NEW YORK (dpa-AFX) - Nach der kräftigen Erholung seit Wochenbeginn wird der US-Aktienmarkt an diesem Donnerstag kaum verändert erwartet. Auch in Europa waren die Anleger zuvor in den Stand-by-Modus zurückgekehrt, sagten Händler. Aussagen von Mario Draghi wirkten als Belastung. Der EZB-Chef hatte von einem gestiegenen Abwärtsrisiko für die Konjunktur in der Eurozone gesprochen. Auch die jüngsten US-Konjunkturdaten waren nicht nach dem Geschmack der Anleger. Der Future auf den
Dow Jones Industrial (
Dow Jones) lag eine dreiviertel Stunde vor Handelsstart mit 0,15 Prozent im Minus. Am Vorabend hatte der Leitindex mit plus 4,24 Prozent den größten Tagesgewinn seit Mitte März 2009 verzeichnet. Der Future auf den technologielastigen Auswahlindex
Nasdaq 100 (
NASDAQ 100) stand zuletzt bei minus 0,03 Prozent.
Die konzertierte Aktion von sechs großen Notenbanken zur Verbesserung der Dollar-Liquidität europäischer Kreditinstitute hatte zur Wochenmitte ein Kursfeuerwerk gebracht und nun setzten die Kurse wieder etwas zurück, sagten Börsianer. Erfolgreiche Anleihe-Auktionen in Frankreich und Spanien sorgten zwar für spürbare Erleichterung an den europäischen Rentenmärkten. Die Entwicklung wurde jedoch von schwachen Konjunkturdaten aus China überschattet. Dort könnte die Industrieproduktion zum ersten Mal seit drei Jahren schrumpfen: Der offizielle Einkaufsmanager-Index (PMI) sank im November auf 49 Punkte, also unter die 50-Punkte-Expansionsmarke.
Investment-Chef Manish Singh von der Londoner Crossbridge Capital verwies darauf, dass die Schuldenkrise in Europa immer noch ungelöst sei. Vor diesem Hintergrund könnte ein weiter nachlassendes Wachstum in China für zusätzliche Belastungen sorgen. Im weiteren Handelsverlauf dürfte an der Wall Street noch der ISM-Index und die Bauausgaben in den USA im Oktober für Bewegung sorgen. Neben EZB-Chef Draghi äußerte sich auch die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) pessimistisch zur konjunkturellen Lage in Europa und senkte ihre Wachstumsprognosen für mehrere Länder. Die Rezession habe zunächst Spanien, Portugal und Griechenland heimgesucht, nun griffen die wirtschaftlichen Sorgen auf das Kerngebiet der Eurozone über. Auch in den USA warten die Anleger noch vergeblich auf Anzeichen der Erholung: die Zahl der Erstanträge für Arbeitslosenhilfe ging zuletzt nicht so deutlich zurück wie erwartet.
Von den einzelnen Unternehmen dürften Wal-Mart Stores im Blickpunkt stehen. Der Einzelhandelskonzern wird seine Umsatzzahlen für November vorlegen. Von Ford (Ford Motor) werden die Verkaufszahlen für den vergangenen Monat erwartet. Im vorbörslichen Handel stiegen Walt Disney um 0,98 Prozent, nachdem der Medienkonzern eine um 50 Prozent höhere Dividende angekündigt hatte.
Besonders gefragt waren von den High-Tech-Werten Yahoo! (Yahoo) mit einem vorbörslichen Plus von 4,84 Prozent. Nach einem Bloomberg-Bericht plant die Alibaba Group zusammen mit der Softbank eine Komplett-Übernahme des Online-Portals. Sie befänden sich zu diesem Zweck bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen mit zwei weiteren Investoren, Blackstone und Bain Capital./jb/fat