FRANKFURT (dpa-AFX) - Verstärkte Konjunktursorgen haben den deutschen Aktienmarkt nach den Vortagsverlusten am Freitag weiter ins Minus gedrückt. Der
Dax (
DAX) dämmte sein frühes Minus von bis zu 1,34 Prozent aber immerhin ein: Am Nachmittag stand der Leitindex noch 0,89 Prozent tiefer bei 6.286,95 Punkten. Für den
MDAX (
MDAX) ging es am letzten Tag der Woche um 1,67 Prozent auf 10.198,89 Punkte bergab und der
TecDax (
TecDAX) verlor 1,16 Prozent auf 739,20 Punkte.
Für Börsianer Markus Huber von ETX Capital stützte der ifo-Index ein wenig. Das Stimmungsbarometer für die Wirtschaft sei zwar etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben, habe aber die schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt. Zudem habe der Rundumschlag der Ratingagentur Moody's gegen die Banken nicht überrascht. Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade sieht das Börsenbarometer "gefangen zwischen Bangen und Hoffen". Ungeachtet der Sorgen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung gebe es aber kaum rentable Anlagealternativen zu Aktien.
DEUTSCHE BANK BESSER ALS MARKT: 'ABSTUFUNG ÜBERRASCHTE NICHT'
Die europäischen Banken steckten einen Rundumschlag von Moody's gegen die Branche großteils recht ungerührt weg. Experten begründeten dies damit, dass die Abstufung von 15 Großbanken durch die US-Ratingagentur nicht überraschend gekommen sei. Moody's blickt vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise und einer lahmenden US-Wirtschaft mit erhöhter Sorge auf die Bankenwelt. Besonders jene Häuser, die auf den weltweiten Finanzmärkten ein großes Rad drehen, bereiten den Experten Kopfzerbrechen. Die Aktien der Deutschen Bank (Deutsche Bank), die zu den abgestraften Instituten gehört, verloren rund ein Viertel Prozent und hielten sich damit deutlich besser als der Dax. Für die Titel der Commerzbank, die von dem Moody's-Schritt selbst nicht betroffen war, ging es sogar um mehr als ein Prozent hoch.
Die Aktien von Bayer sanken nach negativen Nachrichten zum Medikament Xarelto um deutliche 2,47 Prozent auf 52,86 Euro. Die US-Gesundheitsbehörde FDA will vom Pharma- und Chemiekonzern mehr Informationen für die erweiterte Zulassung des Gerinnungshemmers zur Vorbeugung gegen Herzinfarkte. Ein Händler erinnerte indes daran, dass sich ein FDA-Expertengremium bereits im Mai mit knapper Mehrheit gegen eine solche Anwendung ausgesprochen hatte.
UMSTUFUNGEN BEWEGEN FRAPORT UND DÜRR
Die Papiere der Deutschen Telekom (Deutsche Telekom) gewannen nach der Ankündigung eines drastischen Stellenabbaus und vor allem einer positiven Studie mehr als eineinhalb Prozent und waren damit einer der besten Werte im Dax. Bis 2015 sollen 40 Prozent der Arbeitsplätze in der Bonner Zentrale wegfallen, sagte ein Sprecher. Zudem nahm die Schweizer Bank UBS die Aktie in ihre "Most Preferred List" für den europäischen Telekomsektor auf.
Auch im MDax sorgten Analystenkommentare für Bewegung bei Einzelwerten. Die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport legten als einer der wenigen Gewinner um knapp eineinhalb Prozent zu, nachdem die Frankfurter Investmentbank Equinet sie von "Accumulate" auf "Buy" hochgestuft hatte. Analyst Jochen Rothenbacher schrieb, nach dem jüngsten Kursrückgang sehe er nun eine gute Kaufgelegenheit für die Titel. Bei Dürr (Duerr) ließ hingegen eine Abstufung durch die Deutsche Bank auf "Hold" die Papiere um 0,60 Prozent sinken. Nach der für den Markt wohl nicht überraschenden Erhöhung der Unternehmensprognosen habe die Aktie des Anlagenbauers nun nicht mehr viel Luft nach oben, begründete Analyst Tim Rokossa seinen Schritt./gl/mis
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---