FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat nach seinem Kursrutsch zum Wochenauftakt am Dienstag keine klare Richtung gefunden. Experten sehen die neuen politischen Sorgen in der Eurozone als Belastungsfaktor. Gegen Mittag stand der
Dax (
DAX) 0,03 Prozent höher bei 7.640,57 Punkten. Nachdem der Leitindex wegen der Sorgen über die politische Entwicklung in Spanien und Italien am Montag knapp zweieinhalb Prozent abgegeben hatte, steht nun nur noch ein bescheidenes Jahresplus von 0,37 Prozent zu Buche. Für den
MDAX (
MDAX) ging es am Dienstag um 0,04 Prozent auf 12.565,81 Punkte hoch, während der
TecDax (
TecDAX) 0,57 Prozent auf 868,05 Punkte einbüßte.
Mit den Korruptionsvorwürfen gegen die spanische Regierung und den guten Umfragewerten für Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi "sorgen gleich zwei große Euro-Länder für politische Verunsicherung", kommentierte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank das Börsengeschehen. Bis zur italienischen Parlamentswahl Ende Februar werde die Stimmung vermutlich verhalten und die Märkte auf die Europäische Zentralbank (EZB) angewiesen bleiben. In zwei Tagen steht der Zinsentscheid der Währungshüter auf der Agenda. Am heutigen Dienstag konzentrierten sich die Anleger auf einige Unternehmenszahlen und europäische Einkaufsmanagerdaten. Am Nachmittag könnte noch der ISM-Index aus den USA für Impulse sorgen.
STARKE ZAHLEN BEFLÜGELN MUNICH RE
Bei der Munich Re (Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft) sorgte die Zahlenvorlage für ein Kursplus von fast zweieinhalb Prozent, womit die Aktien unengefochtener Spitzenreiter im Dax waren. Der Rückversicherer erzielte trotz immenser Schäden durch Hurrikan "Sandy" im abgelaufenen Jahr einen überraschend hohen Milliardengewinn und hob die Dividende an. Analyst Thorsten Wenzel von der DZ Bank schrieb, die guten Geschäftsergebnisse im Schlussquartal schienen auf die überraschend umfangreiche Auflösung von Rückstellungen zurückzugehen. Zudem habe Munich Re die Dividenden noch deutlicher als von ihm erwartet erhöht, was ein klares Signal für das Vertrauen in die eigene Kapitalbasis und die künftige Gewinnentwicklung sei.
Die Commerzbank-Titel (Commerzbank) hingegen, die schon am Montag unter schwachen Zahlen gelitten hatten, büßten am Indexende weitere 1,58 Prozent ein. Analysten äußerten sich negativ zu den Zahlen, die Dirk Becker von Kepler als "Gewinnwarnung für das vierte Quartal" wertete.
Im MDax stiegen die Aktien von Kuka um mehr als ein halbes Prozent. Der Roboter- und Anlagenbauer hatte nach einem überraschend starken Schlussquartal seine Jahresziele übertroffen und neue Bestwerte aufgestellt. Von Händlern hieß es, Kuka habe mit seinen Zahlen über den Konsensschätzungen gelegen. Da die Analysten aber schon auf einen guten Geschäftsbericht gehofft hätten, könnten die Aktien später noch unter Gewinnmitnahmen leiden. Die Symrise-Papiere (Symrise) legten nach guten Zahlen des Wettbewerbers Givaudan um über ein Prozent zu. Der Schweizer Hersteller von Aromen und Duftstoffen habe im abgelaufenen Jahr die Markterwartungen übertroffen, sagte ein Händler. Dies steigert laut DZ-Bank-Analyst Thomas Maul die Hoffnung, dass auch Symrise die Erwartungen bei der Zahlenvorlage am 12. März übertreffen kann./gl/rum
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---