FRANKFURT (dpa-AFX) - Gerüchte über eine baldige Einigung auf einen Schuldenschnitt für Griechenland haben den
Dax (
DAX) zum Monatsauftakt am Mittwoch auf ein neues Hoch seit August getrieben. Zusätzlich gestützt von freundlichen Vorgaben und gut aufgenommenen Wirtschaftsdaten aus China kletterte der Leitindex zur Mittagszeit um 1,92 Prozent auf 6.583,05 Punkte. Den Januar hatte das Kursbarometer mit einem Aufschlag von mehr als 9 Prozent beendet und damit den besten Jahresauftakt seit 15 Jahren hingelegt. Der
MDAX (
MDAX) stieg am Mittag um 1,82 Prozent auf 10.097,53 Punkte und kehrte damit über die Marke von 10.000 Punkten zurück. Der
TecDax (
TecDAX) gewann 1,04 Prozent auf 751,56 Punkte.
"Es gibt erneut Gerüchte, dass sich Griechenland mit privaten Schuldnern auf einen Schuldenschnitt geeinigt hat", sagte ein Börsianer. Die Renditen von Staatsanleihen südeuropäischer Länder ließen daraufhin deutlich nach und auch der Euro tendierte aufgrund der Spekulationen positiv. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfahren hat, soll Banken eine Abschreibung von möglicherweise mehr als 70 Prozent mit einer Nachbesserung bei einer Konjunkturerholung des hoch verschuldeten Landes schmackhaft gemacht werden.
INFINEON IM DAX VORNE DABEI
Infineon-Papiere (Infineon Technologies) kletterten an der Dax-Spitze um 5,03 Prozent auf 7,327 Euro. Der Chipkonzern hat im ersten Geschäftsquartal angesichts einer schwächeren Nachfrage vor allem im Industriegeschäft weniger Geld verdient. Dennoch sieht Konzernchef Peter Bauer den Dax-Konzern weiter auf einem guten Weg. "Infineon ist trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds weiterhin sehr profitabel", sagte Bauer. Schwung gab der Aktie auch eine Aufstockung des Kursziels durch Cheuvreux. Im zweiten Quartal bestehe Aussicht auf einen Wendepunkt für die ganze Branche, so die Experten.
Turbulent ging es bei den Papieren der Deutschen Börse zu, nachdem die EU die Fusion des deutschen Börsenbetreibers mit der NYSE Euronext (NYSE Group) wie erwartet gestoppt hat. Zuvor noch freundlich, rutschten sie nach der Verkündung kurz ins Minus ab, lagen zuletzt aber wieder mit 1,01 Prozent im Plus bei 45,455 Euro. Zuletzt hatten Analysten bereits mehrheitlich damit gerechnet und teils die Vorzüge der Eigenständigkeit betont. "Entsprechend könnte man sogar von 'sell on good news' sprechen", sagte ein Börsianer.
BANKEN GEFRAGT - RWE WEITER FEST
Bankenwerte profitierten von der marktbreit kursbewegenden Griechenland-Hoffnung: Commerzbank-Aktien (Commerzbank) kletterten um 3,01 Prozent auf 1,884 Euro und Titel der Deutschen Bank (Deutsche Bank) rückten um 2,64 Prozent vor. RWE-Anteile (RWE) knüpften mit plus 3,32 Prozent an ihre Serie von zuletzt sechs positiven Handelstagen an. Die US-Bank Morgan Stanley hat die jüngst erst hochgestuften Versorgertitel auf ihre "Best Ideas List" aufgenommen. Im MDax verhalfen Analysten den Titeln von Brenntag und Kuka um 2,73 Prozent und 4,26 Prozent nach oben. Für beide Werte erhöhten zahlreiche Experten die Kursziele.
Im TecDax konnten Qiagen (QIAGEN) nicht von vorgelegten Zahlen profitieren: Sie büßten als Schlusslicht 3,05 Prozent ein. Analyst Michael Bissinger von der DZ Bank sprach zwar von einem starken vierten Quartal, betonte aber zugleich, dass der Ausblick leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Jenoptik-Aktien (JENOPTIK) tendierten indes nach Jahreszahlen nur wenig verändert. Laut einem Händler waren die "guten Zahlen" schon vorweg genommen worden./tih/rum
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---