FRANKFURT (dpa-AFX) - Zurückkehrender Optimismus zur Euro-Schuldenkrise und ein starker Start in das US-Weihnachtsgeschäft haben dem deutschen Aktienmarkt am Montag eine kräftige Erholung beschert. Im zuletzt überverkauften Marktumfeld habe dieser neue Optimismus eine kräftige Gegenbewegung ausgelöst, sagte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank. Der
Dax knüpfte an seine am Freitag begonnene Erholung an, nachdem er zuvor an neun Verlusttagen in Folge bis zu 12 Prozent verloren hatte. Bis zum Nachmittag kletterte der Leitindex (
DAX) mit 3,79 Prozent ins Plus auf 5.700,95 Punkte. Der
MDAX (
MDAX) gewann 3,31 Prozent auf 8.521,15 Punkte und der
TecDax (
TecDAX) stieg um 2,76 Prozent auf 671,48 Punkte.
"Es herrscht die vage Hoffnung, dass die Eurozone im Laufe der Woche Fortschritte erzielen könnte", sagte Jasper am Montag. Die Entspannung zeigt sich in rückläufigen Renditen auf italienische, spanische und französische Anleihen. Am Dienstag treffen sich die Euro-Finanzminister in Brüssel mit dem Ziel, die Weichen für den Einsatz des Krisenfonds EFSF als Anleiheversicherer zu stellen. Laut Jasper ist aber auch das in den USA angelaufene Weihnachtsgeschäft sehr positiv aufgenommen worden. Der Nationale Einzelhandelsverband (NRF) sprach von einem historischen Wochenende, das ein vielsprechendes Zeichen für die wirtschaftliche Erholung in den USA sei. Der "Black Friday" genannte Tag nach Thanksgiving zählt im Einzelhandel der USA traditionell zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres und gibt des Startschuss für die Weihnachtseinkäufe.
FINANZWERTE IM DAX VORNE
Kräftige Gewinne gab es europaweit im Finanzsektor. Titel der Deutschen Bank (Deutsche Bank) zogen an der Dax-Spitze um 7,58 Prozent auf 26,68 Euro an, dich gefolgt von den 7,16 Prozent festeren Allianz-Aktien (Allianz). Commerzbank stiegen um 6,12 Prozent auf 1,335 Euro und knüpften so an ihre bereits drei Tage andauernde Erholungsbewegung an. Presseberichten zufolge erwägt das Bankhaus erneut den Ankauf von eigenen Anleihen, um die Kapitalseite zu entlasten. Im MDax kletterten die Anteile der Aareal Bank um 6,65 Prozent.
Ferner sprangen im Dax die MAN-Titel (MAN) um 5,18 Prozent auf 58,87 Euro nach oben. Sie reagierten damit auf einen Befreiungsschlag bei Ferrostaal: Der Nutzfahrzeugbauer kauft vom Haupteigner IPIC alle Anteile an der von einer Schmiergeldaffäre erschütterten Ex-Tochter zurück. Diese sollen dann aber unmittelbar in die Hände eines Finanzinvestors übergehen. Laut Börsianern wird damit der Weg frei für eine mögliche Übernahme durch VW (Volkswagen vz). Die Aktien des Wolfsburger Autobauers stiegen in einem insgesamt sehr festen Autosektor um rund 5,5 Prozent.
TUI WEGEN FORTSCHRITTEN VON THOMAS COOK GEFRAGT
Im MDax waren die Aktien von Tui (TUI) der größte Gewinner. Sie profitierten mit plus 9,51 Prozent auf 3,721 Euro davon, dass der angeschlagene Reiseveranstalter Thomas Cook seine Finanzierungslücke mit neuen Krediten gestopft hat. Von den Finanzproblemen des Konkurrenten waren zuletzt auch die Tui-Aktien in Mitleidenschaft gezogen worden. Aktien von Thomas Cook erholten sich daraufhin in London um rund 20 Prozent von ihrem jüngsten Kurseinbruch.
Papiere von Heidelberger Druck (Heidelberger Druckmaschinen) gehörten indes zu den wenigen Verlierern in den drei großen Indizes. Sie fielen im MDax um 1,52 Prozent auf 1,426 Euro, nachdem sie zuletzt noch von der angekündigten Insolvenz des Konkurrenten Manroland profitiert hatten. In den vergangenen beiden Handelstagen war es für die Anteile des Druckmaschinenherstellers in der Spitze um fast ein Viertel nach oben gegangen. Verluste gab es darüber hinaus nur bei einigen Aktien aus dem defensiven Gesundheitssektor. Fresenius (Fresenius SECo) und Fresenius Medical Care waren mit Einbußen von jeweils rund 1,2 Prozent die einzigen Dax-Verlierer./tih/fat
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---