FRANKFURT (dpa-AFX) - Der anfangs richtungslose deutsche Aktienmarkt hat am Freitag seine Aufwärtstendenz fortgesetzt. Börsianer verwiesen auf die weiter gute Stimmung am Aktienmarkt, die Hoffnung auf eine Lösung in Griechenland und die positive Charttechnik. Bis zum Mittag stieg der
Dax (
DAX), der zum Auftakt unter Gewinnmitnahmen gelitten hatte, um 0,33 Prozent auf 6.561,18 Euro. Der Leitindex erreichte so erneut einen Höchststand seit Anfang August. Auch auf Wochensicht dürfte er damit einmal mehr deutlich zulegen, es wäre die sechste Gewinnwoche in Folge. Der
MDAX (
MDAX) mittelgroßer Werte stieg am Freitag um 0,40 Prozent auf 10.014,82 Punkte und der
TecDax rückte um 0,19 Prozent auf 747,20 Punkte vor.
"Da auch die laufende Quartalssaison bislang ohne größere Tiefschläge über die Bühne geht, spricht kurzfristig wenig für einen größeren Rückschlag oder gar eine erneute Trendwende", schrieb Analyst Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Sein Kollege Manfred Jaisfeld von der National-Bank ist mit Blick auf die Charttechnik ebenfalls optimistisch: "Der Dax hat mit dem gestrigen Schlusskurs eine wichtige Widerstandszone durchschritten und so das Fundament für zunächst weiter steigende Kurse gelegt." Ein anderer Marktteilnehmer verwies zudem auf die starken Kursgewinne griechischer Banken, die die Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen mit Griechenland über einen Schuldenschnitt zeigten. Am Nachmittag könnten weitere Impulse aus den USA beispielsweise von Chevron-Zahlen (Chevron) und dem Verbrauchervertrauen der Uni Michigan kommen.
STAHLWERTE SCHWÄCHER: GEWINNMITNAHMEN, NIPPON STEEL
Die Papiere der Stahlkonzerne gehörten wegen Gewinnmitnahmen und schwachen Vorgaben aus Asien zu den Verlierern am deutschen Aktienmarkt. Börsianer verwiesen auf schwache Zahlen von Nippon Steel. Am besten hielten sich noch ThyssenKrupp mit Verlusten von 0,36 Prozent auf 22,055 Euro - hier stützten Presseberichte über die Zukunft des Edelstahlgeschäfts, das an den finnischen Konkurrenten Outokumpu verkauft werden soll. Im MDax gaben Salzgitter 0,54 Prozent ab und Klöckner & Co (KlöCo) (KloecknerCo) verloren 1,43 Prozent.
Die Aktien der Energiekonzerne Eon und RWE gehörten indes mit Kursgewinnen von 1,86 und 2,09 Prozent zu den Favoriten der Anleger. "Der Sektor war bereits am Vorabend in Amerika und Europa sehr stark", sagte ein Händler. "Es ist gerade eine Rotation aus den zuletzt sehr starken Finanzwerten heraus und rein in die vernachlässigten Versorger zu beobachten." Ein weiterer Börsianer verwies auf eine positive RWE-Studie von Cheuvreux vom Vortag.
EADS FEST - ZUKAUFSPLÄNE, FÜHRUNGSWECHSEL, STUDIE
Die Aktien von K+S stiegen nach positiven Nachrichten um 0,28 Prozent. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, dem zufolge eine Tochtergesellschaft des Salz- und Düngemittelherstellers in Chile erstmals Salz nach China verschifft hat. Das Kasseler Unternehmen könnte zu einem Lieferanten für die chinesische Chemieindustrie werden, heißt es weiter. Dies sei positiv für die Wahrnehmung der Aktie, sagte ein Börsianer. Am Vortag hatten die Papiere etwas unter schwachen Zahlen des Konkurrenten Potash gelitten. Commerzbank-Analyst Lutz Grüten nahm diese zum Anlass, sein Votum sowie das Kursziel für die K+S-Aktie nach unten zu revidieren.
Für die Anteilsscheine von EADS ging es um 1,86 Prozent auf 25,950 Euro hoch. Der Luft- und Raumfahrtkonzern kann eigenen Aussagen zufolge dank eines üppigen Finanzpolsters über Zukäufe nachdenken. Der Führungswechsel ist laut Analyst Stephan Böhm von der Commerzbank keine Überraschung. Derweil stufte Exane BNP Paribas die Titel gleich um zwei Stufen hoch und erwartet nun eine überdurchschnittliche Kursentwicklung.
ADVA LEIDEN UNTER JUNIPER-AUSBLICK
Im TecDax sanken die Aktien von Adva Optical Networking (ADVA) um 1,31 Prozent. Als Belastungsfaktor für die Titel des Glasfaserkabel-Spezialisten sahen Händler den enttäuschenden Ausblick für das erste Geschäftsquartal, den der Netzwerkausrüster Juniper Networks am Vortag nach Börsenschluss vorgelegt hatte. Dessen Aktien hatten daraufhin nachbörslich acht Prozent an Wert eingebüßt./gl/ag
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---