FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach negativen Nachrichten zu Griechenland und zum Bankensektor ist der deutsche Aktienmarkt vor dem Wochenende weiter ins Minus gerutscht. Am Donnerstagabend hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands abgestuft. Zudem senkte Konkurrent Moody's nach seinem jüngsten Rundumschlag gegen italienische Banken auch die Bonität von 16 spanischen Banken. Der
Dax (
DAX) gab am Freitagmittag noch um 0,29 Prozent auf 6.290,77 Punkte nach und markierte den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Damit droht dem deutschen Leitindex der fünfte Verlusttag in Folge und ein Wochenminus von knapp viereinhalb Prozent. Seine Anfangsverluste konnte der Dax allerdings eindämmen. Der
MDAX (
MDAX) der mittelgroßen Werte büßte am Freitag 1,25 Prozent auf 10.078,10 Punkte ein und der Technologiewerte-Index
TecDax (
TecDAX) fiel um 0,89 Prozent auf 748,08 Punkte zurück.
Analyst Gregor Kuhn von IG Markts sieht den Dax angesichts negativer Impulse aus Politik und Wirtschaft "in der Bredouille". Zu den anstehenden Neuwahlen in Griechenland, die eine Stärkung der reformunwilligen Linksradikalen bringen dürften, kämen die Nachrichten von Fitch und Moody's. Zuletzt enttäuschende US-Konjunkturdaten komplettierten das negative Bild. Mangels Unternehmens- und Konjunkturnachrichten dürfte der Börsengang von Facebook am Nachmittag in New York zu einem der Hauptthemen des Tages werden.
BANKEN ERHOLEN SICH - AUTOS WEITER UNTER DRUCK
Bei den Bankentiteln sorgten die Moody's-Aussagen nur anfangs für Verluste. Die Aktien der Deutschen Bank (Deutsche Bank) drehten deutlich ins Plus und gehörten mit Kursgewinnen von 1,25 Prozent auf 28,845 Euro zu den Favoriten der Anleger im Dax. Auch die Commerzbank-Papiere (Commerzbank) hielten sich mit plus 0,07 Prozent vergleichsweise gut. Selbst die im Eurostoxx 50 (EuroSTOXX 50) gelisteten Papiere der spanischen Häuser BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) und Santander (Banco Santander Central Hispano) legten deutlich zu. Am Markt wurde von einer leichten Erholung der schwer angeschlagenen Werte gesprochen, die in jüngster Zeit vor allem unter der hohen Unsicherheit über Griechenland und ein mögliches Ausscheiden aus der Eurozone gelitten hatten.
Die Autowerte blieben hingegen unter Druck. Börsianer führten dies auf Berichte zurück, wonach chinesische Autohändler zunehmend mit hohen Lagerbeständen unverkaufter Autos und einem entsprechenden Preisdruck zu kämpfen haben. BMW gaben um 1,34 Prozent auf 61,89 Euro nach und die Volkswagen-Vorzüge (Volkswagen vz) verloren 1,30 Prozent. Für Daimler ging es um 1,24 Prozent nach unten. Dagegen zeigten sich die Aktien von HeidelbergCement mit einem Minus von 0,31 Prozent im Mittelfeld. Händler verwiesen auf eine Studie als Unterstützung. Demnach soll die Citigroup die Aktien zum Kauf empfehlen. Allein im Mai hat die Aktie des Baustoffkonzerns bislang mehr als 14 Prozent an Wert eingebüßt.
US-STRAFZÖLLE GEGEN CHINA HELFEN SOLARWERTEN
Die Aktien der Solarunternehmen profitierten von hohen Strafzöllen, die die USA wegen Preisdumpings gegen chinesische Solarimporte verhängten. Die Aktien des US-Herstellers First Solar waren daraufhin um knapp sieben Prozent hochgeschnellt, die des an der Wall Street gelisteten chinesischen Konkurrenten Trina Solar dagegen um fast acht Prozent abgesackt. "Diese Nachrichten sollten zumindest heute auch Solarworld und weiteren Unternehmen helfen", sagte ein Händler. Solarworld (SolarWorld) katapultierten sich mit einem Kursplus von 14,10 Prozent auf 1,740 Euro an die TecDax-Spitze. Dahinter ging es für die Aktien von Centrotherm Photovoltaics (centrotherm photovoltaics) und SMA Solar (SMA Solar Technology) um 1,62 respektive 2,49 Prozent hoch.
Die Papiere von Xing gehörten mit einem Kursplus von 3,16 Prozent ebenfalls zu den wenigen Gewinnern im TecDax. Ein Händler verwies auf den anstehenden Facebook-Börsengang, wo die Wetten auf den ersten Aktienkurs zwischen 43 und 60 US-Dollar liegen und damit deutlich über dem Ausgabekurs von 38 Dollar. Das sorge bei dem deutschen Online-Karrierenetzwerk für Rückenwind./gl/rum
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---