FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag dank neuer Hoffnungen auf eine Einigung in Griechenland und guter US-Auftragsdaten seine frühen Gewinne ausgebaut. Der
Dax (
DAX), der bereits zuvor von der Fortsetzung der US-Nullzinspolitik und dem überraschend aufgehellten Konsumklima in Deutschland profitiert hatte, stieg bis zum Nachmittag um 1,71 Prozent auf 6.531,41 Punkte. Damit notierte der Leitindex auf dem höchsten Stand seit August. Für den
MDAX (
MDAX) der mittelgroßen Werte ging es um 1,81 Prozent auf 10.002,80 Punkte hoch, womit er - ebenfalls erstmals seit August - wieder die 10.000-Punkte-Marke übersprang. Der Technologiewerte-Index
TecDax (
TecDAX) gewann 1,01 Prozent auf 746,79 Punkte.
Griechenland und seine privaten Geldgeber arbeiten weiter mit Hochdruck an einer Kompromisslösung zum geplanten Schuldenschnitt für das pleitebedrohte Land. Der Chef des Internationalen Bankenverbandes (IIF), Charles Dallara, soll am Donnerstagabend mit Regierungschef Lucas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos zusammentreffen. Athen sei optimistisch, dass die Gespräche über den Schuldenschnitt bis zum Wochenende oder spätestens Anfang kommender Woche abgeschlossen werden können, hieß es seitens des Finanzministeriums.
Von Händlern hieß es, ein Bericht über eine baldige Lösung habe dem Markt weiteren Schub gegeben. Auch begünstige die Strategie der Fed zunächst einmal das wirtschaftliche Wachstum und risikobehaftete Anlagen wie Aktien. Zudem sprängen die Börsenampeln derzeit charttechnisch auf grün, auch wenn angesichts der bleibenden politischen Unsicherheit in der Eurozone ein plötzlicher Rückschlag nicht auszuschließen sei. Ein Schluss über 6.500 Punkten würde den Dax nachhaltig über einen wichtigen Widerstand schieben und damit neuen Raum nach oben schaffen.
DEUTSCHE Börse +5% - 'EIGENSTÄNDIG ERFOLGREICHER'
Die Aktien der Deutschen Börse zeigten sich vom drohenden Scheitern der Fusionspläne wenig beeindruckt und gewannen an der Dax-Spitze 4,62 Prozent auf 45,555 Euro. Händler verwiesen darauf, dass sich am Markt die Meinung durchsetze, die Deutsche Börse werde eigenständig erfolgreicher sein als in einem Verbund mit dem US-Wettbewerber NYSE Euronext (NYSE Group) . Die Stahlwerte gehörten ebenfalls zu den größten Gewinnern. Ein Händler verwies darauf, dass der europäische Stahlsektor dank weiter steigender US-Stahlpreise zu den Favoriten der Anleger gehöre. Die ThyssenKrupp-Papiere (ThyssenKrupp) stiegen um 4,53 Prozent auf 22,135 Euro und Salzgitter verteuerten sich im MDax um 6,41 Prozent auf 48,500 Euro.
Die Commerzbank-Papiere (Commerzbank) profitierten marktkonform von den Fed-Aussagen und stiegen um 1,42 Prozent auf 1,922 Euro. Die Aktien von MAN legten nach starken Quartalszahlen des US-Baumaschinenherstellers Caterpillar um 3,45 Prozent auf 82,46 Euro zu. Für die Lufthansa-Titel (Deutsche Lufthansa) ging es nach einer Hochstufung der japanischen Großbank Nomura um 4,25 Prozent hoch. Die Aktien des Salz- und Düngemittelherstellers K+S gaben indes im Kielwasser schwacher Zahlen des Konkurrenten Potash 0,64 Prozent ab. Bei Deutz (DEUTZ) sorgten Übernahmehoffnungen für Kursgewinne von 8,58 Prozent, womit die Titel den Spitzenplatz im MDax belegten. Die Anteilsscheine von Wacker Chemie büßten indes 1,44 Prozent auf 66,30 Euro ein. Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern enttäuschte laut Börsianern mit seinen Zahlen für das Schlussquartal.
NORDEX FEST - 'NEGATIVE NEWS ZU US-MARKT NICHT NEU'
Im TecDax gewannen die Nordex-Titel (Nordex) ungeachtet negativer Nachrichten 1,71 Prozent an Wert. Händler verwiesen auf einen Artikel in der "Financial Times Deutschland" (FTD), dem zufolge der Windkraftenergie der Zusammenbruch ihres US-Marktes droht. So rechne der Chef der Energiesparte des US-Konzerns General Electric (GE) , Steve Bolze, nach einem kurzen Boom 2012 im kommenden Jahr mit einem "dramatischen Einbruch", da Ende des Jahres eine entscheidende Subvention ausläuft. Mit einer Verlängerung rechnet in der Branche dem Bericht zufolge kaum jemand. Diese Nachrichten seien zwar nicht positiv für Nordex, angesichts von Präsident Obamas Energiepolitik aber auch "keine wirkliche Überraschung", meinte ein Händler./gl/tih
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---