spitze im Dax nahmen die europaweit sehr festen Bankenwerte ein. "Ebbt die Krise der Staatsanleihemärkte ab, ebbt auch die Bankenkrise ab", sagte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank vor diesem Hintergrund. Laut Händlern profitieren sie dabei aber auch etwas von einem Bericht des "Handelsblatts". Dem zufolge will die Europäische Bankenaufsicht EBA ihren üblicherweise im Juli veröffentlichten jährlichen Stresstest verschieben will, um den Banken mehr Zeit zu geben, ihre Kapitallücken zu schließen. Die Titel der Deutschen Bank (Deutsche Bank) legten im Zuge dessen um knapp 3,5 Prozent zu und die der Aareal Bank stiegen im MDax um gut 4,5 Prozent.
Die Commerzbank-Aktien (Commerzbank) toppten dies an der Dax-Spitze mit plus 4,73 Prozent auf 1,438 Euro. Sie verzeichneten somit den vierten Tag in Folge mit deutlichen Kursgewinnen. Bei der Bank dürfte sich laut Händlern zudem noch ein weiterer Bericht des "Handelsblatts" bemerkbar machen, wonach das Konzept von Bankchef Martin Blessing beim Stopfen der Kapitallücke allein auf "Marktlösungen" beruhe. Zum größten Dax-Verlierer wurden dagegen am Nachmittag die Lufthansa-Aktien (Deutsche Lufthansa) durchgereicht. Sie rutschten nach Aussagen zum Ausblick in kürzester Zeit um 2,55 Prozent ab.
SMA VERZICHTET AUF AUSBLICK - Aktie LEIDET
Im MDax gaben Brenntag am Indexende rund 3 Prozent ab. Laut Händlern leidet die Aktie unter einem "Handelsblatt"-Bericht zum Skandal um Silikon-Implantate, wonach dem Chemiehändler wegen der Lieferung von Industrie-Silikon Schadensersatzforderungen in mehrstelliger Millionenhöhe drohen. Das Unternehmen bezeichnete den Vorwurf indes als unbegründet. Rhön-Klinikum dagegen stiegen um 2,31 Prozent. Medienberichten zufolge ist der Klinikbetreiber der Favorit für den Erwerb von 49 Prozent an den Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken.
Am TecDax-Ende sackten SMA Solar (SMA Solar Technology) nach vorläufigen Zahlen um etwas mehr als 8 Prozent auf 49,39 Euro ab. Wie der Wechselrichter-Hersteller zuvor mitgeteilt hatte, könne er keine verlässliche Prognose für den Weltmarkt abgeben und daher auch nichts über die weitere eigene Umsatz- und Gewinnentwicklung sagen. Die Zahlen nannte ein Händler "bestenfalls in-line". Der Ausblick aber Sorge für Unsicherheit./tih/gl
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---