FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach drei Handelstagen mit teils kräftigen Gewinnen hat der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch nachgegeben. Auslöser sei die Herabstufung der Kreditwürdigkeit zahlreicher Banken in den USA und Europa durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gewesen, sagte ein Händler. Der deutsche Leitindex fiel bis zur Mittagszeit um 0,53 Prozent auf 5.769,41 Punkte und reduzierte damit seine morgendlichen Verluste. Der
MDAX (
MDAX) gab um 0,50 Prozent auf 8.569,06 Punkte nach. Der
TecDax (
TecDAX) verlor 0,32 Prozent auf 682,59 Punkte.
"Wir sehen weiterhin politische Börsen. In den aktuellen Kursen schwingt nun wieder etwas die Hoffnung, dass es der Politik gelingt, doch noch eine nachhaltige Lösung für die Schuldenkrise zu finden", sagte Marktanalyst Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse. Zudem seien gute Arbeitsmarktdaten aus Deutschland veröffentlicht worden und bei der Inflation in der Eurozone habe es keine negativen Überraschungen gegeben. Die Nervosität der Marktteilnehmer sei aber nach wie vor sehr hoch, was sich auch bis zum kommenden EU-Sondergipfel Ende der nächsten Woche nicht ändern dürfte.
DEUTSCHE BANK SCHWACH - S&P SENKT AUSBLICK
Dass die Bewertung zahlreicher Banken verändert worden sei, habe technische Gründe gehabt, hatte die US-Ratingagentur S&P am Vorabend mitgeteilt. Der Schritt sei eine Folge der bereits bekanntgegebenen Einführung neuer Bewertungskriterien. Nichtsdestotrotz zählten die Titel deutscher Banken zu den größeren Verlierern im Dax. Die Aktien der Deutschen Bank (Deutsche Bank), deren Kreditwürdigkeitsausblick S&P von "stabil" auf "negativ" gesenkt hatte, gaben um 1,00 Prozent auf 26,68 Euro nach. Das Commerzbank-Rating (Commerzbank) blieb unverändert mit negativem Ausblick. Die Aktien verloren 1,42 Prozent auf 1,315 Euro. Auch die Titel der Aareal Bank im MDax wurden in Mitleidenschaft gezogen: Sie sanken um 2,10 Prozent.
Den letzten Platz im Dax nahm das Papier von K+S nach einer negativen Studie von Merrill Lynch ein. Es verlor 2,15 Prozent auf 38,61 Euro. Die US-Investmentbank senkte das Kursziel nach Details über das Legacy-Projekt von 39,00 auf 37,00 Euro und beließ die Einstufung auf "Underperform".
GSW IM PLUS - 'UNSPEKTAKULÄRE ZAHLEN'
Die Titel von GSW Immobilien drehten nach einem leicht schwächeren Start ins Plus und gewannen 0,42 Prozent auf 22,695 Euro. Das Immobilienunternehmen hatte laut Händlern "unspektakulären Neunmonatszahlen" vorgelegt. Nach einem Gewinnsprung in den ersten neun Monaten bekräftigte GSW seine Prognose für das Gesamtjahr. Commerzbank-Analyst Thomas Rothäusler senkte im Anschluss sein Anlageurteil für die Aktien von "Buy" auf "Add", hob aber zugleich das Kursziel von 24,00 auf 26,00 Euro an.
Solarwerte wie Q-Cells und Solarworld (SolarWorld) litten darunter, dass die Fraktionschefs der schwarz-gelben Koalition Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) aufgefordert haben, die Solarförderung in Deutschland drastisch einzuschränken. Zwar sei das bereits kurz vor Börsenschluss am Vortag bekannt geworden, doch sollten die geforderten Einschnitte umgesetzt werden, bedeute das eine drastische Kürzung der deutschen Solarförderung um mehr als 70 Prozent, sagte ein Händler. Solarworld gaben als schwächster TecDax-Wert um 3,29 Prozent nach, während Q-Cells 1,82 Prozent verloren./ck/la
--- Von Claudia Kahlmeier, dpa-AFX ---